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Weird Porn and a Can of Beer for Free. A Protocol of Mathias Döpfner’s and Arianna Huffington’s Debate on the Future of Journalism

Veröffentlicht in medien von oskar am 14. November 2009

***UPDATED*** So, Arianna Huffington, founder of the influential Web site Huffington Post, and Mathias Döpfner, chairman of Germany’s leading newspaper publisher Axel Springer Verlag, were debating the future of journalism. Naturally, they clashed over hot button issues such as paid content. Go figure! Still, it’s a very pleasurable debate between two gifted orators with interesting accents and even more interesting metaphors and hence worth watching — and if you haven’t done so yet, here it is:

If you don’t have the time to watch the whole thing, or if you can’t stand the moderator, here’s the first part of my very rough minute-to-minute protocol. I’ll highlight some quotes that I thought were remarkable and add some little-qualified comments of my own:

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Mal wieder Kulturkrieg: Leidet die erzählerische Qualität im Netz? Ben Macintyre sagt: Ja. Ich sage: Hm.

Veröffentlicht in rest von oskar am 13. November 2009

„Is Google making us stupid?“, fragte Nicholas Carr im vergangenen Jahr, nachdem er seine nachlassende Konzentrationsfähigkeit beobachtet und seinen Internetkonsum als Quelle dieses Übels identifiziert hatte. Jetzt greift Ben Macintyre diese Frage auf und sorgt sich um die Qualität von „Narratives“, oder „Erzählungen“, angesichts der Fragmentierung von Informationen im Netz. Jede Kultur bedürfe Erzählungen, schreibt er, und unsere Zeit vielleicht noch mehr als andere, wenn man bedenkt, dass Barack Obama vor allem auf Grund seiner überzeugenden Geschichte Präsident geworden sei.

Zugleich nehme im Internet aber die Zerstreuung zu. Lange Handlungsbögen durchzuhalten werde schwieriger, Texte mit mehr als 1000 Wörtern seien im Netz kaum nachgefragt. Macintyres Text endet mit einem blöden Twitter-Witz („In the beginning was the Word, and the Word, [...] was not written as [sic] twitter“), der sich ironischerweise ideal Retweeten lässt und so das Lesen des vollständigen Artikels überflüssig macht. Schuss ins Knie, Herr Macintyre.

Ungeachtet der versiebten Pointe stellt Ben Macintyre natürlich eine wichtige Frage. Wer „Moby Dick“ lesen will, muss sein iPhone ausschalten, das ist schon klar. Wenn wir uns bei der Diskussion des Netzes einzig auf Erzählformen konzentrieren, sollten wir aber dringend auch über Mediastorm (das Anti-Twitter?) sprechen. Es ist ja nicht so, dass die lange und langsame Erzählung im Netz nicht stattfinden würde. Tut sie. Im Falle von Mediastorm sogar in einer Form, die undenkbar wäre in diesem anderen kulturzersetzenden Medium, über das heute fast keiner mehr spricht… wie hieß das noch… äh… Fernsehen.

PS: „Tweets“ mit „Twitter“ zu verwechseln (und Nicholas Carrs Text zu zitieren ohne ihn zu verlinken!) spricht nicht für Ben Macintyres Bereitschaft, sich mit dem Internet und seinen Möglochkeiten intensiver auseinander zu setzen, oder irre ich mich?

Wird Facebook das bessere Internet? Über die Ghettoisierung von MySpace & StudiVZ und die Diskussion mit echten Menschen.

Veröffentlicht in quick thought von oskar am 12. November 2009

Von der „Ghettoisierung“ von MySpace und dem „White Flight“ in Richtung Facebook war in letzter Zeit häufiger zu lesen. Nach Untersuchungen der Mediensoziologin Danah Boyd geben privilegierte User in den USA demnach zunehmend ihre MySpace-Profile auf und steigen bei Facebook ein, das schon ästhetisch (Club-Charakter) und historisch (ursprünglich exklusiv für College-Studenten angelegt) für Elite steht.

Die Zeitschrift De:Bug hatte angesichts dieser Beobachtung schon im März einige interessante Gedanken zu Identitätsbildung im Web beigesteuert (früher waren die superpersonalisierbaren MySpace-Seiten der Status Quo, heute die wenig variablen Facebook-Seiten; früher regierte der Spitzname, heute der Klarname; früher gab es ein Front- und ein Backend, heute fällt beides zusammen. Hier gibt’s die entsprechende De:Bug-Ausgabe als PDF zum kostenlosen Download).

