Die Lolcat des Rap: Warum ich mich für MC Fitti interessiere – und was ich erlebte, als ich ihn einige Tage begleitet habe

fitti

Abb: Mit rosafarbenem Sakko ein ansonsten eher trostloses Büro aufwerten? Fitti macht das

Im Jahre des Herren 1998 kaufte ich nach diversen prä-pubertären Geschmacksverirrungen meine erste HipHop-Platte: Sillium von Fünf Sterne Deluxe. Keine leichte Kost, dieser (sagen wir mal) Psychedelic-Kiffer-Rap. Nach einer kurzen Phase der Akklimatisation hörte ich die nächsten Jahren trotzdem fast ausschließlich deutschsprachigen Rap. Solange, bis sich auch der letzte satt war von dem Genre und dem Hype darum.

Es folgten die Gitarrenjahre. Die Bands hießen gleich, klangen gleich, sahen gleich aus – mit keiner der Hives/Strokes/Vines/Stripes-Platten verbinde ich heute noch so konkrete Erinnerungen wie mit Sillium.

Inzwischen ist deutschsprachiger Rap wieder groß, vielleicht größer und vielfältiger als jemals zuvor (hören Sie für eine Bestandsaufnahme von berufeneren Geistern dieses Gespräch von Falk Schacht mit Spaiche und anderen aus dem vergangenen Jahr). Doch wenn heute über Drogen gerappt wird, dann wohl öfter über Lines als über Blunts. Der trippige Kifferhumor hat den Weg frei gemacht für eine Ästhetik der Härte.

Oder, wie Thomas Groß vor einigen Jahren schrieb:

»Ficken« wird das in den Texten des Härte-Rap ebenso durchgängig wie unermüdlich genannt, »Ich fick dich«, »Ich fick dich zurück«, »Jetzt fick ich dich aber erst recht«, eine Praxis, die nicht nur auf persönliche Rivalitäten begrenzt ist. Die eine Gang fickt die andere, der Wedding fickt Lichtenberg, Lichtenberg Schöneberg, Schöneberg Tempelhof, Berlin insgesamt den ganzen Rest, der Extremfick ist der »Kopfschuss«: Peng, du bist tot.

Vor diesen Hintergrund tritt nun ein Tanzbär im rosafarbenen Sakko. Ein Pionier der neuen Albernheit. Ein Rapper, der nach gängigen Standards gar nicht richtig rappen kann – und der damit ziemlichen Wind und wohl auch ganz gut Kohle macht. Sein Name ist MC Fitti.

Wird MC Fitti zerfleischt? Gefickt? Kopfschuss? Nö, eher im Gegenteil: Auf Sillium haben Tobi und Bo noch über HipHop-Clowns und Partyrapper gespottet. Heute baut Tobi (mit Moonbootica) Beats für MC Fitti und Bo tritt mit ihm auf denselben Partys auf. Celo & Abdi von Haftbefehls Azzlack-Label, einer der Institutionen der Härte, zeigen sich in MC Fittis Video und rappen ein paar Zeilen mit. Und klar, Bushido disst ihn, aber »Bushido disst ihn«, heißt das nicht auch: Bushido nimmt ihn ernst?

So oder so: Ich finde MC Fitti interessanter, als einige meiner werten Kollegen im Schreiben-über-Pop-Betrieb, die er offenbar eher langweilt (aus den eigenen Reihen hieß es, Fitti bewege sich »an der Grenze des Egalen«).

Im vergangenen Jahr hatte ich das Privileg, den guten Mann einige Tage bei der Arbeit und hinter den Kulissen zu beobachten: im Studio, bei Live-Auftritten, auf der Frankfurter Buchmesse. Was ich dabei zu sehen bekam, habe ich aufgeschrieben. In einem Text für Zeit Campus (Nr. 1/15), der jetzt auch online zu lesen ist. Nach dieser epischen, exhibitionistischen und möglicherweise auch hanebüchenen Vorrede:

Klicken Sie hier für meine Reportage über die Lolcat des Rap.

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