Online-Videos: Kein Geld. Keine Klicks. Aber Spaß. Oder wie?

Online-Videos waren eines der Themen, die gestern bei der „Besser Online„-Konferenz des Deutschen Journalisten-Verbandes diskutiert wurden. Der Workshop zum Thema verlor sich leider zu sehr zwischen den unterschiedlichen Hintergründen und Erwartungshaltungen seiner Teilnehmer. Während ein anwesender TV-Mann darauf bestand, dass Fotografen nicht über ausreichende Fähigkeiten verfügen, um (Online-) Videos zu drehen, fragte sich eine Teilnehmerin, wie man sich überhaupt längere Online-Videos anschauen wollen könne. Ein anderer Mensch im Publikum produzierte selbst Online-Videos und wollte mit den Damen und Herren auf dem Podium am liebsten über Videodateiformate streiten. Schwierig.

Hängen blieb, was ja ohnehin bekannt ist: Online-Videos sind der ganz heiße Scheiß. Journalistisch und ästhetisch entwickeln sich gerade neue Stilformen. Aber Online-Videos sind auch ein Problem für Verleger: sie sind, gemessen an den gängigen Währungen im Netz, ziemlich wertlos. Weder lassen sie sich wirklich zu Geld machen (Werbung vor oder während des Videos führt zu oft zum Abbruch), noch produzieren sie viele Klicks.

///Nach dem Seitenumbruch: Ein gutes Beispiel & offene Fragen.

Ein interessantes Beispiel aus seiner Arbeit zeigte Markus Hündgen, der für die WAZ-Website DerWesten.de arbeitet und dort eine „Multimedia-Reportage“ über ein Mittelalter-Festival verfasste. Der Beitrag besteht aus einer konventionellen (Text-) Reportage, die Hündgen nicht durch Fotos bebildert hat, sondern durch mehrere Videofragmente. Statt das Foto eines Schwertkampfes zu zeigen, läuft da gleich der ganze Kampf ab. Das ganze wurde als Ein-Mann-Projekt angegangen. Die Videos erinnern qualitativ eher an YouTube, als an Fernsehbeiträge: Kamera draufhalten und laufen lassen, dann un- oder kaum geschnitten veröffentlichen. Auch mit Wacklern und ohne Off-Text oder interessanter Dramaturgie enthalten die kurzen Videos eine höhere Infodichte als Fotos und machen – womöglich – auch mehr Spaß.

Die Ansage: Versucht im Netz nicht TV zu simulieren, sondern sucht nach neuen, multimedialen und unmittelbareren, „unprofessionelleren“ Formen. OK, wieder was gelernt: Der aufwändig produzierte und im Verhältnis zur Mühe viel zu wenig geklickte zuender-Videobeitrag zum „Rock And Wrestling 2008“ war nämlich super gemacht — aber offenbar viel zu „TV“ fürs Netz. Den Lehren von Hündgen folgend wäre es besser gewesen, nicht einen Vierminüter nach Fernsehvorbild zu schneiden, sondern Ausschnitte einzelner Wrestling-Kämpfe mit einer Textreportage zu kombinieren. Da hätten wir dann auch nicht mit einem dreiköpfigen Team für losziehen müssen (wobei wir alle drei viel Spaß hatten, glaube ich). Vielleicht im nächsten Jahr.

Doch auch die „Multimedia-Reportage“ hat Schwächen: die Probleme mit der Generierung von Geld und Klicks kann sie nicht lösen. Für die Klicks hat Hündgen seiner Reportage eine Bildergalerie als klassische „Klickmaschine“ beigefügt. Und in der Diskussion seiner Arbeit im Blog vermutet er, dass die zwei Arbeitstage, die die Reportage inkl. Videos erforderte, die Mühe nicht wert waren. (Auch keine Überraschung: in den Kommentaren kritisieren zwei Leser die Qualität der geleisteten Arbeit.)

