Feminismus mit Eiern (in jeder Hinsicht) im neuen Missy Magazine

Abb. 1: Das neue Missy Magazine (Ausgabe 1/2012)

Hui! Da ist ganz schön viel Penis im neuen Missy Magazine, in das sonst fast nur Frauen dürfen. Zum einen liegt das an der Bildstrecke nackter, starker, tätowierter Männer in Pin-Up-Posen, die Paula Winkler fotografiert hat.

Zum anderen am zähnefletschend old-school-feministischen Mark Greif, den wiederholten Verbeugungen vor Heinz Erhard im Dossier über „Frauen und Comedy“ und dem wilhelminischen Schnauzbartträger auf dem Heftrücken.

Ich habe einen etwas irrlichternden Text über The Good Men Project und The Guy’s Guide to Feminism beigetragen, dessen Titel ebenfalls stark ins Genitale zielt: „Feminismus mit Eiern“.

Ab heute ist das Heft im Zeitschriftenfachhandel erhältlich. Es sieht von außen aus wie siehe oben und kann wie siehe unten aufgeblättert werden. Viel Vergnügen.

[Nachtrag, 16:30 Uhr:] Morgen, am Dienstag, 21. Februar 2012, läuft auf byte.fm mittags ein von der Missy-Redaktion zusammengestelltes „Mixtape“. Ich durfte mir einen Song aussuchen und habe mir „212“ von Azealia Banks gewünscht. Weil das ein ganzganz fantastischer Track ist. Und weil der Text gut zum Text passt: „What’s your dick like, homie?“

Abb. 2: Die Seiten 30/31

8 Kommentare zu „Feminismus mit Eiern (in jeder Hinsicht) im neuen Missy Magazine“

  1. Gestern am Flughafenkiosk die (sehr enttäuschende) Familien-Dummy gekauft. Hätt‘ ich doch besser zur Missy gegriffen – dann hätte ich auf der Heimfahrt das chauvinistische Flirten meines Gegnübers mit meiner Sitznachbarin mit passender Lektüre ausblenden können.

  2. Irre ich oder ist auch in „feministischer“ „Popkultur“ noch Platz für allerlei Sexismus? Warum ist Popkultur ohne Sexismus so schwer zu denken, geschweige denn zu machen?
    Das lässt sich einerseits natürlich nicht ganz vermeiden, wenn wir als Feminist*innen mehr Vaginalstolz einfordern, andererseits sind gerade plakative Genitalien im/auf dem Titel der Grund, warum ich immernoch mit großen Teilen des Pop hardere. Geht es denn nicht ohne?
    Ja, ich habe die Provokation gelesen und sie auch genau so verstanden. Und nein, das ist immernoch nicht lustig, sondern sexistisch; die Instrumentalisierung der Geschlechtsteile zum Zweck der Werbung.

  3. Achja, „212“ von Azealia Banks strotzt natürlich nur so vor Vaginalstolz, aber die Vermarktungsstrategie bleibt dabei dieselbe wie bei jedem beliebigen Tittenmagazin. Ihr fehlt einfach die liebenswürdige Queerness von Peaches oder solchen..

  4. Liebe_r Faultier,

    hab Dank für Deinen Kommentar! Hier der Versuch einer Antwort.

    Das mit den „Eiern“ in der Überschrift meines Missy-Textes: Der Titel ist in verschiedene Richtungen metaphorisch offen, aber ich versuche mich gar nicht rauszureden, denn wahrscheinlich hätte ich (und meine betreuende Missy-Redakteurin?) ihn nicht gewählt, wenn er nicht auch nach einer ganz stumpfen Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren würde (die durch den Kontext „Missy“ aber vielleicht auch wieder gebrochen wird?), so wie ich auch in diesem Posting aufs Genitale abziele. Die Idee, dumm über Schlaues zu schreiben und schlau über Dummes finde ich, pardon, nämlich doch lustig. Nicht kategorisch. Nur manchmal. Es ist bestimmt pubertär und schlechter Stil, aber Seximus, echt?

    Sexismus ist meinem Verständnis nach, an ein Geschlechtersystem zu glauben, in dem sich soziale und kulturelle Praktiken und Wertigkeiten aus einer essentialistisch gedachten binären, sei sie Gott oder Gen gegebenen, Geschlechteridentität ergeben; in der es also „die Frau“ und „den Mann“ gibt und eine ziemlich klare Vorstellung, wie sich beide (auch: zueinander) zu verhalten haben. Wenn Anti-Sexismus heißt, diese Vorstellung zu problematisieren sage ich: Erstmal interessant. Ein Anti-Sexismus, der jedwede „Instrumentalisierung der Geschlechtsteile“ ablehnt, ist aber nicht meiner.

    Deinen „212“-Tittenmagazin-Vergleich finde ich in analytisch unterkomplex: Es macht schon einen Unterschied, wer die Kamera lenkt, den Fame abgekommt, das Geld verdient, oder? Ich stimme aber zu, dass andere Künstlerinnen, die sich (unter anderem auch) sexuell inszenieren, an einem stärker feministischen Subtext schreiben oder offensiver mit gewohnten heteronormativen Inszenierungskonventionen brechen. Go Peaches! Go, übrigens auch, Lady Bitch Ray und Lady Gaga. Vielleicht mache ich es mir in meiner Begeisterung für „212“ zu leicht, vielleicht fehlt mir an der Stelle auch geschlechtsbedingt eine gewisse Sensibilität (kriegen wir diesen Mangel noch dekonstruiert?). Ich fand in diesem Zusammenhang in der aktuellen Missy-Ausgabe das Pro und Contra Nacktprotest sehr aufschlussreich.

    Alles Gute!
    o.

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