Geisteswissenschaftler & das Netz: Eine Podiumsdiskussion über Berufschancen im und um das Internet (mit Audio-Mitschnitt)

Die Diskussion "Geisteswissenschaftler und das Netz: Chancen für Berufseinsteiger" (c) ZEIT CAMPUS

Abb.: Alle Augen auf Jan Wagner. Daneben: Nikola Richter & Franz Ambelang & ich (v.r.n.l.) (c) ZEIT CAMPUS

Welche Chancen bieten die Branchen im & um das Internet herum den Absolventen der Geisteswissenschaften? Gibt’s da Jobs? Kann man davon leben? Was muss man dafür können?

Darüber diskutierten auf dem ZEIT CAMPUS DIALOG auf der Frankfurter Buchmesse am Samstag Franz Ambelang (Managment-Trainee bei der Jobbörse Absolventa), Nikola Richter (Verlegerin beim E-Book-Verlag Mikrotext) und Jan Wagner (Geschäftsführer des Spieleentwicklers Cliffhanger Productions). Zwischendurch stellte ich ein paar Fragen und trug anschließend das Mikrofon durchs Publikum.

Mein heimliches Highlight: Irgendwann im Gespräch beschimpft Nikola Richter die etablierten Verlage für ihre mangelnden Online-Skills (die könnten mal ein paar fitte junge Absolventen gebrauchen!). Leider ist sie heiser. Jan Wagner hilft aus: »Ihr könnt nix!« ruft er ins Mikrofon – so laut, dass man es hoffentlich auch am anderen Ende der Buchmessenhalle hört. Immer schön, wenn sich die Damen und Herren auf dem Podium gut ergänzen.

Das Fazit des Gesprächs ist verhalten optimistisch: Alle Hochschulabsolventen kommen am Arbeitsmarkt unter, die Frage ist nur wie und wo. Geisteswissenschaftler haben überall dort eine Chance, wo es noch keine etablierten Ausbildungen gibt. Als wache Generalisten in die Nischen können sie sich in die neuen Nischen drängen. Das war so im Social-Media-Marketing. Und im Games-Design. Doch sobald der Ausbildungsmarkt nachzieht und spezialisierte Studiengänge anbietet, wird es für Geisteswissenschaftler schwierig.

Deshalb müssen sie ins Unbekannte. Das bedeutet im Zweifelsfall leider auch: Dahin, wo die Beschäftigungsverhältnisse weniger sicher sind als anderswo. Entweder, weil mit befristeten Anstellungen gearbeitet wird. Oder, weil das ganze Unternehmen als Start-Up ein höheres Risiko hat zu scheitern.

Und, so das Podium: Geisteswissenschaftler können sich nicht allein auf ihren Romanistik-, Germanistik-, Anglistik-Abschluss (klar, Geisteswissenschaften sind nicht nur die Sprachen, you get the picture) verlassen, sondern müssen mehr können, als an der Uni von ihnen gefordert wird. Ein Generalist, der alles nicht kann, hat keine Chance gegen einen, der spezialisiert ist oder eine Sprache spricht, die nicht jeder beherrscht.

»Mehr« kann aber auch bedeuten: Mehr von dem, was ihnen ohnehin am meisten Spaß macht. Jan Wagner sagte etwa, er habe Geisteswissenschaftler eingestellt, die gerne Kurzgeschichten schreiben, damit sie für ihn Spiele erfinden. Und Nikola Richter, die ungefähr zwei Dutzend Berufsbezeichnungen gleichzeitig trägt (Journalistin, Autorin, Lyrikerin, Bloggerin, Kuratorin, Verlegerin, Lektorin, … ), wirkt deshalb weder überfordert noch unglücklich. Sie macht, was sie machen will: gute Texte. Der Preis dafür ist jedoch eine gewisse Unsicherheit.

Klingt interessant? Einen Audio-Mitschnitt unserer Diskussion am vergangenen Samstag gibt es hier.

Nachtrag, 17. Oktober 2013: Einen etwas anderen Blick auf die Podiumsdiskussion gibt es jetzt auch in der Neuen Nordhäuser Zeitung.

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