Der beste Debütroman des Jahres: Per Leo erhält den Kühne-Preis 2014 für sein Buch Flut und Boden. Hier steht, wieso

Der Schriftsteller Per Leo hat heute Vormittag den Klaus-Michael-Kühne-Preis für den besten Debütroman des Jahres bekommen. Leos Flut und Boden ist ein Buch, das (kann man, glaube ich, sagen) uns alle begeistert hat, die wir in der Jury des Preises waren – auch wenn es in diesem Jahr einige sehr starke Mitbewerber gab und wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben.

Hier unsere Begründung:

Per Leos autobiografisch gefärbter Roman »Flut und Boden« erzählt am Beispiel dreier Generationen eine gar nicht so untypische deutsche Familiengeschichte im 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt des Buches steht der Großvater Friedrich, ein überzeugter Nationalsozialist – wie sein Enkel, er ist der Ich-Erzähler des Buches, erst nach dem Tod des Großvaters herausfindet. Dieser war in einer NS- Behörde zuständig für die »rassische Auslese« der Bevölkerung in den von den Deutschen besetzen Gebieten.

Per Leos erzählerischer Kunstgriff ist es, mit den Augen der Enkelgeneration auf das Verhängnis zu schauen und dabei ohne die üblichen Nazi-Klischees auszukommen. So entsteht ein Psychogramm, das mit der Einfühlung des Nachgeborenen auch die anderen Familienmitglieder in den Blick nimmt. Per Leo verzichtet auf die typischen Handlungsstränge eines Romans, der die NS-Zeit thematisiert, und doch verdrängt oder verschweigt er nichts. So wird das oft Gesagte ganz neu erzählt.

»Flut und Boden« ist kein typischer Familienroman, obwohl er bis hin zur Beschreibung zweier unterschiedlicher Brüder und sogar einer Weihnachtsszene alles enthält, was man seit den »Buddenbrooks« von einem typischen, deutschsprachigen Familienroman erwartet. Virtuos und mit gelegentlich aufblitzendem trockenem Humor variiert Per Leo Themen, Figuren und sogar ideengeschichtliche Exkurse. So gelingt ihm eine freie, zeitgemäße Improvisation über ein klassisches Thema, das von der Liebe zu Werder Bremen ebenso erzählt wie von der Begeisterung für die Rockband Nirvana.

Gezeichnet von den Juroren Thomas André (Hamburger Abendblatt), Sebastian Hammelehle (Spiegel Online), Andrea Ritter (Stern), Ulrike Sárkány (NDR Kultur) und von mir (in die Jury entsandt von Zeit Campus). Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und ist heute auf der Abschlussmatinee des Harbour-Front-Literaturfestivals in der Laeiszhalle in Hamburg vergeben worden.

2 Kommentare zu „Der beste Debütroman des Jahres: Per Leo erhält den Kühne-Preis 2014 für sein Buch Flut und Boden. Hier steht, wieso“

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