OZ lebt! Frische Tags in der Schanze

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Abb. 1: Ein frischer Kreidetag, anderthalb Wochen nach dem Tod von OZ (Holstenglacis, etwa auf Höhe des Oberlandesgerichts)

Keine zwei Wochen ist es her, dass der Sprüher OZ in der Nähe des Hauptbahnhofs von einer S-Bahn erfasst und getötet wurde. Sein Kürzel gehört zum Stadtbild Hamburgs, es steht an Stromkästen und an Mauern geschrieben, laut Abendblatt mehr als 120.000 Mal. Im Millerntorstadion weht es auf einer Flagge über den Köpfen der Ultràs.

Mag sein, dass sich Hausbesitzer immer noch über die Spuren aufregen, die OZ überall in der Stadt hinterlassen hat. Vielen anderen Menschen wird es so ähnlich gehen wie mir: Wir haben uns längst daran gewöhnt.

Trotzdem war ich überrascht, wie sehr mich die Meldung von seinem Tod getroffen hat. Und nicht nur mich: Freunde posteten Beileidsbekundungen auf Facebook. Statt seinen Tod bloß zu vermelden, veröffentlichten mehrere Zeitungen Nachrufe, darunter sogar der Guardian. Tags drauf hörte ich, abends vor einer Lesung im Thalia Gaußstraße, wie eine Frau in ihr Handy sprach: »Hast Du schon gehört? OZ ist tot. Voll traurig.«

Seit seinem Tod fallen mir die Signaturen an den Häuserwänden wieder auf. Wir sitzen im Bus, auf derselben Route, die wir jeden Tag fahren, schon hunderte Male gefahren sind, und stubsen uns an: »Guck mal, da hat er auch getaggt!« Es ist unser Erbe und sein Lebenswerk: OZ macht, dass wir die Stadt wieder mit offenen Augen sehen.

Als ich heute durch die Schanze lief, entdeckte ich Tags, die auf den ersten Blick aussahen, als hätte OZ sie hinterlassen. Auf den zweiten Blick wirkten sie aber verdächtig. Gut, ich bin kein Handschriftenexperte, aber diese ungelenken Zeichen, diese frischen Kreidesignaturen, das war doch unmöglich OZ selbst gewesen … oder?

Neulich, als OZ noch lebte, habe ich eine HipHop-Posse für eine Reportage begleitet. Dabei lernte ich: Man taggt immer für Freunde mit, die gerade verhindert sind. Schöne Vorstellung.

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Abb. 2: Ein Kreidetag in der Beckstraße zwischen Schanzenstraße und Schlachthofgelände

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Abb. 3: Zwei Tags (unterschiedlicher Urheber?) in der Sternstraße am Schlachthofgelände

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Abb. 4: Eine Notiz der Nachlassverwalter von OZ (Schulterblatt, Ecke Susannenstraße)

2 Kommentare zu „OZ lebt! Frische Tags in der Schanze“

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