Es ist wohl nicht zu vermessen, davon auszugehen, dass der VZ-Gruppe ein ähnliches Schicksal wie MySpace droht. Ich weiß nicht, ob dazu öffentlich Daten vorliegen, aber im Grunde ist es doch ein klarer Fall: Wer Freunde im Ausland hat, der kann mit dem StudiVZ nichts anfangen. Und welcher User, der sich zu einer werberelevanten Zielgruppe rechnen lässt, hat denn heutzutage — nach internationalen Praktika, Schüleraustauschen, Erasmusjahren, Weltwärts-Freiwilligendiensten und Backpacking-Touren — keine Freunde im Ausland?

Gedankensprung: Wird Facebook zum besseren Internet? Auch das ist ein eher spontaner Gedanke und als solcher ausschließlich anekdotisch begründet. Aber seit einiger Zeit scheint das Surfen, ohne mehr als einen Tab geöffnet zu haben, vom Aussterben bedroht zu sein. Egal, wem man heimlich auf den Laptop lugt, einer der geöffneten Tabs ist immer Facebook. Die Konsequenz ist, dass man sich bei Facebook, anders als bei MySpace, nur geringfügig cooler, aufregender und draufgängerischer darstellen kann, als im echten Leben. Nicht nur, weil dort alles unter Klarnamen stattfindet, sondern auch, weil längst ehemalige und zukünftige Arbeitgeber, Eltern, Ex-Freunde und Psychiater bei Facebook sind (es gibt Leute, die sich dem Klarnamen-Prinzip verweigern oder parallele Profile für echte Freunde und sonstige Bekannte führen — ist das nicht sehr viel Aufwand?).

Der Mangel an (gefühlter) Privatsphäre oder Schutzmasken hat aber auch Vorzüge. Mehr als einmal habe ich in den letzten Monaten unerwartete Denkanstöße aus Facebook bezogen, weil auf den Profilen von Freunden auch mir unbekannte Leute interessante Dinge zu aktuellen Themen (durch Status-Updates in den Ring geworfen) zu sagen hatten. Auf einmal gibt es Diskussionen zwischen Fremden — Diskussionen, die in Qualität und Umfang noch weit von Gesprächen im echten Leben entfernt sind, aber vielleicht auf dem Weg dorthin.

Das Klarnamenprinzip und die zarte persönliche Verbundenheit über einen gemeinsamen Bekannten ist dabei wesentlich, denn so wird die Qualität der Diskussionen gesichert — etwas, das meiner Erfahrung nach (vielleicht irre ich mich), den großen deutschen Nachrichten- und Meinungswebsites trotz Community-Management noch nicht gelungen ist. Auch bei Facebook gibt es dumme Sprüche (noch dazu solche, die sich als fatal erweisen können, weil sie anders als im echten Leben nicht so leicht zu überhören sind und archiviert werden). Aber grundsätzlich lässt sich doch beobachten, dass der Hass- und Idiotiepegel stark abebbt, sobald man mit echten Menschen redet und nicht mit Leuten, die sich hinter bizarren Spitznamen verbergen.

Für Leute, die heute mit dem Bloggen anfangen (sei es in der sporadischen Form gelegentlicher YouTube-Empfehlungen und sonstiger Linktipps oder mit der Veröffentlichung elaborierter Essays), könnte sich Facebook als Plattform mehr lohnen, als WordPress et. al. — bei Facebook habe ich die potentiell besseren Diskussionen und sehe die Gesichter meiner Leser. Dazu gibt’s motivationssteigernde Feedback-Funktionen wie das „Like“, die bei Blogs noch nicht vorinstalliert sind. Der Preis dafür ist allerdings der Verzicht auf die Googleability.

Dasselbe gilt neben den Menschen, auch für Medien, die bei Facebook auftreten. Obwohl ich zunächst skeptisch war, ob ich Facebook als Feedreader missbrauchen möchte und dort „Fan“ der Medien werden sollte, die ich schon anderweitig verfolge, lohnt sich das schon. Klar, Fan vom „Tatort“ zu sein ist eher blödsinnig, wenn da einmal pro Woche das Status Update „Nächste Folge: Sonntag 20:15!“ kommt und dann 323 Menschen kommentieren: „Uh, ich freue mich schon“. Aber für Medien mit einem gewissen fachlichen Fokus und inhaltlichen Tiefgang könnte sich Facebook in punkto Diskussion und Feedback als profitabler erweisen, als die eigene Website, auf der anonym kommentiert wird.

Abschließende Frage: Entwickelt sich Facebook also zu einem parallelen, „besseren“ Internet? Einem Netz, das sich zwar nicht zum Kreditkartenbetrug und Pornokonsum eignet, dafür aber die vielen Versprechen einlöst, die einst mit dem Internet verbunden waren (Vernetzung, hochwertige Diskussion, Wissenstransfer)? Eine damit verbundene spontane soziologische Frage in Hinblick auf die oben erwähnte „Ghettoisierung“ wäre: um welchen Preis? Eine ökonomische: Wem gehören eigentlich die PIs?