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		<title>Webserie »Shore, Stein, Papier«: Der Ramschladen YouTube probiert Journalismus – und das kann sich sehen lassen</title>
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		<pubDate>Sat, 18 May 2013 09:43:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Video: Die zweite Folge von Shore, Stein, Papier, einer Interview-Serie auf YouTube Ein Typ sitzt am Küchentisch und erzählt von Heroin. Und von allem, was passierte, nachdem er mit 15 Jahren das erste Blech »Shore« geraucht hat. Er hat keinen Namen (manche nennen ihn $ick), aber man kann ihm ins Gesicht sehen und seine Stimme [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12158&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='720' height='435' src='http://www.youtube.com/embed/_bUGPF2_2R4?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span></p>
<p style="text-align:center;"><small>Video: Die zweite Folge von <em>Shore, Stein, Papier</em>, einer Interview-Serie auf YouTube</small></p>
<p><strong>Ein Typ sitzt am Küchentisch</strong> und erzählt von Heroin. Und von allem, was passierte, nachdem er mit 15 Jahren das erste Blech »Shore« geraucht hat. Er hat keinen Namen (<a href="http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article116319883/Was-uns-ein-Junkie-zu-erzaehlen-hat.html" target="_blank">manche</a> nennen ihn $ick), aber man kann ihm ins Gesicht sehen und seine Stimme hören. Und: Er kann toll erzählen. Es geht um seine Geschichte, grob chronologisch, in kurzen Episoden: Familie, Freundschaft, Drogen, Dealen, Knast.<em><br />
</em></p>
<p>Im Hintergrund dudelt ein penentrantes Klavier, immer wieder wechselt die Kamera in eine irritierende schräg-von-oben-voll-auf-die-Geheimratsecken-Perspektive. Aber egal: Das alles kriegt die Serie <em>Shore, Stein, Papier</em> nicht kaputt, denn sie lebt von dem intimen Setting und von dem Temperament und der Lebensgeschichte von $ick.</p>
<blockquote><p>Der namenlose Protagonist erzählt diese Geschichte, als würde er mit einem alten Freund reden. Er sitzt stets an einem Tisch, mal in der Küche, mal im Wohnzimmer, mal mit einem Joint, mal mit einer Zigarette in der Hand. Die offensichtlich am Stück aufgenommenen Gespräche sind grob zu Themenblöcken zusammengeschnitten.</p></blockquote>
<p>… schreibt Eike Kühl im <a href="http://blog.zeit.de/netzfilmblog/2013/04/18/shore-stein-papier-zqnce-serie-youtube/" target="_blank">Netzfilmblog</a> von Zeit Online.</p>
<h2><span id="more-12158"></span></h2>
<p>Das alles wäre keine Überraschung, wenn <em>Shore, Stein, Papier</em> auf dem <a href="http://www.vice.com/video" target="_blank">Online-Video-Kanal</a> der Zeitschrift Vice veröffentlicht worden wäre. Dort laufen üblicherweise die Dokumentationen über Themen, die das Fernsehen übersieht (zum Beispiel über <a href="http://www.vice.com/de/vice-news/wer-ist-die-radikale-linke/" target="_blank">Antikapitalismus</a>, die <a href="http://www.vice.com/de/vice-music-specials/heavy-metal-in-baghdad-feature" target="_blank">Heavy-Metal-Szene im Irak</a> oder <a href="http://www.vice.com/de/the-vice-guide-to-sex/asses-of-the-caribbean" target="_blank">Männer, die mit Eseln schlafen</a>). Dort wird mit neuen Formaten und Zugängen und Formen der Nähe experimentiert (die, zugegeben, manchmal auch problematisch sind). Dort gibt es auch eine der besten Talkshows, die ich kenne: <a href="http://www.vice.com/de/soft-focus" target="_blank">Soft Focus</a> mit Ian Svevonious und seinen ironischen, ernsthaften, schillernden Gesprächen über Pop, Ästhetik, Subkultur.</p>
<p><em>Shore, Stein, Papier</em> läuft hingegen auf einer Website, die ich für passé hielt: YouTube. Früher war das mal das größte Musikvideoclip-Archiv der Welt, heute, weil Google keine Gema-Gebühren bezahlen will, ist YouTube eher sowas wie eine Müllhalde für Medientrash. Schöner, klüger und weniger ramschig ist längst der Konkurrent <a href="https://vimeo.com/" target="_blank">Vimeo</a>.</p>
<p>Daran wollen die Besitzer von YouTube nun offenbar etwas ändern. Urheber der Serie <em>Shore, Stein, Papier</em> ist eine Produktionsfirma namens <a href="http://zqnce.de/" target="_blank">zqnce</a>, die von Google bezahlt wird, wenn es stimmt, was Airen <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article116319883/Was-uns-ein-Junkie-zu-erzaehlen-hat.html" target="_blank">heute in Die Welt</a> schreibt:<em></em></p>
<blockquote>
<p id="p14">Zqnze [sic] ist einer der zwölf deutschen Youtube-Original-Channels, die im vergangenen Jahr anliefen. Die Kanäle wurden von Youtube vorfinanziert und sollen professionell produzierte Inhalte auf die Videoplattform bringen. International läuft das Programm schon seit 2011, in den USA gingen damals 100 neue Kanäle an den Start, darunter auch die von Prominenten wie Madonna oder Ashton Kutcher. Der Youtube-Eigner Google steckt viel Geld in seine Vision des Fernsehens von Morgen, allein für den auf zwei Jahre angelegten Testlauf sind 300 Millionen Dollar veranschlagt.</p>
