Ajatollah Strauß

Der Vorabdruck einiger Aphorismen und Wehklagen des Schriftstellers Botho Strauß im Feuilleton der ZEIT. Ich bin irritiert, wie dünn das wortgewaltig Vorgetragene inhaltlich ist. Notiert habe ich mir: Bücher gut, Internet doof, Feminismus lästig, Regierung faul, Coronaleugner leider auch doof, was hilft? George lesen.

Interessant ist aber die Stelle über die islamische Theokratie. Bei Houellebecq konnte man ja schon den Eindruck bekommen, er fände die Vorstellung der Unterwerfung Frankreichs unter eine islamische Theokratie gar nicht so schlimm, sondern erstens unvermeidlich und verdient als Folge des laschen Larifaris der westlichen Moderne und zweitens vielleicht sogar ein bisschen verlockend: minderjährige Zweitfrauen in Hello-Kitty-Höschen! (Moment, verwechsle ich hier Autor und Erzähler? Na ja, so halb.)

Botho Strauß schreibt jetzt:

»In islamisch theokratischen Ländern wie dem Iran sind es wenige (Gelehrte), die den meisten, den Massen, Weisung geben. Bei uns bestimmt das Populäre das Niveau der politischen Repräsentation, nicht zuletzt, weil Parteizugehörigkeit zwangsläufig Wissen reguliert und im wesentlichen kein außerdemokratisches aus der Tiefe der Zeit zuläßt.«

Parteimitgliedschaft macht dumm, das ist natürlich Stammtisch-Blabla (siehe oben), aber: Spricht aus diesen Zeilen die Sehnsucht nach einer Gelehrtenherrschaft, notfalls auch einer islamisch theokratischen?

Nicht, dass ich mich hier auf die Position »na, dann geh doch nach drüben!« zurückziehen will, aber das scheint hier die Fantasie zu sein: Ajatollah Strauß.

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