Leseliste (#7): Hyperlinks im echten Leben, Krisenkapitalisten vs. Rezession, Mütter vs. Facebook, Nazi-Zombies & Hippie-Zombies, usw.

  • Endlich: Hyperlinks emanzipieren sich vom Netz, und beglücken uns bald auch im sogenannten echten Leben. Die Idee: Zeig mit deinem Fotohandy auf ein Gebäude, und dein Fotohandy zeigt dir Links zu weiterführenden Informationen zu dem Gebäude an. Noch ist das Programm in einem experimentellen Stadium, aber: Wow. (Video) [Via Mario Sixtus / Twitter]
  • Vinylverkäufe verdoppelten sich in 2008. Jetzt würde ich nur noch gerne wissen, was Herr Gorny dazu denkt. Der sagte in der aktuellen Spex nämlich, die Fetischisierung von haptischen/materiellen Tonträgern sei die falsche Musikindustriekrisen-Bewältigungsstrategie. Klar: die eine Strategie wird es wohl nicht geben. Aber vielleicht mögen music lover ja doch auch schönes Material und können sich mit der Idee anfreunden, dafür Geld auszugeben? (Text) [Via Nerdcore]
  • Rezession? Nicht für private Gefängnisbetreiber in den USA. Und, könnte man ergänzend spekulieren, für andere Krisenkapitalisten vielleicht auch nicht. (Text)
  • „I can’t define what pornography is but I know it when I see it“ soll der US-Supreme-Court-Richter Potter Stewart mal gesagt haben. Was für einen öffentlichen Ausspruch eines Richters natürlich ein bisschen die juristische Verbindlichkeit und intersubjektive Nachvollziehbarkeit vermissen lässt, aber schön veranschaulicht, was uns immer noch für Probleme im (gesellschaftlichen und wissenschaftlichen) Umgang mit „obszönen“ Medieninhalten plagen. Denn das Zitat ist von 1964, eine gesellschaftliche konsertierte Pornografie-Definition ist aber trotz wachsender ökonomischen, kulturellen und wissenschaftlichen Bedeutung der Pornografie auch Anfang 2009 noch nicht auszumachen (sehr gut dazu: diese vergriffene Arbeit von Corinna Rückert). Jedenfalls, und unabhängig individueller Einstellungen zur Pornografie als solcher, können wir uns wahrscheinlich darauf einigen, dass Facebook eine im Netz zwar gängige, aber ganz besonders blöde Unterscheidung obszöner (und damit in dem Network verbotener) und nicht-obszöner Fotos anstellt: alle Bilder auf denen (weibliche) Brustwarzen teilweise oder ganz zu sehen sind, sind demnach nicht zulässig. Wer auf seinen Fotos an den entscheidenden Stellen knapp genug bekleidet ist, entgeht deshalb der Löschung, egal, was das Foto über Kontext, Mimik, Pose, usw. an „Obszönitäten“ kommunizieren mag. Stillende Mütter werden dagegen gesperrt. Und die (und damit komme ich endlich zum Link zum empfohlenen Artikel auf der Website des Time Magazine) laufen dagegen Sturm. (Text)
  • Die Freunde vom FREIHAFEN-Magazin haben ein neues Heft gemacht! Im Werbetext dazu klingen sie ein bisschen so, als wären sie irgendwie gerade in der Mid-Life-Crisis (dabei sind die im Schnitt höchstens 20): „Haltet mal die Welt an, wir haben etwas zu sagen: Mensch sollte mal pausieren, innehalten und atmen. Dieses ganze Herumgerenne und von Bus zu Bahn Gehetze nervt furchtbar. Deshalb widmet sich FREIHAFEN in  der neuesten Ausgabe dem Thema „Haltestelle“ und betrachtet die verschiedensten Stationen des Lebens.“ Das Heft dazu ist aber wie immer lesenswert. Und steht hier zum Download. (PDF)
  • Neulich hat der Spiegel (Ausgabe Nr. 50 / 8.12.2008) in „Über Schmidt“ sehr schön über den 90. Geburtstag von Helmut Schmidt, die allgemeine Bohei, die darum betrieben wurde, und den gefühlten Mangel an (politischen) Führungspersönlichkeiten in Deutschland geschrieben. Ein Trost vielleicht: den Amerikanern scheint es so anders nicht zu gehen. Für einen Werbespot für die aufregende „One Laptop Per Child“-Initiative haben sie nicht einen der zahlreichenden noch lebenden prominenten Gutmenschen engagiert (denkbar wären ja: Iren mit schlechtem Brillengeschmack, antifaschistische Scientologen oder dieser eine, mit den grauen Haaren und dem Hündchen), nein, sie haben  John Lennon aus dem Grab geholt. Ihr wisst schon… diesen Typen der schon vor Jahrzehnten den Trend vorweg nahm und Vinylverkäufe verdoppelte… (Text)
  • Apropos „aus dem Grab geholt“! Als Ergänzung zu all den anderen schlechten Nachrichten, die uns dieses Jahr bisher erreicht haben und noch erwarten, bedauere ich sehr, bekannt geben zu müssen, dass uns 2009  die deutsche Geschichte in bester Zombietradition einholen und gehörig auf die Nerven gehen wird. Damit meine ich nicht nur den Neubau des Berliner Schlosses, sondern auch: „Dead Snow“. Die norwegische Produktion, die demnächst beim Sundance Film Festival in den USA uraufgeführt werden wird, ist neben Tarantinos anstehendem Film der zweite Horrorstreifen, in dem die Nazis die Rolle der Antagonisten übernehmen. Hier ist der Trailer. (Video)
  • Die beste Muzak der Woche gibt es übrigens auf der Internetseite des Designers Akutou. Player starten und lächeln. (Audiostream)

1 Kommentar zu „Leseliste (#7): Hyperlinks im echten Leben, Krisenkapitalisten vs. Rezession, Mütter vs. Facebook, Nazi-Zombies & Hippie-Zombies, usw.“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s