Sächsische Wertkunstarbeit

Großer Text des amerikanischen Journalisten Thomas Meaney über den Maler Neo Rauch neulich im New Yorker. Darin diese kleine, hübsche Beobachtung:

One of the ironies of East German Communism is that it consecrated many of the bourgeois rituals and institutions of German culture—piano lessons, choir practice, drawing schools, classical prose—that suffered in West Germany during the upheavals of the sixties.

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (offenbar nicht online) setzt Sara Tröster Klemm noch einen drauf und schreibt über die Lehre an den Kunsthochschulen in Dresden und Leipzig:

Die Kunstprofessorinnen und -professoren pflegen alte malerische Traditionen. Penibles Naturstudium und Zeichnen, bis den jungen Kunststudierenden an den Händen Hornhäute wachsen und die Finger bluten, sind Pflicht.

Hyperbel, nehme ich an. Und grausam konnten auch die Lehrmethoden an Kunsthochschulen im dekadenten, abgeschlafften, anti-autoritären Westen sein.

Trotzdem interessant, dieser Verweis auf den Sozialismus als Refugium der bürgerlichen Kultur. Und auf den ostdeutschen Stolz auf der eigenen Hände Fleißarbeit. (Wobei es natürlich zwei – im weitesten Sinne – Wessis sind, die hier schreiben.)

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