Gegenwartskunde (1): Superhelden, Lego-Waffen, Facebook vs. Frauen

Lassen sich politische Konflikte durch Superhelden lösen? Es scheint sich eine entsprechende Sehnsucht auszubreiten: Nachdem die aktivistischen Hacker von Anonymous die Guy-Fawkes-Maske aus der Comic-Verfilmung V for Vendetta zu ihrem Erkennungszeichen machten und die ethno-nationalistischen Identitären ihr Logo aus der Comic-Verfilmung 300 übernahmen, demonstrierten im vergangenen Monat Stahlarbeiter mit der Maske von Iron Man, bekannt aus dem gleichnamigen Comic und seinen Verfilmungen. Sie forderten unter anderem Strafzölle zur Abwehr von billigem Stahl aus China.

(Quelle: Die Welt, Link zum Artikel)

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Bei Lego herrscht keine heile Welt mehr. Forscher der Uni Canterbury haben nachgezählt und festgestellt: 30 Prozent aller Lego-Sets enthalten heute eine Waffe. Das war nicht immer so. Seit 1978 (Beginn des Untersuchungszeitraums) hat die Militarisierung demnach rapide zugenommen. Kein Problem, sagt Lego. Im Hamburger Abendblatt vom 24. Mai 2016 wird eine Sprecherin der Firma mit den Worten zitiert, »in einigen Lego-Welten gehe es um Konflikte, und die seien Teil des Alltags der Kinder«. Wie löst man Konflikte am besten? Eben: Mit Ninja-Schwertern und X-Wing-Fightern. Zumindest, wenn man gerade keine Superhelden zur Hand hat.

(Quelle: Hamburger Abendblatt, hier geht’s zur Studie)

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Facebook hat ein Problem mit Fotos von Frauenkörpern. Fotos, die nackte Frauen zeigen, werden von dem Konzern gelöscht. Vorgeblich geht es dabei um die Bekämpfung von Pornografie oder so, doch das ist Quatsch: Werbefotos für Pornos toleriert Facebook, solange keine Brustwarzen zu sehen sind. Kunst- oder Pressefotos hingegen werden vom Konzern entfernt, selbst wenn diese in Absicht, Inhalt und Kontext eindeutig nicht pornografisch sind. Das dürfte bekannt sein. Neu war für mich, dass Facebook in bestimmten Fällen auch Fotos von Frauenkörpern löscht, die der Konzern offenbar als zu dick empfindet – und zwar unabhängig von ihrer Bekleidung.

(Quelle: Spiegel Online, Link zum Artikel)

Zu lang für Twitter, zu kurz für ein eigenes Blog-Posting: Beobachtungen, Links und andere Fundstücke dieser Art sammle ich ab sofort unter der Überschrift »Gegenwartskunde«. Mein inhaltlicher Fokus liegt irgendwo zwischen (populärer) Kultur, Medien und Politik. Alle bisherigen Folgen der Gegenwartskunde gibt es hier, mehr über mich hier.

3 Kommentare zu „Gegenwartskunde (1): Superhelden, Lego-Waffen, Facebook vs. Frauen“

  1. Nackte Frauen werden bei FB entfernt aber Nazis dürfen ihre Parolen verbreiten… Ich weiß schon, warum ich FB seit Beginn boykottiere…

  2. Ja, das ist ein guter Boykottgrund. Und nicht der einzige. Wenn man dann noch, ähem, die Willensstärke hat, das durchzuziehen, oder die Vorsehung, gar nicht erst damit anzufangen: fantastisch.

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