Darf man noch »Hipster« sagen? (3) Das neue Ding heißt »Normcore«, schreibt eine New Yorker Trendagentur

photo from the khole youth reportAbb.: Ein Foto aus Youth Mode: A Report On Freedom, dem Hipster-Manifest der Trendagentur K-Hole

In der Hipster-Diskussion hat sich einiges getan seit meinen letzten Postings. Der neue Player ist K-Hole, eine New Yorker Trendagentur – oder vielleicht eher die Parodie einer New Yorker Trendagentur, wer weiß.

Jedenfalls veröffentlichte K-Hole vor einigen Wochen ein Dokument namens Youth Mode: A Report On Freedom (hier gibt’s die PDF, zuerst gelesen habe ich davon in De:Bug, bezahlt hat den K-Hole-Report offenbar Box 1824).

In dem Report bennen K-Hole drei Folgen des zeitgenössischen Hipsterism, den sie »Mass Indie« nennen:

  1. »Seeming Like a Clone«
  2. »Isolation«
  3. »Maxing Out«

Probleme Eins und Zwei beschreiben das soziale Grunddilemma der Mode: Einerseits will man dazugehören. Andererseits will man einzigartig sein. Selbst wenn man dazu gehört, will man kein Klon sein. Selbst wenn man einzigartig ist, will man nicht einsam sein.

Die Folge: Da sich ständig verändert, was gerade angesagt ist und was gar nicht mehr geht (bedingt nicht nur durch die Zyklen am Markt, sondern vor allem durch die Beobachtung, wer gerade was trägt oder nicht trägt) muss man seinen Style immer wieder korrigieren – um nie zu sehr dazuzugehören, aber auch nie zu wenig.

Problem Drei ergibt sich aus dieser Dynamik: es ist stressig, Trends nachzulaufen (oder Trends zu setzen, oder mit Trends zu brechen) und permanent Korrekturen an der Selbstinszenierung vorzunehmen.

K-Hole schreibt:

The markers of individuality are so plentiful and regenerate so quickly that it’s impossible to keep up.

Diese Analyse ist nicht neu, die Lösung auch nicht – K-Hole proklamiert, das Hippste, was die Hipster-Eliten tun könnten, sei das Spiel um die Hipness (die modische Abweichung, die immer neue Differenz, … ) aufzugeben.

Interessant wird es danach. K-Hole empfiehlt nämlich nicht, Urban Outfitters zu boykottieren und stattdessen bei Manufactum zu shoppen. Die Autoren fordern nicht eine Neue Aufrichtigkeit, die doch nur wieder eine konsumistische Lösung individueller Probleme verspricht und eine modische Abweichung darstellt (denn wie modisch ist es gerade, gezielt unmodisch zu sein!).

K-Hole verwirft nicht nur die Hipness, sondern auch die Authentizität, die gemeinhin als ihr Gegenteil verstanden wird. Während die einen anders sein wollen und die anderen echt, ruft K-Hole dazu auf, das Insistieren auf die eigene Position ganz zu verwerfen. Diese neue Haltung nennen sie »Normcore«.

K-Hole schreibt:

Once upon a time people were born into communities and had to find their individuality. Today people are born individuals and have to find their communities. Mass Indie responds to this situation by creating cliques of people in the know, while Normcore knows the real feat is harnessing the potenial for connection to spring up. It’s about adaptability, not exclusivity.

Oder, in der Kurzfassung:

Normcore doesn’t want the freedom to become someone. Normcore wants the freedom to be with anyone.

[Hervorhebung im Original]

Konkrete Empfehlungen von K-Hole: Anpassungsfähigkeit erhöhen. (Selbst-) Inklusion praktizieren. Nicht mehr nur von den eigenen Träumen reden, sondern öfter mal über das Wetter. Denn das stiftet Gemeinschaft.

Klingt banal, ist es auch, aber die einfachsten Lösungen sind ja nicht immer die schlechtesten.

Viel Spaß beim Angeln.

2 Kommentare zu „Darf man noch »Hipster« sagen? (3) Das neue Ding heißt »Normcore«, schreibt eine New Yorker Trendagentur“

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