"39,90"-Verfilmung: Warum liest Octave die deutsche Vanity Fair?

Die Verfilmung von Frédéric Beigbeders 99 Francs (auf deutsch: 39,90) hinterlässt seine Betrachter mit vielen Fragen. Ich stelle mir vor allem diese: der Portagonist, ein französischer Werber namens Octave, entnimmt seine Mode-Tipps in der deutschen Sprachfassung des Filmes der „italienischen Vogue und deutschen Vanity Fair“ (Emphasis added) — habe ich das richtig verstanden?

In der Romanvorlage stand das so ganz sicher nicht — als die erschien gab es den deutschen Ableger dieses Magazins nämlich noch gar nicht. Entweder hier war ein wohl meinender Übersetzer am Werk (der offenbar die internationale Bedeutung der deutschen Vanity Fair überschätzt), oder es ist dem Verlag Condé Nast gelungen, Product Placement in die deutsche Übersetzung des Werbe-kritischen Filmes zu schummeln. Subversion an der Subversion — wäre ja nicht das erste Mal.

4 Kommentare zu „"39,90"-Verfilmung: Warum liest Octave die deutsche Vanity Fair?“

  1. Hmm schade. Schade das gerade in solch einem Film überhaupt Product Placement vorkommen muss. Das Buch lässt das zum Glück nicht zu (ausser die Aufzählung seiner Habseligkeiten und die „penetrierende“ Form des aufgrund dessen ganz wunderbaren BMW Z3s) und steht sehr sehr sehr weit oben in meiner misanthropischen Sammlung. Ich frage mich allerdings echt wie das filmisch umgesetzt wurde…

  2. Die trinken auf ihren Werber-Meetings auch alle Volvic mit zum Betrachter gedrehten Logo-Etiketten.

    Das fühlt sich in dem Film tatsächlich etwas komisch an: auf der einen Seite gibt es diese „entlarvende“ Fetischisierung von Octaves Besitztümern und den Marken mit denen er arbeitet, die ja, wie du sagst, auch im Buch vorkommt. Dann hast du so Sachen wie die Volvic-Flaschen, die so ablaufen, wie in jeder größeren Filmproduktion: Die Logos sind einfach da, unkommentiert. So wie bei „Sex And The City“ alle ausschließlich „Smart Water“ trinken. Vielleicht hätte man, wenn schon Product Placement in dem Film ökonomisch notwendig ist, auch das ein bisschen überzeichnen können, so das auch das sich selbst entlarvt oder zumindest als des inhärenten Widerspruchs bewusst zeigt und so ein bisschen entschuldigt.

    Die Geschichte mit der „Vanity Fair“ – ziemlich zu Beginn des Films findet eben die von dir erwähnte „Aufzählung seiner Habseligkeiten“ statt, die Kamera fährt mehrmals um ihn herum, und er erzählt wie geil es ist („Meine Hemden kommen von-da-und-da, meine Jeans von-da-und-da“ usw.) und da kommt dann auch das Zeitschriften-Zitat.

    Der Film ist ganz ok, verhält sich zum Buch etwa so wie das auch bei „Herr Lehmann“ geklappt hat. Im Sinne von: dicht am Buch, trotzdem die Möglichkeiten seiner filmischen Form nutzend. Und: mindestens unterhaltsam.

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