Gute Zeitschriften (1): "Titty City", das Schmuddelheft an der Digi-Front

Abb. 1: Titelseite der dritten Ausgabe von „Titty City“.

Heute ist mein Ansichtsexemplar des Titty City Magazins eingetroffen. Titty City ist ein kleines, handkopiertes A5er-Heft aus San Francisco, dessen Macher sich komplett auf das Abdrucken von Fotos der weiblichen Brust beschränken. Darüber hinaus gibt’s in dem Heft gar nichts zu sehen. Auch keinen Text.

Ich bin auf Titty City aufmerksam geworden, als ich mich neulich fragte, wie es wohl um den Status Quo der Fanzine-Szene bestellt ist. Seitdem ich das letzte mal selbst an einem Fanzine beteiligt war, ist ein halbes Jahrzehnt vergangen. Die Hefte, die ich früher gerne las, haben heute entweder den Sprung an den Kiosk hinter sich, oder existieren nur noch als Blog. Eine gängige These war vor einigen Jahren auch entsprechend, dass langfristig Blogs die Fanzines ersetzen würden, auf Grund der offensichtlichen Vorteile (Farbe! Multimedialität! Reichweite! Aktualität! Vernetzung! Kostenfaktor!).

Klang plausibel. Allein: Diese These ist zu absolut. Genauso zu absolut, wie die Annahme zu absolut ist, dass die „alten Medien“ insgesamt von den „neuen Medien“ abgelöst werden würden. Anders als bei den „alten“ und „neuen“ Medien und den Diskussionen um Wirtschaftlichkeit im digitalen Zeitalter, geht es bei Fanzines kaum um Geld und praktische Erwägungen – sondern vor allem um Leidenschaft. Und da tun sich durch das Internet zunächst einmal neue Chancen auf.

(Mehr Titten und Thesen nach dem Seitenumbruch!)

Abb. 2: Centerfold der dritten Ausgabe von „Titty City“.

Abb. 3: Doppelseiten-Ansicht der dritten Ausgabe von „Titty City“.

Siehe Titty City: In der prä-digitalen Zeit hätte es wohl gedauert, bis ich das nächste Mal in den USA bin und die Fanzine-Rezensionen im Maximumrocknroll oder Vice lese, ehe ich auf dieses Heft aufmersam geworden wäre. Durch das Netz haben Heft und Leser wesentlich schneller zusammen gefunden. Das Netz schadet Fanzines also nicht nur. Es nützt ihnen auch. Genau wie bei den Kollegen im professionellen Medienbetrieb. Dank des Internets ist es heute leichter denn je, Fanzines zu machen. Es ist aber auch leichter denn je, Fanzines nicht zu machen — denn Blogging ist eine attraktive Alternative zu Schere, Klebstoff und Papier.

Titty City wirft noch ganz andere Fragen auf, an der Front digital vs. analog. In punkto Ästhetik erinnert mich das Heft ganz stark an eine Flickr-Bildersammlung. Es gibt ein gemeinsames, vages Oberthema, das von verschiedenen Fotografen bedient wird, man browst so durch und bleibt ab und zu mal hängen. Wieso gibt es Titty City also als s/w-kopiertes Heft und nicht als Flickr-Account? Zumal das Sujet von Titty City im Netz alles andere als ein Nischenthema ist — was gibt es leichter, häufiger und hochauflösender zu sehen als Tittenfotos? Insofern ist dieses Heft ist ein noch spannenderer medialer Atavismus als andere heute existierende Print-Zines.

Ich werde die Herren aus der Redaktion demnächst wohl mal zum Interview bitten. Wer bis dahin an Titty City interessiert ist — sie haben trotz allem Print-Fundamentalismus natürlich auch ein Blog.

Bestellt werden können Hefte (und Fan-Shirts) hier:
tittycity@gmail.com
TITTY CITY
PO BOX 420546
SF CA 94142

PS: Immer noch offen: Die Diskussion über die allerallerbesten Zeitschriften der Welt.

12 Kommentare zu „Gute Zeitschriften (1): "Titty City", das Schmuddelheft an der Digi-Front“

  1. ich wunder mich auch gerade, dass solch ein fanzine überhaupt bestand hat, wo man gerade diesen „bildbereich“ ja nun ausgiebig im netz findet.

    gibt es überhaupt noch eine fanzine-szene auf print? ich kannte auch eine menge zines, hab selbst 2 stück vor 10 jahren herausgebracht (1. SF-fantasy und 2. literatur), aber irgendwie sind die alle in der versenkung verschwunden. das digitale zeitalter hat sie doch anscheinend komplett überrollt.

  2. es gibt schon noch fanzines, ein paar davon sind verzeichnet im http://fanzine-index.de

    wäre aber mal spannend zu vergleichen, inwieweit sich erscheinungsbild und inhalt von zines geändert hat, seit szenen/subkulturen bei der kommunikation nicht mehr auf print angewiesen sind und das mehr so eine (künstlerische?) nische für liebhaber geworden ist – weil nur noch die leute papier benutzen, die das wirklich wollen.

  3. danke für den link. den werde ich mir gleich mal ansehen.

    die nachfrage wurde damals immer geringer, daher hatte ich die hefte auch eingestellt. eines war in A5, das andere in A4. die arbeit daran hat mir immer viel spass gemacht. allerdings konnte ich mich bis heute auch nicht durchringen, das auf „blog-ebene“ wiederzubeleben…

    ich denke auch, eingefleischte fans werden diese hefte immer bevorzugen. immerhin hat man ja auch was „in der hand“.

  4. Nö. Gut ist besser als schlecht. Und schlecht ist nicht gut, aber dicht dran, wenn schlecht auch interessant ist. Aber ehrlich gesagt verstehe ich Deinen Kommentar gar nicht, fürchte ich.

  5. Verstehe nicht ganz, was der Sinn des Artikels sein soll. Soll hier für die Sexualisierung der Frauenbrust geworben werden?

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