Für postheroischen Journalismus!

Warum mich die Sendung Conflict Zone mit Frauke Petry nicht begeistert

Diese Woche hat die Deutsche Welle eine Folge ihrer Sendung Conflict Zone veröffentlicht, in der die AfD-Politikerin Frauke Petry in englischer Sprache interviewt wird (siehe Video oben). In meinen Sozialen Netzwerken wurde das Video in den vergangenen 24 Stunden viel geteilt und – soweit ich das überblicke – ausschließlich mit anerkennenden Worten gepostet.

Auch einige Onlinemedien berichten in einem Tonfall, als wäre dem Moderator Tim Sebastian und seiner Redaktion eine journalistische Heldentat gelungen. So meldete stern.de etwa anerkennend, Petry sei »ordentlich auseinandergenommen« worden. Bento urteilt, Petry werde »immer wieder ad absurdum« geführt. Weitere Beispiele lassen sich leicht ergoogeln.

Ich verstehe die Begeisterung über Conflict Zone mit Frauke Petry nicht. Tim Sebastian erscheint mir so selbstgerecht, flegelhaft und krawallig, dass ich das Interview kaum ertragen kann.

Seine Angewohnheit, sie ständig zu unterbrechen, zeugt von schlechtem Stil, ganz unabhängig davon, dass es womöglich auch ein Paradebeispiel für »mansplaining« ist: Die arme Frau Petry kann keinen Gedanken (egal für wie krude man ihn auch halten mag) zu Ende führen, weil ihr der alte Mann ständig ins Wort fällt und ihr erklärt, was sie »wirklich« gemeint hat.

Erleben wir hier eine »Entzauberung« der Petry, wie irgendwer kommentierte? Ich glaube nicht. Und das nicht nur, weil Petry nie bezaubernd war. (Anders als glanzvollere Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg.)

Stattdessen kann hier jeder auf seine Kosten kommen, indem er seine Voruteile bestätigt sieht: Die einen genießen, dass die AfD nach ihren schmerzhaften Landtagswahlerfolgen ein bisschen zurückgequält wird. Die anderen freuen sich über einen weiteren Beleg für den Antagonismus der Medien im Allgemeinen und die Abschaffungswürdigkeit der Öffentlich-Rechtlichen im Speziellen (auch wenn das jetzt angeblich nicht mehr im AfD-Programmentwurf steht).

Selbstverständlich kann man sich seinen Interviewpartnern nähern wie ein Stierkämpfer. Aber ist das in jedem Fall die beste oder passende Form, ein journalistisches Gespräch zu führen? Diese Folge von Conflict Zone zeigt eindringlich: nö, isses nicht.

Lernen wir nicht von Tim Sebastian, sondern besser von Journalistinnen und Journalisten wie Jon Ronson, Louis Theroux oder Mo Asumang die ihren Gesprächspartnern nahe kommen (und sie oft genug auch entlarven), indem sie sie ernstnehmen, um Verständnis ringen und höflich bleiben.

Für einen postheroischen Journalismus!

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