Happy New Year!

1751 veröffentlichte der englische Maler William Hogarth seinen Druck „Beer Street and Gin Lane“, der vor den Gefahren des neumodischen Gintrinkens warnte. (Die Bildausschnitte in diesem Blog-Eintrag habe ich von Wikipedia gemopst.)

Damit kein Zweifel daran aufkam, wie schĂ€dlich das Gintrinken fĂŒr das Gemeinwohl ist, fĂŒgte Hogarth seinem Druck ein drastisches Detail hinzu: Eine Mutter, der beim Stillen das Baby aus den Armen flutscht und in einen Abgrund stĂŒrzt. In ihrem Gin-Suff merkt die Frau das noch nicht mal.

Mit seinem nicht unbedingt subtilen Werk hatte Hogarth Erfolg: Im selben Jahr, in dem sein Druck erschien, verabschiedete das britische Parlament den „Gin Act“, der durch hohe Abgaben den Gin unattraktiver machen sollte. Schließlich waren es vor allem Arme und Arbeiter, die sich des ungeziemten Ginkonsums verdĂ€chtig machten. Die sollten halt mehr Tee trinken! Oder, wie William Hogarth in seinem Druck vorschlug: mehr Bier.

(Inzwischen wissen wir: Bier ist keine optimale Alternative in der Schwangerschaft und Stillzeit.)

All das ist lĂ€ngst Geschichte. Der „Gin Act“ wurde im 20. Jahrhundert wieder vom Parlament kassiert und der Gin wurde erneut zum ModegetrĂ€nk. Aber kein Problem, denn wie ich heute erfahren habe, gibt es inzwischen alkoholfreien Gin. Der schmeckt dem Vernehmen nach so furchtbar, dass man ihn nur zum Mixen nutzen kann. Und der halbe Liter kostet atemberaubende 20 Euro.

Trotzdem: Ist die Gegenwart nicht geil? MĂŒtter können beim Stillen Gin-Tonics trinken, Parlamente ordentlich regieren und KĂŒnstler wieder Kunst machen, statt doofe Propaganda-Drucke. Ich bin begeistert.

Frohes Neues. 🎆


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