Medienkrise wegabonnieren! Vier von vielen guten Zeitschriften: De:Bug, Missy, Foreign Policy, Blank. Jeweils mit kurzer Begründung.

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Gut #1: De:Bug, Ausgabe 130 (März 2009), am Bahnhofskiosk

Gut, weil: Die De:Bugger können Spiegel-Titelgeschichten besser als der Spiegel. Zumindest wenn’s um Social Networks geht (vgl. „Fremde Freunde. Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen“ und „Anonymität & Identität. Das Ende der zwei Welten“). Und außerdem können sie Mode, Gadgets und Tanzmusik. Also alles, was mir gerade fehlt.

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Gut #2: Missy Magazine, Ausgabe 1/2009, am Bahnhofskiosk

Gut, weil: In einem Interview wird Jacques Lacan diskutiert (Anfänger: „Hä, wer?“, Fortgeschrittene: „Hä, der?“). Das Interview ist „Her mit der guten Vulva!“ übertitelt. Und zusammen verdeutlicht das, was Missy ausmacht: Anspruch schließt hier Spaß nicht aus. Das gelingt ansonsten nur wenigen. Es geht um das Patriarchat, die Frauenbewegung und die modischen Verdienste prominenter Feministinnen. Ach so, und: um Pop, Fernsehen, Ausgehen, Anziehen, Basteln, Sex. Rocko Schamoni wird als Mustermann gefeiert und als Centerfold gibt’s einen Heulsuser im Feinripp-Unterhemd.

(Disclaimer: Mitherausgeberin Chris Köver war mal meine Chefin. Das Heft ist deshalb/trotzdem/egal, super.)

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Gut #3: Foreign Policy, Ausgabe März/April 2009, am Bahnhofskiosk (bei den Fremdsprachen-Magazinen)

Gut, weil: Der provozierende Gründer Samuel Huntington ist mittlerweile verstorben, aber das Heft macht in seiner Tradition weiter. Und lehrt: Nein, Globalisierung führt nicht zu Frieden und Sicherheit. Ja, Globalisierung ist neu. Nein, Globalisierung nützt nicht nur den Reichen. Nein, Iran, Irak und Nord Korea sind nicht die Hauptgefahrenquelle der Welt. Ja, der Börsencrash hat auch gute Seiten. Nein, Mexiko ist nicht auf einem guten Weg. Usw.

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Gut #4: Blank, Ausgabe März 2009, am Bahnhofskiosk

Gut, weil: Das Editorial ist unverständlich. Das Hans-Söllner-Interview ist eine Katastrophe. Und linke Buzzwords allein machen noch keinen lesenswerten politischen Kommentar. Aber der Untertitel „Gesellschaft, Diskurs, Disko“ ist auf dem verdammt richtigen Weg, die Themenzusammenstellung ambitioniert und das Cover triggert Kaufreflexe. Könnte noch richtig groß werden, das.

…und es gibt noch mehr, klaro.

11 Kommentare zu „Medienkrise wegabonnieren! Vier von vielen guten Zeitschriften: De:Bug, Missy, Foreign Policy, Blank. Jeweils mit kurzer Begründung.“

  1. danke für’s featuren. du erwähntest ja schon in nem tweet, wie es ist ein neues magazin zu machen – waghalsig, spannend, mörderisch anstrengend – und dann auch noch pop und politik … aber das gehört für mich zumindest eng zusammen. politik ist wohl sogar noch stärker inszeniert, als all das was im pop geschieht.
    foreign policy muss ich mal testen, und missy hab ich natürlich schon da. konkurrenzgedanken müssen ja nicht sein, denn man sollte jedes gute magazin als bereicherung betrachten. meine meinung.
    grüße, tessa

  2. Habe ich schon mal irgendwo rumliegen sehen, muss ich mir mal besorgen. Shepard Fairey ist ja im Moment allgegenwärtig, aber wenn er auch noch gute Hefte macht: gekauft!

  3. Wie das leben so spielt: erste Ausgabe im Urbanoutfitters in Toronto 2006 gekauft, mit dem Gedanken: Hey, was zu lesen im Flugzeug und was für Oskar mitgebracht. Allerdings wanderte das Heft in den Koffer und wurde vergessen. Dementsprechend nicht gelesen und auch nicht verschenkt. Vor ein paar Monaten in einer Kiste wiederentdeckt und am Stück durchgelesen. Jeder Artikel, einfach alles gut und aktuell, wohlgemerkt alles vor drei Jahren geschrieben.

    Kurz: Lesebefehl.

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