Der neue Journalismus ist der alte: Über „24 Stunden Zukunft“, die Nachwuchstagung des Deutschen Journalisten-Verbands

Video: Stichwortgeberin für junge Journalisten, aber anti-Bild – Judith Holofernes von Wir sind Helden

Als sich die Unter-35-Jährigen im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) erstmals zur Nachwuchskonferenz „24 Stunden Zukunft“ trafen, gab es in deutschen Medienunternehmen noch Tarifeinheit und Übernahmegarantien für Volontäre. Das war vor vielen Jahren, sagte Ariane Funke, Bundesvorsitzende des Fachausschuss junge Journalistinnen und Journalisten, in ihrer diesjährigen Eröffnungsrede der DJV-Fachtagung am 8. und 9. Oktober 2011 im NDR-Konferenzzentrum in Hamburg. Beides sei passé – dafür haben wir heute das Internet. „Gekommen, um zu bleiben“ war das Motto der Tagung in Hamburg. Doch was bedeutet das in einer Zeit, in der scheinbar alles im Umbruch ist?

„Das Internet hat den Journalismus nicht verändert“, sagte Steffen Burkhardt in seinem Impulsreferat – zumindest nicht grundsätzlich. Schon die Briefe und Rundschreiben des 18. Jahrhunderts seien „Social Media“ gewesen und die immer wieder von Hand abgeschriebene Bibel der häufigste „Re-Tweet“ der Geschichte. „Man muss das Rad nicht neu erfinden“, so der Medienwissenschaftler – auch wenn es sich heute schneller dreht.

Um die vielen kleineren Veränderungen der digitalen Evolution ging es in den anschließenden Praxisworkshops. Die Studioleiterin des NDR in Lübeck, Mechthild Mäsker, führte ins Podcasten ein. Gregor Mayer zeigte die Online-Werbestrategien seines Arbeitgebers Phoenix.

Wie man sich als freie Journalistin ein Gehör verschafft, erklärte Cordula Nussbaum und vergaß nicht darauf hinzuweisen, dass ihr Buch zum Thema bei Amazon zu kaufen und auf Platz Eins der Karriereratgeber-Charts gelandet sei – sie war nicht nur Theoretikerin, sondern auch Lebendbeispiel des Selbstmarketings.

Eine „Rede zur Zukunft des Journalismus“ hielt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken am Sonntagmorgen. Er hatte schon im Grußwort zur Veranstaltung klargestellt: „Die Zukunft des Journalismus sind Sie.“

Blieb das Problem der ausbleibenden neuen Erlösmodelle, das auf dem Abschlusspodium diskutiert wurde. So wichtig die Frage ist – vielleicht können nach diesen 24 Stunden in Zukunft mal andere Leute darüber nachdenken und sich junge Reporter und Redakteure wieder originär journalistischen Fragen stellen.

Zum Beispiel: „Sind Sie bereit, für Ihren Job Ihr Leben aufs Spiel zu setzen?“ Souad Mekhennet führte so in ihr Impulsreferat am Samstagnachmittag ein, das den frühen Höhepunkt von „24 Stunden Zukunft“ darstellte. Die Reporterin hat für die New York Times Jihadisten interviewt und ist während der Proteste auf dem Tahrir-Platz von Hosni Mubaraks Geheimdienst festgenommen und unter vorgehaltener Waffeverhört worden. Nach ihrem Vortrag bestand kaum noch Zweifel daran, dass der Journalismus der Zukunft der Journalismus der Vergangenheit ist: Mutig und unbestechlich, gründlich recherchiert und gut geschrieben – letzteres unter Umständen auch auf einem Smartphone.

(geschrieben für die Website der DJV-Ortsgruppe Berlin-Brandenburg)

1 Kommentar zu „Der neue Journalismus ist der alte: Über „24 Stunden Zukunft“, die Nachwuchstagung des Deutschen Journalisten-Verbands“

  1. das mit dem bibel-rt ist echt ne putzige art zu sagen, dass man die wesentlichen veränderungen wirklich nicht sehen will :)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s