a c h t m i l l i a r d e n . c o m

Reading Sarah Palin’s »Going Rogue« …so you don’t have to.

Veröffentlicht in rest von oskar piegsa am 29. November 2009

Sarah Palin hat ein Buch geschrieben veröffentlicht! Schon klar, nichts neues. Aber: Joey Goebel hat es gelesen und kommt nach über 400 Seiten zu dem folgenden Schluss:

Die einzig überraschende Stelle: Palin gibt zu, dass sie kurz an Abtreibung dachte, als sie erfuhr, dass das Kind in ihrem Bauch das Down-Syndrom hat. Daher könne sie nun Abtreibungsbefürworter besser verstehen. Für jemanden, der so weit rechts steht, ist so eine Aussage politisch ziemlich riskant.

Annie Lowrey hat sich derweil auf die Suche nach Passagen über Welt- und US-Außenpolitik in „Going Rogue“ gemacht und bilanziert:

Rather than admitting her campaign mistakes and showing some newfound heft, Palin defends her old foreign-policy canards. While denying that she ever said „I can see Russia from my house“ (that was Fey), she reiterates her zany commentary on Russia’s proximity to Alaska. [...] Ultimately, Going Rogue goes rogue as a political memoir, demonstrating what can only be described as a persistent and guileless lack of knowledge of even basic foreign-policy or domestic political issues.

Wer übrigens noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist, der ist bei „Going Rogue“ zu spät dran. „Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Wochen“, heißt es bei amazon.de. Was dann wohl auch einiges über das deutsche Interesse an Palins Buch aussagt. (Unterschätzen wir die Frau?)

Re: "The End of White America?" — Hua Hsus Thesen vom Ende der weißen Kulturhegemonie in den USA. Und politische Konsequenzen.

Veröffentlicht in amerika, politik, popkultur von oskar piegsa am 2. Februar 2009

Lesenswertes Essay von Hua Hsu in der aktuellen Ausgabe von The Atlantic: „The End of White America?“.

Die wesentliche These von Hsu ist im Grunde die folgende: Früher, ca. prä-Rock’n'Roll, prä-Civil-Rights-Movement, Hsu bezieht sich im wesentlichen auf die 1920er, gab es einen „weißen“ Mainstream in Amerika, in den sich Immigraten zu assimilieren bemühten.

[Was nicht immer leicht war, da unterschiedlichen Immigranten das "Weißsein" zu unterschiedlichen Zeitpunkten zugesprochen wurde und manchen gar nicht, vgl. z.B. Jennifer 8. Lees Vortrag über chinesische Immigranten, insb. den einführenden historischen Teil. Hinzukommt, klar, dass mit der Assimilierung auch das Verdrängen eigener Erfahrungen und Identitätsmarker einher ging.]

Heute, fährt Hsu fort, ist der Mainstream multikulturalistisch geprägt. HipHop als dominante zeitgenössische Kultur zeuge davon, ebenso wie die Werbebranche, die dunkelhaarige Models und Schauspieler bevorzuge und nach Darstellern suche, die „[e]thnically ambiguous“ sind, also auch als Hispanics durchgehen könnten.

Kurz: Unabhängig davon, dass weiß zu sein statistisch weiterhin bedeutet, politisch, ökonomisch und sozial privilegiert zu sein (und Rassismus gegenüber Nicht-Weißen auch im Alltag noch real ist, wie mehrere afro-amerikanische Kommentatoren in Reaktion auf Hsu beteuern), sei Weißsein kein für alle verbindliches, erreichbares oder unerreichbares, Ideal mehr.

Weiße Amerikaner würden dadurch verunsichert, fährt Hsu fort.

Das klingt in meiner Textreproduktion jetzt fürchterlich grobschlächtig, aber im Grund macht Hsu die folgende Unterscheidung: Besser gebildete, Urbane und im amerikanischen Sinne Liberale tendieren dazu, ihr Weißsein zum Beispiel akademisch zu problematisieren, bzw. als Konstruktion zu entlarven („Whiteness Studies“), sich nach einer „post-racial society“ zu sehnen, oder Afro-Amerikaner unverhohlen für ihr Schwarzsein zu beneiden und sich selbst für die eigene so empfundene „(Pop-) Kulturlosigkeit“ zu bedauern.

Wohingegen ländliche „blue collar worker“ demnach eher dazu tendieren, einem nostalgischen Bild weißer, amerikanischer Authentizität nachzuhängen. Im Grunde sei das „White Pride“, der aber aus offenkundigen Gründen nicht offen ausgelebt, sondern kulturell kanalisiert werde — in der Ablehnung von Intellektuellen, Liberalen, Großstädten und in der Verklärung amerikanischer Traditionen.

Barack Obama, könnte man an dieser Stelle ergänzen, ist übrigens nicht nur Afro-Amerikaner, sondern Intellektueller (ehemaliger Leiter der Harvard Law Review), Liberaler (sagt mindestens die politische Fachzeitschrift National Journal) und Großstädter (Alec MacGillis nennt ihn den ersten „metropolitan candidate“).

