Befindlichkeitsliteratur 2009: Es geht um Arbeit.

Repräsentativ für die junge Literaturszene ist es wohl nicht, Hinweis auf ein der Hörerschaft unterstelltes (oder unter den eigenen Pratikanten und Jungredakteuren vorherrschendes) Zeitgefühl aber schon: bei der Leipziger Literatur-Party des Radiosenders Sputnik am Samstagabend ging es am laufenden Band um Arbeit und (mangelndes) Selbstwertgefühl.

Erst sprachen Holm Friebe und Thomas Ramge über ihr Sachbuch „Marke Eigenbau“ (Thema: Emanzipation vom Anstellungsverhältnis, selbstständiges Designertum). Dann las Boris Fust aus dem Roman „12 Stunden sind kein Tag“ (Thema: die Leiden eines Werbeagentur-Praktikanten). Es folgten Michael Wirbitzky und Sascha Zeus mit ihrer Lesung aus „Die Tagung: Chaos ist Chefsache“ (Thema: die Leiden eines jungen Event-Agentur-Mitarbeiters). Dann trat die Headlinerin Sarah Kuttner auf und las aus „Mängelexemplar“ (Thema: die Depressionstherapie einer jungen, just entlassenen Event-Agentur-Mitarbeiterin).

Immer ging es um vermeintliche Traumjobs in Agenturen, immer um das Unglück, das mit ihnen einher geht, oder die Leere, die sie nicht zu füllen im Stande sind. Einen Abend lang dominierten nicht Liebe, Rebellion, oder Politik, sondern: problematische Beziehungen zu Arbeit- und Auftragsgebern, erdacht und aufgeschrieben von Leuten, die allesamt in erster Linie ihr Geld in den Medien verdienen und sich nur nebenbei als Schriftsteller versuchen. Auffällig ist das schon.

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