Rache & Rassismus: Über Das Komplott, den neuen Grisham-Roman

John Grisham - Das Komplott

Abb.: Der neue John-Grisham-Roman Das Komplott – fies angeblitzt wie ein Mugshot.

Was macht die Romane von John Grisham aus? »A fairly simple writing style with a really tight plot«, sagt Grisham selbst. Diese Einschätzung finde ich beneidenswert uneitel – und treffend. Grishams Sprache ist schnörkellos, aber nicht so reduziert, dass man sie wieder für kunstvoll halten würde (wie zum Beispiel die von Raymond Carver oder Ernest Hemingway). Sie erfüllt schlicht ihren Zweck. Sie sorgt dafür, dass der Plot flutscht.

Ähnliches gilt auch für die Figuren im neuen Grisham-Roman Das Komplott, den es seit heute in deutscher Übersetzung zu kaufen gibt. Über die weibliche Hauptfigur erfährt man etwa nicht viel mehr, als dass sie gerne eine »Designer-Sonnenbrille« trägt – und mal ehrlich: was soll das bedeuten? Würde ein Autor, der sich für Designer  (oder für seine Protagonistin) interessiert, nicht zu  unterscheiden wissen, ob sie eine Brille von Chanel oder Ed Hardy trägt?

Aber, ey: Für solche Petitessen ist keine Zeit. Grisham schreibt Bücher schneller als andere Leute Blogpostings, Das Komplott ist sein 25. in 24 Jahren (Kurzgeschichten, Kinder- und Sachbücher nicht mitgezählt), rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft soll sein 26. erscheinen, eine Fortsetzung seines Debüts Die Jury.

Seine Leser reißen ihm die Dinger aus der Hand: Das Komplott zählt auf Amazon.com zu den am häufigsten verkauften des Jahres 2012. Auf Platz 34 liegt es deutlich hinter Shades of Grey und The Hunger Games, aber noch vor Eat to Live: The Amazing Nutrient-Rich Program for Fast and Sustained Weight Loss, vor Strengths Based Leadership: Great Leaders, Teams, and Why People Follow sowie vor American Sniper: The Autobiography of the Most Lethal Sniper in U.S. Military History. Top.

Bemerkenswert ist Das Komplott, weil es mit Malcolm Bannister zum ersten Mal einen afro-amerikanischen Anwalt als Protagonisten hat. Der sitzt prompt unschuldig im Gefängnis (sagt er). Anders als sein Vater, der zu Zeiten der Bürgerrechtsbewegung aufgewachsen und ein regierungstreuer Patriot ist, kann Bannister Junior dem amerikanischen Staat nicht viel abgewinnen. Dieses Grisham-Buch erzählt von Rassismus und Rache – und zwar wirklich nicht unspannend. Ausführlicher dazu: meine Rezension auf Spiegel Online.

[Nachtrag 24. August 2013]: Zufällig erscheint die deutsche Übersetzung von Das Komplott in zeitlicher Nähe zum 50. Jubiläum des March on Washington. Was hat sich seit 1963 verändert? Dazu ein kurzer, aufschlussreicher Text im Economist.

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