Neuigkeiten aus dem "Bible Belt": Kucken Christen mehr Pornos?

Die geografische Häufung von Abonnenten von Pay-Porn-Angeboten in den USA erforschte Benjamin Edelman, Assistant Professor an der Harvard Business School. Für seine Untersuchung wertete er die Postleitzahlen eines nicht weiter benannten kostenpflichtigen Online-Pornografie-Anbieters aus. (Link zu seinem Aufsatz, PDF-Format.) Endlich mal wieder eine Studie mit Praxisbezug! Und siehe da: Auf Platz 3 der „Abonnentenanzahl pro 1000 Breitbandnutzer“ liegt der solide im sogenannten „Bible Belt“ situierte Staat Mississippi und auf Platz 1 (Trommelwirbel!) der von den Mormonen geprägte Staat Utah.

Benjamin Edelman kann den spontanen Verdacht festigen:

[S]ubscriptions are also more prevalent in states where surveys indicate conservative positions on religion, gender roles, and sexuality. In states where more people agree that “Even today miracles are performed by the power of God” and “I never doubt the existence of God,” there are more subscriptions to this service. Subscriptions are also more prevalent in states where more people agree that “I have old-fashioned values about family and marriage” and “AIDS might be God’s punishment for immoral sexual behavior.”

Möglicherweise ein Haken: Die Stichprobenartigkeit der Untersuchung:

Who buys online adult entertainment? From a top-10 seller of adult entertainment, I obtained a list of the zip codes associated with all credit card subscriptions for approximately two years, 2006 –2008. While it is difficult to confirm rigorously that this seller is representative, the seller runs literally hundreds of sites offering a broad range of adult entertainment.

Mehrmals bezieht sich Edelman auf den Porno-Anbieter AVN, wenn ich ihn beim ersten Überfliegen seines Papers richtig verstanden habe, bleibt die Quelle seiner Daten aber ungenannt (wäre ja auch nicht überraschend, angesichts der Herausgabe der sensiblen — wenn auch anonymisierten — Kreditkartendaten). Was das Vertrauen in seine Befunde nicht gerade erhöht.

Wenn Christlich-Konservative mehr Pornos kucken, dann passt das natürlich schön ins auch hierzulande gängige Verlogenheitsklischee. Wobei die geografische Korrelation von Porno und Politik erstmal ja nur ein Indiz ist. Und auch darüber hinaus hätte ich noch ein paar spontane Rückfragen: Vielleicht kucken Menschen in christlich geprägteren Regionen nicht generell quantitativ mehr, sondern einfach nur mehr Mainstream-Pornografie, während sich Pornonutzer in liberalen Großstädten stärker den Fetisch-, Nischen- und Independentanbietern verschrieben haben? Und: wie ist es denn jeweils um die offline Bezugsmöglichkeiten von Pornografie (und die Gesetzgebung zu Swinger– und Strip Clubs etc.) bestellt?

Weiterführend: Win McCormack hat ein Buch über Republikaner-Sexskandale geschrieben. Hier unser Gespräch über Verlogenheit, Sex und Politik.

PS: Stimmt: Das Thema ist schon vor einigen Tagen durch die Medien gegangen. Trotzdem interessant.

[Studie via Basler Zeitung]

6 Kommentare zu „Neuigkeiten aus dem "Bible Belt": Kucken Christen mehr Pornos?“

  1. Bei Umfragen auf christlichen Männerseminaren kommt regelmäßig heraus, dass viele, die sich dezidiert als Christen sehen, Pornos konsumieren. Die Zahlen, die ich kenne, beziehen sich zwar auf Deutschland, aber hier gibt es keinen höheren Konsum. Das alles als Verlogenheit zu bezeichnen ist aber falsch, da viele der Betroffenen das als Problem sehen, sich deswegen sehr schlecht fühlen und darum kämpfen, von solchen Sachen frei zu werden.

  2. Danke für die Ergänzung! Was mich wirklich interessieren würde: ist Pornografie deiner Meinung nach grundsätzlich — also abgesehen von offensichtlich menschenerniedrigendem Zeugs, suchtähnlichem Nutzungsverhalten etc. — nicht in Einklang zu bringen mit christlichem Glauben?

  3. Ich denke, christlicher Glaube und Pornographie sind nicht miteinander in Einklang zu bringen. Ich mag hier nicht groß rumpredigen und das dick ausführen, aber es gibt ne Menge Stellen, in der die Gemeinde vor „Unzucht“ (Luther-Deutsch :-) ) gewarnt wird. Das ganze gipfelt sozuagen in der Aussage Jesu (Matthäus 5,27), der sagt, dass jeder, der eine Frau begehrlich :-) ansschaut Sünde begangen hat. Darum glaube ich wie gesagt nicht, dass sich beides vereinen lassen. Dass Pornographie auch bei Christen ein Problem ist, steht auf einer anderen Seite. Dass es als falsche Handlungsweise wahrgenommen wird, dafür sprechen die zunehmend an Bedeutung gewinnenden Bewegungen und Initiativen, die sich diesem Thema im christlichen Spektrum widmen, z.B. loveismore.de oder nacktetatsachen.at. Mit ist halt der Punkt wichtig, dass es im christlichen Umfeld als Problem verstanden wird (von der Mehrheit), womit viele zu kämpfen haben, und es nicht als Scheinheiligkeit oder Doppelmoral zu verstehen ist. Uff, lange Ausführung, sorry…

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