Wo sitzt die Made? Im Speckgürtel. (Neu: Nachwort für AfD-Wähler!)

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Abb. 1-2: So schön/schlimm ist Hamburg-Nienstedten

Fast unsichtbar ist die AfD im Hamburger Kerngebiet – also dort, wo die Anwesenheit des 21. Jahrhunderts (Migranten, Schwule, werktätige Frauen, Flaschensammler) nicht mehr zu leugnen ist.

Doch etwas weiter draußen, hinter dem Findling am Elbstrand, etwa auf Höhe des Jenischparks, sieht man dieser Tage AfD-Plakate an jedem Lampenposten (vgl. Abb. 1). Unterbrochen werden sie nur durch den gelegentlichen Aufruf zur Unterstützung der G9-Initiative, der offenbar von der Partei gleich mitplakatiert wurde.

Hier, wo es keine Zehn-Euro-Frisöre gibt, sondern nur Pudel-Trimm-Salons; wo die Häuser Reetdach tragen und bei Ebbe die Yachten im Schlamm stecken bleiben (vgl. Abb. 2) bereiten die »Alternativen« ihren Marsch auf das Hamburger Rathaus vor. Irgendwas ist faul an diesem Bild. Entscheiden Sie selbst.

Nachtrag am 6. Oktober 2014:

Liebe Kandidaten & Wahlkämpfer der AfD in Hamburg!

Ich bin überzeugt davon, dass Ihr Umgang mit der deutschen Sprache sattelfest ist. Zumindest kenne ich keine andere Partei, deren Abgeordnete sich ähnlich stark um den Erhalt unserer Sprache sorgen. Nachdem ich heute eine etwas unbeholfene Lesart dieses Blog-Postings auf Ihrer Facebook-Seite entdeckte, sehe ich mich trotzdem in der Pflicht, einige ergänzende Worte zu schreiben:

Wer die Redensart bemüht, jemand lebe »wie die Made im Speck«, der meint doch gemeinhin, dass der derart Beschriebene ein offenkundig sorgloses Leben führt. Ein Leben ohne größere materielle Nöte. Ein Leben, wie es vielen Bürgern von Nienstedten vermutlich eher gegeben ist als einigen der (migrantischen, Flaschen sammelnden, … ) Bewohner von St. Pauli oder Altona. Möglicherweise sitze ich hier Vorurteilen auf. Ich war jedenfalls verblüfft darüber, dass Sie ausgerechnet in diesem Teil Hamburgs Ihre Wähler suchen. Mitnichten ging es mir um die Mobilisierung von »Ungeziefer-Metaphern«, wie es heute etwas missverständlich auf Ihrer Facebook-Seite heißt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich teile viele Ihrer politischen Anliegen nicht – dafür aber die Liebe zur deutschen Sprache und zu ihren Eigentümlichkeiten. Für den Wahlkampf wünsche ich Ihnen (verzeihen Sie mir den Anglizismus!) Fairplay und starke Nerven.

Herzlich, OP.

1 Kommentar zu „Wo sitzt die Made? Im Speckgürtel. (Neu: Nachwort für AfD-Wähler!)“

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