Gut aussehen im Netz

Ein Paradigma für die Gestaltung von Waren, Kunst, Protesten, Promis

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Es reicht heute nicht mehr, dass Dinge gut aussehen. Sie müssen auch im Internet gut aussehen:

[I]n Zeiten von Smartphones und Social Media wirbt ein Produkt nicht mehr nur im Laden für sich […]. Wirklich erfolgreich ist ein Produkt erst, wenn es möglichst oft auf Plattformen wie Instagram, Pinterest oder Facebook auftaucht.

Das schreibt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich (in: »Knips mich!«, Brand Eins, Nr. 12/2016, Seite 122).

Im Produkt- und Verpackungsdesign komme es demnach darauf an, nicht nur schöne, sondern auch möglichst fotogene Waren zu gestalten. Das Produkt müsse sich in die professionelle Ästhetik der bezahlten »Influencer« einfügen lassen, aber auch dann noch gut aussehen, wenn es von Laien fotografiert wird. Und: Ein erfolgreiches Produkt müsse seine Nutzer anregen, es fotografieren zu wollen.

Die Aufmerksamkeits- und Erfolgskriterien, die Wolfgang Ullrich für die Warenwelt beschreibt, haben sich auch einige junge Künstler angeeignet.

Susanne Pfeffer, die Direktorin des Fridericianum in Kassel, sagt:

What’s particular to artists nowadays is that there’s an awareness that these works will be photographed and documented. These artists know that a lot of works will only be experienced as images on the Internet, as opposed to in person, so they position works in a space that already considers how it will appear in photographs. That’s something new. Almost every artist wanted the coldest neon to light the exhibition. Totally blue. Totally cold. That approach is also a function of technology and capitalism, injecting a certain coldness into the materials.

(In: »How Art’s Post-Human Turn began in Kassel.« Interview von Thom Bettridge, 032c, #29, Winter 2015/2016, hier auch online zu lesen.)

Wolfgang Ullrich schreibt weiterhin, dass auch einzelne politische Proteste heute der visuellen Logik des Internets folgten (sein Beispiel: Femen).

Und es lässt sich auch argumentieren, dass es heute auch Prominente gibt, deren Äußeres für die Abbildung und Verbreitung im Internet optimiert worden ist (ich habe das hier am Beispiel von MC Fitti beschrieben).

Anschlussfragen: Was sind Gestaltungskriterien für den Erfolg im Netz? Wie wirkt sich das neue gestalterische Paradigma aus auf Inhalte (weniger der Produkte als der Proteste, der Kunst)?

1 Kommentar zu „Gut aussehen im Netz

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