Das resignifying des Batik-Shirts: Ein Kennzeichen der Unhippen wird hip, dann unhip, dann hip, und bald hoffentlich wieder unhip

Erkennungszeichen: Hier wohnen Hippies! Oder Hipster. Oder so. (Foto von Kirsten Jennings, CC BY-NC-ND 2.0 via flickr.com)

Im Konfirmanden-Unterricht haben wir für unsere Gute-Nachricht-Bibeln aus Leinenstoffen Schutzumschläge genäht und diese anschließend gebatikt. Das war im letzten Jahrtausend.

Es war die Zeit der Pusteln, der Zahnspangen und des sexuellen Elends, fast wie bei Heinz Strunk – und die Erinnerungen daran und an die labberigen Stoffumschläge sind womöglich die Gründe, warum es für mich völlig unverständlich blieb, als ich erleben musste, dass Hipster in diesem Jahrtausend Batik-T-Shirts zu tragen begannen.

(Ist dieser Trend schon wieder vorbei? Ich hatte es erleichtert angenommen, doch dann sah ich in der vergangenen Woche auf der Party der jungen Verlage während der Frankfurter Buchmesse einen DJ, der im Batik-Shirt hinter dem Mischpult stand und mit großer Wirkung Caribou-Platten auflegte.)

Beim Batik-T-Shirt will für mich das resignifying, also die für den hipsterism wohl grundlegende Strategie, Zeichen aus ihrem alten Bedeutungszusammenhang zu lösen und neu zu kontextualisieren, einfach nicht funktionieren.

Dabei merke ich jetzt, bei der wiederholten Lektüre des tollen n+1-Readers What Was the Hipster, dass das Batik-T-Shirt auch jenseits meiner eigenen, biografischen Bedeutungszusammenhänge einen besonders perfiden Fall des resignifying darstellt. Mark Greif schreibt in What Was the Hipster über den Begriff des Hippies:

„Hippie“ – a term of abuse invented by hipsters or beatniks of the postwar generation for „little hipsters,“ who just liked to dance and smoke pot but knew nothing about jazz or politics or poetry – became available to mass media in the mid-1960s, thus attracting new, young converts to the lifestye, until the different sorts of younger people now correctly called „hippies“ (who had known themselves as „freaks,“ or „heads,“ or possessed no name) accepted it, too, and even found it useful as an identifier („You dig, it’s like a hippie shirt.“).

Die positive Wendung des hippie war im Grunde also schon ein Akt des resignifying, in diesem Fall die Umkehrung eines denkbar unhippen Begriffs in etwas (natürlich nur: zeitweilig) Hippes. Da ist nur konsequent, dass, als dieses hippe Hippietum nach den mid-1960s längst wieder unhip geworden war, das ebenfalls unhippe hippie shirt in einem Prozess des resignifying erneut, aber ganz anders, hip wurde.

You dig?

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