<p id="p15">In Deutschland geht das alles eine Nummer kleiner. Neben Fitnesstipps und Motorsport gibt es bei den deutschen Original Channels viel lärmenden Klamauk aus alteingesessenen Häusern wie Ufa oder Endemol. In diesem Umfeld ist zqnze der Underdog, unpoliert und holprig, aber mit Street Credibility.</p>
</blockquote>
<p>Wir werden sehen, wo das noch hinführt, schlecht ist die Richtung auf jeden Fall nicht. Oben eingebettet ist die zweite Folge von <em>Shore, Stein, Papier</em>, in der es um das erste Mal Heroin geht. Und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fDzBZawSXRk&amp;list=PLpr-NGsAGodEbDePSO3wivni39lgdLQjW" target="_blank">hier gibt&#8217;s die ganze Serie</a>, die immer noch fortgesetzt wird. Außerdem ist sie eingereicht für den <a href="http://webvideopreis.de/" target="_blank">Deutschen Webvideopreis</a>, der am 25. Mai in Düsseldorf vergeben wird.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12158/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12158/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12158&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>»Immer dieses Internet!« Mercedes Bunz vs Diedrich Diederichsen</title>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 09:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Ein Gespräch über Text, Pessimismus, Subkultur, Öffentlichkeit, Mailorder, Musik und Utopien im &#38; mit dem Internet. Die erste viereinhalb Minuten sind ziemlich lang, danach wird es interessant. ♥ to re:publica<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12148&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ein Gespräch</strong> über Text, Pessimismus, Subkultur, Öffentlichkeit, Mailorder, Musik und Utopien im &amp; mit dem Internet. Die erste viereinhalb Minuten sind ziemlich lang, danach wird es interessant.</p>
<p><small>♥ to <a href="http://www.re-publica.de/" target="_blank">re:publica</a></small></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12148/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12148/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12148&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Good point:</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 15:35:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Question: Should philosophers interfere in public affairs? Answer: Everyone ought to interfere in public affairs, otherwise it’s not public affairs. … this is pulled from an interview with Czech philosopher Miroslav Petříček, over at Salon, a cultural website from Slovakia, not to be confused with Salon.com. ♥ to Perlentaucher<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12133&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<h2><strong>Question:</strong> Should philosophers interfere in public affairs?<br />
<strong>Answer:</strong> Everyone ought to interfere in public affairs, otherwise it’s not public affairs.</h2>
</blockquote>
<p>… this is pulled from an interview with Czech philosopher Miroslav Petříček, <a href="http://salon.eu.sk/en/10076/english-the-art-of-listening-to-silence/" target="_blank">over at <em>Salon</em></a>, a cultural website from Slovakia, not to be confused with <em><a href="http://www.salon.com/" target="_blank">Salon.com</a></em>.</p>
<p><small>♥ to <a href="http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2013-04-23.html" target="_blank">Perlentaucher</a></small></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12133/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12133/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12133&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>»Plädoyer für einen ehrenwerten Begriff«: Rolf Bauerdicks Buch Zigeuner &#8211; Begegnungen mit einem ungeliebten Volk</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 17:14:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb.: Der Reporter Rolf Bauerdick berichtet in Zigeuner über seine Reisen – und streitet für einen »ehrenwerten Begriff« Der Titel des Buchs von Rolf Bauerdick ist eine Provokation. Er lautet: Zigeuner &#8211; Begegnungen mit einem ungeliebten Volk. Wenn man auch sonst nichts über die Menschen weiß, um die es hier geht, so meint man doch [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12121&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-large wp-image-12123" alt="Rolf Bauerdick: Zigeuner. Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (DVA, 2013)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0171.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /></p>
