Wie die Marine für ihre, äh, Dienstleistungen wirbt:

»Deutsche, kauft deutsche Bananen«, hat Kurt Tucholsky gesagt. Musste er aber auch, denn er war Pazifist. Heute sieht die Sache ein bisschen anders aus:

Video: Ein Clip der Imagekampagne Meer. FĂĽr Dich, die im Juni von der Marine lanciert wurde

Es handelt sich offenbar um ein offizielles Video und – mehr noch – um eine ganze Kampagne, wie Thomas Wiegold schreibt und hier noch einmal von verantwortlicher Seite nachzulesen ist. Die Marine: ein moderner Dienstleister.

Dieser Clip ist nicht der erste der deutschen Streitkräfte, über dessen Ästhetik ich mich etwas wundere. Vielleicht wäre es eine subtilere PR-Strategie, weiter Komiker nach Afghanistan einzuladen?

Andererseits: Deutsche Truppen schützen deutsche Handelsrouten. Diese Aussage scheint heute problemlos sagbar zu sein. Möge es dem armen Horst Köhler Genugtuung verschaffen.

[♥ to SpOn]

Kurt Krömer in Afghanistan: Eine Rezension seines Reiseberichts »Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will« (KiWi, 2013)

Kurt Krömer: Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will

Abb.: »Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will«, Kurt Krömers Reisebericht aus Afghanistan

»Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt.« Das ist der erste Satz auf der Website des Auswärtigen Amts für Touristen, die sich für das Land interessieren. »In ganz Afghanistan besteht das Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden«, heißt es dort weiter. Die Sicherheit vor Attentaten sei nirgendwo gewährleistet, eine ausreichende medizinische Versorgung fast nirgendwo.

Alexander Bojcan, 38, ist trotzdem hingeflogen. Bojcan ist kein Soldat, kein Reporter, kein Entwicklungshelfer. Er ist Witzeerzähler, besser bekannt unter dem Namen Kurt Krömer. Trotzdem wollte er wissen, was los ist in diesem Krieg, der sich im deutschen Alltag so leicht ignorieren lässt. Über seine Afghanistanreise, die ihn »embedded« bei der Bundeswehr zu deutschen Soldaten führte, aber auch auf eigene Faust ins zivile Leben von Kabul, hat Krömer jetzt sein erstes Buch geschrieben, das teils Autobiographie, teils Reportage ist: »Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will«.

Kurt Krömers Reise finde ich bemerkenswert, sein Buch leider nicht so. Ausführlicher begründe ich das in meiner Rezension auf Spiegel Online.

P.S.: Ein besseres Buch mit dem gleichen Ansatz hat Sebastian Christ geschrieben, »Das Knurren der Panzer im Frühling«, ich habe dazu hier ein paar Anmerkungen geschrieben.

Gegen die Nostalgie (und im Zweifel: fĂĽr die Political Correctness)

Abb.: Vorbildlich politisch unkorrekt, aber leider ein Neandertaler: Banksys »Caveman«, fotografiert von Stefan Kloo/Lord Jim (CC).

Über den »Terror der Tugend« schrieb Harald Martenstein neulich ein ganzes ZEIT-Dossier, gestern legte die Süddeutsche nach und veröffentlichte auf Seite 3 einen Artikel über die singapureanischen Zuständen auf deutschen Spielplätzen (leider nicht online, doch der Tenor war: »Kaugummis, Alkohol, Hunde – alles verboten, schlimm!«).

Das finde ich bemerkenswert: Prominente (und zumindest im Fall von Martenstein auch beneidenswert gute) Autoren warnen auf den besten Seiten der großen deutschen Qualitätszeitungen vor der verordneten Rücksichtnahme und der Political Correctness, die in Deutschland angeblich um sich greift. Der Suhrkamp Verlag macht mit und veröffentlicht mit »In Anführungszeichen« eine anti-PC-Streitschrift der Wiener Intellektuellen Matthias Dusini und Thomas Edlinger (die ich hier für Spiegel Online besprochen habe).

Aber – ist es wirklich so schlimm?

Auf Spielplätzen treibe ich mich seit einigen Jahren nicht mehr so viel rum, deshalb kann ich den Artikel aus der Süddeutschen nicht kommentieren. Ansonsten scheint mir die Aufregung aber schwer nachvollziehbar. Klar, die »Negerpuppe«-Kampagne gegen Sarah Kuttner war lächerlich, aber Allianzen aus Boulevardjournalisten (Mopo) und abgehalfterten Fernsehpromis (Mola Adebisi) gab es schon immer (siehe auch hier).

Dieser alberne Feldzug ist also schwerlich ein Indiz dafür, dass der Tugendterror um sich greift. Oder gar dafür, dass Kultur und freie Meinungsäußerung von Moralaposteln erstickt werden. Ich habe sogar eher den Eindruck, dass wir (das heißt: wir weißen, gebildeten, okay verdienenden Männer, die in dieser Diskussion als alleinige Kläger auftreten) uns heute freier äußern und »unkorrekter« genießen können als noch in vergangenen Jahrzehnten.

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Die staatstragende Poplinke:

Beat ist nicht gleich Beat. Als er in den 60er Jahren von englischen Amateurgruppen entwickelt wurde – die Beatles waren ja anfänglich auch ‚Amateure‘ –, war er vielfach Ausdruck der humanistischen und demokratischen Interessen der Werktätigen.
In vielen Beattiteln wird das Leben der arbeitenden Menschen realistisch geschildert, was vielfach mit einer Kritik an bestimmten Erscheinungsformen des Imperialismus verbunden ist.

– aus: H. P. Hofmann: »Beat. Rock. Rythm & Blues. Soul.« (Berlin: VEB Lied der Zeit Musikverlag, 1973)

»Trotz und Utopie«: Sabine von Bassewitz fotografiert die »Freie Deutsche Jugend« (zwanzig Jahre nach Mauerfall)

Abb.: Aus der Serie »Trotz und Utopie« © Sabine von Bassewitz, verwendet mit Erlaubnis.

This could be interesting: Heute Abend um 19 Uhr eröffnet Sabine von Bassewitz in der Galerie Alles Mögliche (Odenwaldstraße 21, Berlin) eine Austellung mit Bildern ihrer Fotoreportage über die FDJ zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Die Fotografin schreibt dazu:

Der Eiserne Vorhang ist gefallen, die DDR ist Geschichte, die FDJ existiert noch. Vom Herbst 2009 bis zum Herbst 2010 habe ich ihre verbliebenen und neu hinzugekommenen Mitglieder mit der Kamera begleitet.

Einen Vorgeschmack gibt es auf Sabines Website, die Ausstellung läuft noch bis Mai 2011.

Heute in der taz: Zu Besuch bei einem mutmaĂźlichen Terrorhelfer

Mustafa Yoldas hatte verschlafen, als es an einem Dienstagmorgen im Juli an der TĂĽr seines Einfamilienhauses läutete. „Morgens um sieben standen da sechs bewaffnete Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl“, erinnert sich der 40-Jährige. Bisher hatte er sich im interreligiösen und politischen Dialog engagiert, in einer Moschee gebetet, deren Minarette mit Pop-Art-Mustern verziert sind, und Polizisten im Antiterrorkampf beraten. Jetzt wurde er selbst verdächtigt, Terrorhelfer zu sein.

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