Fanzine vs. Exploitation: Zwei Traditionen des Schreibens über Pop

Abb. 1: Slavoj Žižek, hier in der European Graduate School, fotografiert von Hendrik Speck (via flickr).

Gestern Abend wurde Slavoj Žižek, der slowenische Philosoph, Psychoanalytiker und Popstar für Studenten, nach seinem Vortrag an der FU Berlin von Fans und Kollegen belagert. Wie schon auf der Bühne, auf der sich Žižek in dem rappelvollen Hörsaal in Schweiß und Rage geredet hatte, war er sichtlich in seinem Element: Er ließ sich fotografieren, signierte alles (eigene und fremde Bücher, hässliche Kinderfotos, …) und hatte für jede_n einen netten Satz oder irritierenden Gedanken parat.

Auch für die Frau, der offenbar unbegreiflich war, wieso sich ein Philosoph so intensiv wie er mit Popkultur (Chaplin, Hitchcock, Lynch, …) befasst. Žižek antwortete, dass er sich nicht mit Popkultur »befasse«, sondern sie »ausbeute«. Und erläuterte sinngemäß, dass er die populäre Kulture nur als Metaphernschatz für seine philosophischen Argumentationen und als Indikator für den Ideologiegehalt des herrschenden Zeitgeists nutze.

Zum Teil war das wohl sein übliches Kokettieren (Žižek behauptete auch, dass er die Filme, über die er rede, gar nicht alle gesehen habe und zwar öffentlich viel über Pornografie spreche, damit aber nur seine Privatvorliebe für Hegeltexte überspiele). Doch die Wortwahl ist interessant und kann vielleicht auch auf das (»journalistischere«) Schreiben über Pop angewendet werden. Holzschnittartig gesprochen gibt es da zum Einen die Tradition des Fanzine, ein Begriff, der lautmalerisch gerne wie »Fansein« ausgesprochen wird und für die Huldigung von Künstler und Produkt steht. Zum Anderen aber auch die des analytischeren, »politischeren« Schreibens, das das Formenrepertoire der Populärkultur eher (oder: auch) als symptomatisch für größere gesellschaftliche Zusammenhänge begreift und in der Zuspitzung der Formulierung von Žižek im Grunde »Pop-Exploitation« ist.

Beide Ansätze haben unterschiedliche Qualitäten. Wichtig finde ich aber vor allem, dass »Pop-Exploitation« nicht etwa ein akademischer »Missbrauch an Pop« ist, zumindest nicht immer und nicht ausschließlich: Denn wie uns das Trashkino lehrt, heißt »Exploitation« (vgl. »Sexploitation«, »Blaxploitation«), dass man das, was man ausbeutet, auch ziemlich scharf finden kann.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s