Besser als ausgedacht (3): Stefan Zweigs Sternstunden der Menschheit

Vergesst die Fuck-Up Nights, vergesst die #fail-Meme — die krasseren Geschichten vom Scheitern gibt’s bei Stefan Zweig.

In seinem Buch Sternstunden der Menschheit aus dem Jahr 1927 (dass der Titel heute wie ein Witz klingt, ist auch ein bisschen die Schuld von Rocko Schamoni) erzählt er fünf auf wahren Tatsachen beruhende Geschichten von spektakulären Niederlagen.

Zum Beispiel die von Robert Scott, der als erster Mensch den Südpol erreichen wollte, nur um nach langen Entbehrungen vor Ort festzustellen, dass er es bloß als zweiter geschafft hatte. Besonders miese Pointe: Scott und alle seine Begleiter starben auf dem Rückweg. Stefan Zweig findet das faszinierend, für ihn ist Scott einer der ganz großen Helden.

Ironischerweise hatte Zweig selbst mit seinem Buch spektakulären Erfolg: In meinem Exemplar, das mir neulich in einem Second-Hand-Laden entgegengefallen ist, wird die gedruckte Auflage auf 320.000 Exemplare beziffert. (Das muss vor 1933 gewesen sein, denn unter den Nazis wurden die Bücher von Stefan Zweig verboten und verbrannt.)

Und da erzählen einem Verlagsleute heute noch, „narrative non-fiction“ würde sich in Deutschland nicht verkaufen. Kannste mal sehen: Scheitern als Chance.

Ich lese gerne „non-fiction“, vor allem, wenn sie gut erzählt ist: Sachbücher, Reportagen, Autobiografisches, Essays (im amerikanischen Sinne des Wortes). Immer dann, wenn ein Erzähler auf die Wirklichkeit trifft, wird es für mich interessant. In diesem Blog stelle ich in der Reihe „Besser als ausgedacht“ Bücher dieser Gattung vor, die mir in die Hände gefallen sind – und die mir gut gefallen. Bisher etwa „Paris, Mai ’68“ von Anne Wiazemsky und „Future Sex“ von Emily Witt.

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