Counterculture-Ikone Ken Kesey besucht mit Anfang 30 sein erstes Rock-Konzert …und findet es fürchterlich

„Hell,“ thinks Mountain Girl. „I have to come here with a bunch of old men who never saw a rock’n’roll show before.“

Ken Kesey war kein Beatles-Fan. Okay, eine oder mehrere Platten der Band hörte er sich schon an. Aber sein erstes Beatles-Konzert verließ der Schriftsteller und LSD-Pionier fluchtartig. Nicht nur, dass Kesey die Show nicht gefiel: Sie löste einen Horrortrip bei ihm aus. Im Acid-Rausch erschien ihm die Konzerthalle als Konzentrationslager und das Publikum als riesiger Krebs, dessen Kopf die Band war und der ihm bedrohlich nahe kam…

So zumindest schildert es Tom Wolfe in seinem Reportagebuch The Electric Kool-Aid Acid Test. Eine Erklärung liefert der Reporter gleich mit: Kesey hatte nie zuvor ein Rock-Konzert besucht und hatte offenbar keine Ahnung, was ihn erwartet. Kesey war zu diesem Zeitpunkt 30 oder 31 Jahre alt, hatte bereits mit den berüchtigten Hells Angels gefeiert und kann Wolfe zufolge als Ein-Mann-Keimzelle der LSD/Hippie-Subkultur an der amerikanischen Westküste betrachtet werden. Eine Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Aber mit Ü30 zum allerersten Mal auf einem Live-Konzert.

Unvorstellbar, eigentlich, wie wenig selbstverständlich und präsent die Präsentationsformen von Rock’n’Roll (heute die alltäglichste Sache der Welt) im Jahr 1965 offenbar noch waren.

PS: Immerhin — bald nach dem Beatles-Konzert begann Kesey mit The Grateful Dead zusammenzuarbeiten. Dem Rock’n’Roll verloren gegangen ist er also keineswegs. Acidrock-Exzesse behagten ihm wohl einfach mehr als ekstatische Teenies.

3 Kommentare zu „Counterculture-Ikone Ken Kesey besucht mit Anfang 30 sein erstes Rock-Konzert …und findet es fürchterlich“

  1. Hm. Das sehe ich anders.

    Heute geht man auf ein Konzert um Punk/Hippie/sonstwas zu sein, damals war man Punk/Hippie/sonstwas und ging deshalb zum Konzert.

    Ken Kesey hats verstanden.

  2. Und irgendwann ’69 hing er dann eine Weile in London und bei Apple Records ab, um ein Spoken-Word-Album für deren Spoken-Word-Sub-Label Zapple aufzunehmen. Leider ist nie was draus geworden, scheinbar. (Lese grade „The Longest Cocktail Party“, durchaus zu empfehlen!)

  3. Ah! Danke für die Ergänzung! (Leary hat ein paar merkwürdige Spoken-Word-Platten gemacht, wieso also nicht auch Kesey?!)

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