Und ich würde ja auch gerne mal wissen, ob das Problem mit der Werbung in Online-Videos nicht noch zu neuen Diskussionen über Schleichwerbung/Product Placement führt. So à la: Wenn man das neue Supergetränk nicht mit einem Werbespot vor dem Online-Video bewerben kann, dann stellt man eben eine Flasche gut sichtbar neben den Moderator. In Kinofilmen funktioniert das ja ähnlich. Im Fernsehen manchmal auch.

Eine Flip-Kamera will ich jetzt aber trotzdem kaufen. Wobei bald ja auch schon Weihnachten…

10 Kommentare zu „Online-Videos: Kein Geld. Keine Klicks. Aber Spaß. Oder wie?“

  1. nix flip, gebrauchte sanyos mal angucken, deutlich besser. und werbung funktioniert, sie darf einfach nur kein arschloch sein, e.g. extrem lauter (typisch tv) oder für viagra (typisch web). die south park studios sind da schonmal vorneweg. ganze folgen angucken, dreimal werbung, auch nur 15 sec. und (meist) die „richtigen“ produkte, denn das neue persil, was jetzt ja auch zu mir passen muss, interessiert den geneigten south park gucker herzlich wenig.

    sprich: alles funktioniert solange es kein arschloch ist. und: wenn werbung in videos nicht in der breiten masse etabliert ist, dann wird auch weggeklickt. also einfach mal machen.

    (nächstes oskar pxa video bitte mit falscher mccain wahlwerbung, wollte da schon immer mal was mit mcdonalds machen, ich weiß ich weiß ist offensichtlich, hat aber noch keiner gemacht…)

  2. Beim Full Episode Player von Daily Show und Colbert Report läuft das ähnlich – dreimal wird der Stream durch einen einzigen, wenigen Sekunden langen Spot unterbrochen. Ich frage mich nur, ob das in dieser Knappheit profitabel ist und würde wetten, was Frau Winehouse sang: No, no, no. Außerdem ist da die Werbung trotzdem ein „Arschloch“: nämlich lauter als das Showprogramm (so ähnlich wie bei Radiowerbung, ich greife jedes Mal instinktiv nach der Lautstärkeregelung, Spaß macht das nur wenig) und oft handelt es sich dreimal um denselben Clip. Also: das geht bestimmt noch besser.

    Über die Sanyos müssen wir uns mal unterhalten.

  3. Wo du von den „richtigen“ Produkten schriebst: Inwieweit geht es eigentlich, Werbeblöcke in Web-Videos gezielt auf das Konsumverhalten/-interesse der User zu zu schneiden? Ist es möglich, dass zwei verschiedene Zuschauer eines Videos zwei verschiedene Werbeblöcke präsentiert bekommen? Dürfte doch nicht so schwer sein…

  4. das geht. google macht das schon länger, deswegen nächster logischer schritt: tv mit adwords system. problem ist nur das ich was über den zuschauer gespeichert brauche (böse, böse)

    ansonsten reicht ja auch schon ne thematische einschränkung einfach aufgrund der herausgebenen seite wie beschrieben.

  5. Also die Sache mit der Refinanzierung wird nie vernünftig klappen. Basta! Dafür fehlt – gerade regionalen und lokalen Angeboten – die Reichweite. Das Problem ist nicht nur, dass ein TKP zwischen 20 und 40 Euro niemals Geld reinbringt, sondern auch, dass selbst dafür geeignete Werbepartner gefunden werden müssen. Vielleicht müssen wir Regionalen dies selbst tun…

  6. Herr Hündgen, jetzt, einige Monate danach: was wäre/ist denn der Punkt, an dem Sie sagen: „die Mühe hat sich gelohnt“? Gab es Klicks (oder anderweitigen Response, Leserbriefe, z.B., Trackbacks) die Sie motivieren, ein ähnliches Projekt noch einmal anzugehen? Würden Sie sagen, dass sich die „Multimedia-Reportage“ als Best-Practice-Vorbild für Redaktionen eignet, die Mitarbeiter für zwei Tage entbehren können? Viele Nerdfragen, aber wo wir schon mal dabei sind…

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