An unquestioned premise

An unquestioned premise among those who live in American cities with international airports has been, for more than half a century now, that Enlightenment values would in time become conventional wisdom. Some fought for this future to come sooner. Others waited patiently. But nobody seemed to believe that it would never arrive.

– Nathaniel Rich in his foreword to Joan Didion’s book South and West (New York, 2017).

Minderheit / Mehrheit

Die Geschichte der Schwarzen in Amerika ist die Geschichte Amerikas. Es ist keine schöne Geschicht.

&

Die Zukunft der Schwarzen in diesem Land ist genau so hell oder so dunkel wie die Zukunft des Landes.

– James Baldwin, zitiert nach Raoul Pecks Dokumentarfilm I Am Not Your Negro (in der Arte Mediathek, auf iTunes).

Das ist womöglich übertragbar: Probleme einer Minderheit, die von der Mehrheit unterdrückt wird, sind nicht nur die Probleme einer Minderheit.

Barack Obama: »I ♥ Books«

Wie sich der scheidende Präsident aus dem Amt verabschiedet – und dabei noch mal die Unterschiede zu seinem Nachfolger unterstreicht

Andere scheidende US-Präsidenten versuchen in ihren letzten Amtstagen noch schnell den Nahost-Konflikt zu lösen, um in guter Erinnerung zu bleiben. Barack Obama macht es sich leichter. Er gibt der New York Times ein Interview und redet über: Bücher.

Über Old-School-Zeugs wie die Stücke von William Shakespeare und die Reden von Abraham Lincoln. Über moderne amerikanische Klassiker von Schriftstellerinnen und Schriftstellern wie Toni Morrison und Norman Mailer. Über zeitgenössische Romane von Colson Whitehead und Junot Díaz. Über Bestseller wie Gone Girl und Science-Fiction wie The Three-Body Problem. Und nebenbei spricht er noch über seine eigenen Bücher und das Schreiben.

Man kann sagen, was man will, aber der Typ ist so ein Schlaufuchs: Wie er sich wenige Tage vor der Amtseinführung von Donald Trump noch mal ausdrücklich als leidenschaftlicher Leser positioniert, als einer, der sich für die Welt und die Blickwinkel anderer Leute interessiert, der Worte ernst nimmt und mit Bedacht wählt, der demütig ist vor den Ideen und Erfahrungen anderer.

Hier geht es zu seinem Interview.

Anti-Trump. Ein Best of

Was US-Medien über den nächsten Präsidenten schreiben

Trump is not a man of ideas. He is a demagogue, a xenophobe, a sexist, a know-nothing, and a liar. He is spectacularly unfit for office, and voters—the statesmen and thinkers of the ballot box—should act in defense of American democracy and elect his opponent.

Aus der Zeitschrift The Atlantic, die eine Wahlempfehlung für Hillary Clinton aussprach. Der ganze Text hier.

This year, the choice isn’t between two capable major party nominees who happen to have significant ideological differences. This year, one of the candidates — Republican nominee Donald Trump — is […] unfit for the presidency.

Aus der Tageszeitung USA Today, die grundsätzlich keine Wahlempfehlungen ausspricht, die in diesem Jahr aber dringend von der Wahl Donald Trumps abriet. Der ganze Text hier.

Nothing anyone could reveal about Trump could get me to change my opinion that he’s an asshole. And not a „yeah, but he’s our asshole“ kind but rather a cartoon villain, a fake, a cheat, a liar, a creep, a bullying, bragging, bullshitting, blowhard kind of asshole.

Aus der Zeitschrift Esquire. Der Autor, Mark Salter, war Redenschreiber des früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Esquire druckte den Text auf der ersten Seite der Ausgabe, deren Titelseite ein Foto von Trump zusammen mit der Zeile „Hater in Chief“ zeigte. Der ganze Text hier.

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Original Hustlers: Zeitungsjungen & Zeitungsmädchen in der Fotografie

Diese drei Herren hier sind original hustlers. Jungs aus armen Verhältnissen, die an Straßenecken rumhängen und sich durchschlagen. Fotografiert hat sie Lewis Hines in St. Louis. Das war 1910. Sogenannte newsies, die auf der Straße Zeitungen verkauften, prägten damals das Stadtbild der Vereinigten Staaten.

