The Noise of Nature: Zebrafinken spielen Gitarre, ab sofort in Berlin

Abb. 1: Céleste Boursier-Mougenot: »From Here to Ear« (2009, Installation, Rechte vorbehalten)

Der »Sound of Nature« hat nichts mit Panflöten, Harfenklängen und harmonischem Ambient-Geplätscher zu tun. Dafür aber um so mehr mit Noise, Dissonanz und Overdrive-Geschredder. Und, oh Ironie: damit ist der »Sound of Nature« ziemlich dicht an seinem scheinbaren Gegenteil, dem Industrial.

So stellt es sich zumindest in einigen neueren Arbeiten von Künstlern dar, die der Natur mit Tonabnehmern auf die Pelle rücken – und sie dabei kein bisschen pastoral, aber dennoch sehr poetisch klingen lassen. Ich denke zum Beispiel an Olle Cornéers und Martin Lübckes »Harvest«, das die Beschaffenheit des Erdbodens hörbar und die Welt wieder zur (Vinyl-) Scheibe macht. »Harvest« wurde 2010 auf dem Dockville Festival in Hamburg ausgestellt, ich habe hier schon einmal kurz darüber geschrieben.

Daran erinnert wurde ich in dieser Woche auf der Eröffnung von »My Paris«, der aktuellen Austellung im »me Collectors Room« in Berlin, die Arbeiten aus der Privatsammlung von Antoine de Galbert zeigt (läuft noch bis 8. Januar 2012). Dominiert wird die Schau von Céleste Boursier-Mougenots Installation »From Here to Ear«. Oder genauer: akustisch dominiert. Denn durch die Ausstellungsräume im Erdgeschoss des Hauses dröhnen unstrukturierte Soundfetzen verzerrter E-Gitarren, begleitet vom Gekreische und Gezirpe mehrerer Vögel.

Der Sound und Aufbau von Céleste Boursier-Mougenots Installation aus Gibson-Gitarren und lebenden Zebrafinken, die im »me Collectors Room« nur durch eingezogene, halbtransparente Stoffwände von den übrigen Ausstellungsräume getrennt ist, lässt sich in diesem Filmausschnitt nachvollziehen:

Abb. 2: Filmausschnitt aus Ariane Michels »Les Oiseaux de Céleste« (Copyright Galerie Xippas, 2008)

In Berlin hat der Künstler seine Gitarren in eine mehrere Quadratmeter umfassende, in Form und Farbe stark zurückgenommene Landschaft aus Sand, Gräsern und einem geschwungenen Weg gestellt. So lässt es sich meditativ im Kreis spazieren, während man den akustischen Mustern der Zebrafinken zuhört. Diese fliegen wild durch den Raum, landen mal auf Rückzugsorten, die frei von Tonabnehmern sind, und mal auf den Stahlsaiten der Gitarren.

Bitte schnell anschauen, bevor soundästhetisch eher konservative Tierschützer wieder alles falsch verstehen.

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