Netter Kuschelporno: Über die Premiere von „Hotel Desire“ in Berlin

Ob man sich an den Bildungsbürger, den Kommunisten, oder die Popfeministin hält – beim Stichwort Pornografie sind sie alle seltsam einig:

„Die Darstellung sexueller Vorgänge ist vom rein Körperlichen her (…) überhaupt kein Problem“, sagt Marcel Reich-Ranicki. „Den Partner aus Fleisch und Blut benutzen wir nur als Masturbationshilfe bei der Umsetzung unserer sexuellen Fantasien“, sagt Slavoj Zizek. Und Charlotte Roche, neulich in einer ZDF-Talkshow: „Ich finde, wenn man ein echtes Paar filmt, wenn es echten Sex hat, würde das ganz schön eklig aussehen.“

Soll heißen: Was die Körper beim Sex machen ist zweitrangig im Vergleich zu dem, was im Kopf passiert.

Einen Porno zu drehen, der zugleich erregend, authentisch und schön ist, dürfte demnach unmöglich sein.

Sergej Moya hat es freundlicherweise dennoch versucht. Gestern Abend hatte sein 40-minütiger (O-Ton Moya:) „porNEOgrafischer“ Film „Hotel Desire“ in Berlin Premiere, ich habe für Spiegel Online aufgeschrieben wie ich es fand: weniger schlimm als erwartet, aber auch eher unspektakulär. Meine Premierenberichtfilmrezension: hier.

6 Kommentare zu „Netter Kuschelporno: Über die Premiere von „Hotel Desire“ in Berlin“

  1. In diesem Zusammenhang wäre eine Gegenüberstellung mit BEDWAYS ganz hilfreich gewesen… http://www.bedways.de oder auch bei Spiegel Online gab es ja dazu viel zu lesen,… Was aber wirklich ein bisschen schade ist, dass dieses Crowdfunding Ding so unkritisch hingenommen wird, obwohl der Film eben eigentlich ganz klassisch mit TV (ZDF/ ARTE), VOD (Videoload), DVD (siehe Vorspann Film), finanziert wurde… Das Crowdfunding Ding also nur als Werbeplattform „benutzt“ wurde, aber fast alle Journalisten „fallen darauf rein“ und schreiben den Werbetext der Bertelsmann-Produktionsfirma Teamworxx nach. Sonst ist der Artikel aber gut geschrieben und auch ganz gur getroffen, finde ich.

  2. Danke für die kritischen Anmerkungen. Zur Frage nach der Vereinbarkeit von narrativem Kino und expliziten Sexszenen hätte man alles mögliche als Referenz heranziehen können, beginnend mit „Deep Throat“. Aber es stimmt, „Bedways“ wäre wohl in der Tat ein guter Vergleichsfilm gewesen, zumal er bei Spiegel Online ziemlich gut weg kam…

    Ein Grund mehr, von „Hotel Desire“ nicht ganz so beeindruckt zu sein, wie die Filmemacher das gern gehabt hätten. Das gilt auch für die Mischkalkulation.

  3. Danke für das konstruktive Feed Back. Da teile ich absolut Deine Haltung. Schade eigentlich dass es auf Spiegel Online gar keine Kommentarfunktion gab für den Artikel.

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