Die New York Times berichtete in einem Artikel:

The first full-flegded American newsboys are said to to have been employed by The Sun about 1836 [Anmerkung: Gemeint ist wohl die New Yorker Zeitung]. Within a fews years all the cheaper newspapers had them. […] The newsboys were undoubtedly a rough lot, though they may have had hearts of gold under their tattered coats. They had to be hardboiled to survive at all

Offenbar wurden die newsies immer wieder als Ärgernis wahrgenommen. Die Times berichtet in den 1920ern von newsies, die saftige Geldstafen bekamen, weil sie verbotenerweise in der U-Bahn handelten oder mit ihrem Geschrei gegen Lärmschutzgesetze verstießen. Bisweilen streikten die Zeitungsjungen auch und legten mit ihren Protestmärschen für bessere Bezahlung den Verkehr lahm.

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Kulturelle Bildung als Machtfaktor: Eric Lius Essay How to Be American

Vom »Ende des weißen Amerikas« ist bereits seit einigen Jahren die Rede. So hat zum Beispiel Hua Hsu Anfang 2009 anlässlich der Vereidigung von Barack Obama im Atlantic ein Essay unter diesem Titel veröffentlicht, in dem er über das nahende Ende der kulturellen Hegemonie der europäisch-stämmigen Amerikaner spekuliert.

Eine wichtige Ergänzung zu dieser These ist jetzt in der Zeitschrift Democracy erschienen: How to Be American. Der Autor Eric Liu korrigiert in seinem Essay die Annahme, dass mit einer sich verändernden Demographie auch notwendigerweise eine Veränderung der Machtverhältnisse im Land einhergehe:

The new America, where people of color make up a numerical majority, is not a think-tank projection. It may well be the condition of the people born in this country this very year. But an America where nonwhites hold a majority of the power in civic life is much farther off.

Ein Faktor, der Immigranten (und andere Unterprivilegierte) von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließe, sei ihre mangelnde »kulturelle Alphabetisierung«.

Dieser Begriff beschreibt bei Liu das Unwissen über den historischen und kulturellen Kanon eines Landes ebenso wie das Unvermögen, codierte Ausdrücke (Redensarten, Referenzen, … ) zu erkennen und korrekt zu deuten.

Kulturelle Bildung, argumentiert Liu sinngemäß und frei nach Bourdieu, ist ein Machtfaktor:

If you are an immigrant to the United States […] you have a single overriding objective shared by all immigrants at the moment of arrival: figure out how stuff really gets done here.

That means understanding what’s being said in public, in the media, in colloquial conversation. It means understanding what’s not being said. Literacy in the culture confers power, or at least access to power. Illiteracy, whether willful or unwitting, creates isolation from power.

Folgt man dieser Überlegung, ist es kontraproduktiv, den Kanon der »toten, weißen Männer« zerkloppen zu wollen. Solange er eine Zugangsbarriere zur gesellschaftlichen Teilhabe darstellt, muss man ihn lehren.

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Was verraten Schamhaare über die Gesellschaft? Die Geschichte der Körperhaarentfernung

Die amerikanische Geschlechterforscherin Rebecca M. Herzig hat in diesem Jahr ein Buch zur Geschichte der Körperhaarentfernung in den USA des 19. und 20. Jahrhunderts veröffentlicht.

Ich gestehe, dass ich die Lektüre mit 1) ordentlicher Skepsis und 2) leisem Amüsement angesichts dieses Forschungsgegenstands antrat, 3) auch heute noch manche Thesen des Buches nicht nachvollziehbar finde, aber 4) ziemlich begeistert bin, was Herzig diesem scheinbar marginalen Thema abringt. Ihr Buch Plucked erzählt von Geschlecht, Kapitalismus, Naturwissenschaft und technischen Fortschritt – am Beispiel des ungeliebten Haares.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen – nicht nur, weil es originell ist. Ausführlicher habe ich meine Kritik für Spiegel Online aufgeschrieben.