Alles an Hsus Essay ist provokant, bis auf den Schlusssatz, der sich einer Prognose enzieht, indem er die Argumentation in eine fast obamaesque Rhetorik abblendet: „This moment was not the end of white America; it was not the end of anything. It was a bridge, and we crossed it.“

Jedenfalls: Der Erfolg von Mike Huckabee und Sarah Palin und die Wahlkampffloskel von „real America“ lässt sich vor dem Hintergrund von Hsus Thesen wohl etwas besser verstehen. Spannend ist jetzt, ob das attestierte kulturelle Unbehagen der „Retro-Weißen“ (Meghan Daum nennt sie auch die „Off-Whites“, also sinngemäß übersetzt die „Beigen“, weil sie aus dem typisch weiß-priveligierten Status ausgeschlossen seien) in Zukunft in politischen Kalkulationen noch eine Rolle spielen wird. Hsu schreibt über den kulturellen Bedeutungsverlust, er und Daum verweisen auf das demografische Schicksal dieser Bevölkerungsgruppe, hinzu kommt der allerorten diskutierte relative Machtverlust der USA in der Weltpolitik und die Wirtschaftskrise. Klingt nach einem potenten Cocktail. Aber: können die „Off-Whites“ rein rechnerisch noch eine Rolle spielen? Zumal wenn das Werben um diese Wähler so heftig polarisiert, wie es zuletzt Sarah Palin getan hat?

In seiner Amtsantrittsrede bezog sich Barack Obama ausdrücklich auf die amerikanischen Gründerväter und betonte auch während seines Wahlkampfes schon immer wieder das amerikanische Ideal, dass Amerikaner zu sein nichts mit Blut oder Hautfarbe oder Herkunft zu tun habe, sondern mit Werten und einer bestimmten Mentalität.

Der „rugged individualism“ gilt für den illegalen Einwanderer aus Lateinamerika ähnlich wie einst für den Iren, der vor der Hungersnot flüchtete. Der „self-made man“ ist auch der Mythos des HipHop. Das Amerikanersein, auch im klassischen Sinne, funktioniert also vielleicht auch ohne einen „weißen“ Mainstream just fine.

Womöglich bedeutet es gar nichts, aber die Republikaner haben (einige Wochen nach Veröffentlichung von Hsus Text) gerade mit Mühe und Not (im sechsten Wahlgang) mit Michael Steele einen Afro-Amerikaner in den Vorsitz ihres Steuerungskommittees gewählt.

"Abtreibung = Mord an Frauen" – Gibt es den rechten Feminismus?

Veröffentlicht in amerika, politik von oskar piegsa am 27. Oktober 2008

TV-Moderatorin Elizabeth Hasselbeck (die konservative Stimme in der Frauen-Talksendung „The View“) spricht auf einer Wahlveranstaltung in Florida die einleitenden Worte vor dem Auftritt der Republikaner-Vizekandidatin Sarah Palin. Zitatschnipsel:

I have to thank the governor because she gave a speech about issues important to all women. She talked about equal pay for equal work, putting an end to honor killings, aiding women who are being exploited in the sex trade, and ending policies that sanction abortion of a country’s unborn daughters.

(Hervorhebung hinzugefügt)

Interessant, wie hier das Recht auf Schwangeschaftsabbruch (unumstritten wohl eines der wesentlichen Errungenschaften Anliegen der feministischen Bewegung) aus einer Position der Frauenrechte argumentierend angegriffen wird und abgeschafft werden soll.

Aha: Die Ablehnung der Abtreibung ist in USA nicht nur Sache der Mieslinge, sondern mindestens auch der Mieslinginnen… was dann wohl wieder ein großes Stück Kuchen für die Gleichberechtigung wäre.

Aber mal ernsthaft: in Deutschland hat Alice Schwarzer immer wieder darauf hingewiesen, dass Feminismus (auch wenn das hierzulande oft so wirkt) nicht per se „links“ sei. Zuletzt zum Beispiel in der Börne-Preis-Rede, als es um Stellvertreterpolitik ging. Aber kann von einem „rechten“ Feminismus gesprochen werden?

Vergleichen Sie dazu auch: Caryl Rivers Kommentar zu Ann Coulter, der Königin der konservativen Polemik: „The Right-Wing Feminist Success Story“. Weiterhin ist noch Tammy Bruce zu nennen (Bruce über Bruce: „openly gay, pro-choice, gun owning, pro-death penalty, voted-for-President Reagan progressive feminist“, anti-Hillary-Clinton, pro-Rudy-Giuliani, und, wie Hasselbeck, pro-Sarah-Palin).

Politische Analyse des Tages (1):

Veröffentlicht in amerika, medien, politik von oskar piegsa am 29. August 2008

Sarah Palin war auf ihre VP-Nominierung nicht hinlänglich vorbereitet. Ansonsten würde ihre offizielle Website nicht seit gefühlten zwei Stunden zusammengebrochen sein.

[Nachtrag:] Quod erat demonstrandum.

Beschlagwortet mit: