Mist, ich glaub, ich mag jetzt Metal… Erste Begegnung mit Tyranny und The Number 12 Looks Like You

Vorhin zufällig im Netz entdeckt: The Number 12 Looks Like You. Ich würde ja tippen: Postcore. Las irgendwo aber auch Mathcore. Was offenbar ein Subgenre des Sammelbegriffs Postcore ist. Einigen wir uns auch Kompositon-„Core“-Musik. Jedenfalls: toll, toll, toll. Hier (am besten nicht auf’s Video achten, das lenkt nur ab):

Die erste Assoziation beim Auto-Abgleich mit meiner Popkonsumbiografie ist Blood Brothers, die ich zwei- oder dreimal live gesehen habe, aber nie wirklich auf Tonträger anhörte. Vielleicht war ich zu jung. Das hier klingt jedenfalls super. Und ist beim dritten Mal Hören immer noch frisch und unverbraucht. Toll, toll, toll.

Neulich unterhielt ich mich mit einem sympathischen Menschen, der erzählte, dass er bei der Arbeit im Newsroom ganz gerne Doom-Metal höre. Ich kenne Metal ja nur aus dem bezaubernden Dokumentarfilm „Full Metal Village“. Und von den jungen Männern aus der Heimatkleinstadt, die bei einer gemeinsamen Gartenveranstaltung den geliehenen Grill meines Vaters demontierten und damit meine Lust noch weiter schmälerten mich mit ihrer Jugendkultur auseinanderzusetzen, die mir ohnehin machistisch, verklemmt, potentiell reaktionär und schlecht frisiert erschien.

Folgerichtig war, wenn andere sagten, sie hörten „Alles, einmal quer durch den Gemüsegarten“, oder „Alles, außer Techno“, meine Antwort auf das „Und du so?“ stets „Alles, außer Metal“. (Allein schon, sich darüber streiten zu müssen, ob eine bestimmte Band jetzt eher als Speedmetal, Trashmetal, oder Metalcore zu verorten sei — idiotisch!)

Ein schwerer Fehler, wie sich jetzt rausstellt. Als ich in dem bereits erwähnten Gespräch von neulich sagte, ich fände es strebermäßig, dass es beim Metal offenkundig darum geht, wer sich am längsten nicht die Haare schneidet und wer am häufigsten Gitarrespielen übt, und Musik von besser frisierten Menschen mit weniger Gitarrenskills (frühe Tocotronic, The 5.6.7.8’s) ja wohl geiler sei, keulte mich der kluge Doom-Metal-Hörer mit dem Authentizitätsvorwurf um.

Darauf konnte ich nichts mehr antworten. Und nahm mir vor, die von ihm empfohlene Band Tyranny mal anzuhören. (Interessant! Die englischsprachige Wikipedia verzeichnet diverse Alben und sogar einen Sternenzerstörer namens Tyranny, nicht aber die Band!) Freundlicherweise haben sie eine MySpace-Seite:

Zu meinem eigenen Erstaunen finde ich Tyranny sehr hörbar. Vielleicht nicht unbedingt emanzipatorisch („Salvation Takes Like Lead“: rassistisch?! Mindestens: saudumm), enthemmt, progressiv und gut gestylt, aber: sehr hörbar. Der Zufallsfund The Number 12 Looks Like You macht aber noch mehr Spaß.

Jetzt erstmal: Nochmal die Blood-Brothers-Sachen anhören. Dann: In Hamburg einen Plattenladen finden, der Tyranny und The Number 12 Looks Like You verkauft (und in den ich mich reintraue). Und dann: Trotz der neuen Lieblingsmusik auf keinen Fall Haare-wachsen-lassen und hoffentlich nicht auf’s Wacken wollen. Man muss ja nicht gleich übertreiben.

Lieber wieder Melt! — das Line-Up sieht schon jetzt sehr gut aus.

8 Kommentare zu „Mist, ich glaub, ich mag jetzt Metal… Erste Begegnung mit Tyranny und The Number 12 Looks Like You“

  1. Joa, TNTLlU Machen ganz guten Whatevercore.. Und die Blood Brothers waren eh‘ fantastisch. Muss ich jetzt auch nochmal hören.

  2. mach dir keine sorgen oskar … die sind doch von der ganzen ästhetik weit von dem entfernt, was wir (zu recht) an dorfcore und metal-mucke hassen. nebenbei erinnert es mich fast zu stark an die blood brothers … ich möchte „nachmacher!“ schreien. aber da die BBs ja nicht mehr existieren, können die ja ruhig die lücke füllen.

  3. Re: Philipp: Auf The Number 12 Looks Like You trifft das schon zu. Von Tyranny habe ich zum Glück noch keine Fotos gefunden. Wobei, das Artwork, das erinnert mich schon an „damals“…

  4. Puh, The Number … sind mir doch ein bisschen zu verkopft. Und die Dringlichkeit der BB fehlt Ich mags da lieber schlicht (neues Slayer-Album in diesem Jahr, oder?) und freu mich derweil auf die neue Mastodon. Ganz andere Metalschublade, aber technisch auch sehr fein. Oder sonst halt den guten alten Hardcore, da gibts ja glücklicherweise hier und da auch halbwegs innovative Ansätze.

  5. @AJJB: Ich plane das zumindest. Lass uns demnächst mal drüber sprechen!

    @mmmatze: Slayer und Mastodon werde ich mir mal anhören, danke!

  6. Wie Slayer werde ich mir mal anhören? Du hast dich bislang noch nicht mit Slayer beschäftigt? Ich schick dir gleich mal Manowar auf die Bude! ;)

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