<p style="text-align:center;"><small>Abb.: Der Reporter Rolf Bauerdick berichtet in <em>Zigeuner</em> über seine Reisen – und streitet für einen »ehrenwerten Begriff«</small></p>
<p><strong>Der Titel des Buchs</strong> von <a href="http://www.rolfbauerdick.de/" target="_blank">Rolf Bauerdick</a> ist eine Provokation. Er lautet: <a href="http://www.randomhouse.de/Buch/Zigeuner-Begegnungen-mit-einem-ungeliebten-Volk/Rolf-Bauerdick/e286682.rhd" target="_blank"><em>Zigeuner &#8211; Begegnungen mit einem ungeliebten Volk</em></a>. Wenn man auch sonst nichts über die Menschen weiß, um die es hier geht, so meint man doch wenigstens zu wissen, dass es sich nicht um ein Volk handeln kann, sondern mindestens um zwei. Und, dass man nicht »Zigeuner« sagt, sondern Sinti und Roma. Doch Bauerdick hält nichts von solchen Sprachregelungen und jenen, die sie einfordern.</p>
<p>Sein Buch ist als Reportage angelegt. Doch über weite Teile liest es sich wie eine Streitschrift: Wenn Bauerdick über Antiziganismusforscher und den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma schreibt, dann oft kritisch und manchmal spöttisch. Er schimpft über »Normierungszwang«, »Korrektheitswahn« und den »Amoklauf der politischen Korrektheit«. Und Günter Grass unterstellt er »grenzenlose Naivität«, weil dieser ein europaweites Bleiberecht für Roma gefordert hatte.</p>
<p>Was macht Rolf Bauerdick so zornig?</p>
<h2><span id="more-12121"></span></h2>
<p>Als Fotograf und Autor ist Bauerdick, Jahrgang 1957, ein Reporter der alten Schule. Seine Bilder sind ausdrucksstark und oft schwarz-weiß (zwei von ihnen schmücken den Umschlag seines Buches), seine Texte Sozialreportagen über Abgehängte und Marginalisierte: Für den <em>Stern</em> berichtete er über die Kohlenausträger der DDR, die nach der Wiedervereinigung um ihre Existenz fürchteten. Für <em>Brigitte</em> besuchte er Frauen, die in der Kanalisation der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator leben. Und immer wieder reiste Bauerdick »zu Zigeunern«, wie er schreibt, zum Beispiel als Fotograf für den <em>Spiegel</em>. Mehr als hundert solcher Reisen habe er unternommen, nach Bulgarien, nach Rumänien, in den Ruhrpott.</p>
<p>Um zu verstehen, wieso Rolf Bauerdick auf das Wort »Zigeuner« besteht, lohnt es sich, das achte Kapitel seines Buches zuerst zu lesen. »Plädoyer für einen ehrenwerten Begriff« heißt es. Dort schreibt Bauerdick:</p>
<blockquote><p>Um es klar zu sagen: Es ist respektlos, einen Sinto oder eine Sintezza &#8216;Zigeuner&#8217; zu nennen, wenn diese nicht Zigeuner oder Zigeunerin genannt werden wollen.</p></blockquote>
<p>Doch ähnlich falsch sei es, darauf zu bestehen, dass »Zigeuner« ein Schimpfwort sei. Bauerdick berichtet von Menschen in Rumänien, die darauf bestehen, Zigeuner genannt zu werden, weil sie Roma für Kriminelle halten. Er verweist auf die Ausschwitzüberlebende Philomena Franz, die sich in ihrer Autobiografie in erster Linie als Zigeunerin beschreibt und erst in zweiter als Sintezza. Und er zitiert mit einiger Irritation Journalisten, die stets »Sinti und Roma« schreiben, statt zu unterscheiden &#8211; und die folglich auch Roma sehen, wo eigentlich nur Sinti leben, oder Sinti mit in die Pflicht nehmen, wo ausschließlich Roma gemeint sind. Bloß »Zigeuner« durch »Sinti und Roma« zu ersetzen, ist demnach nicht genug.</p>
<p>Bauerdick meint,</p>
<blockquote><p>dass sich die Bundesrepublik ohne das kämpferische Auftreten des Zentralrats in den achtziger Jahren fraglos aus ihrer historischen Schuld und Verantwortung herausgeschlichen hätte.</p></blockquote>
<p>Das »Z-Wort« und seine sozialen Zuschreibungen tabuisieren zu wollen, schieße aber übers Ziel hinaus. Die Klischees in Schlagern wie Alexandras »Zigeunerjunge« seien zwar »dämlich«, aber kein Grund, ihren Urhebern rassistische Hetze vorzuwerfen. Denn eine derart moralisch aufgeheizte Stimmung mache es schwierig, differenziert über soziale Missstände zu diskutieren. Er fürchtet ein Klima, in dem Politiker und Journalisten nicht mehr sprechen können, ohne als Nazis beschimpft zu werden.</p>
<p>Günter Grass&#8217; Forderung nach bedingungsloser Freizügigkeit ignoriere Menschenschlepperei und Zwangsprostitution als deren mögliche Konsequenzen. Wie in allen Menschengruppen gebe es unter Sinti, Roma und selbsterklärten Zigeunern nicht nur Opfer, sondern eben auch Täter. Eine Plattitüde, könnte man denken, doch eine, über die zu schreiben Bauerdick sehr wichtig ist.</p>
<p>Beim <a href="http://zentralrat.sintiundroma.de/" target="_blank">Zentralrat Deutscher Sinti und Roma</a> sorgt Bauerdicks Kritik für Irritation. »Der Zentralrat hat zu keiner Zeit ein Verbot des Wortes Zigeuner gefordert«, schreibt Herbert Heuss in einer E-Mail, der leitende wissenschaftliche Mitarbeiter des Verbandes. »Der Begriff Zigeuner ist aber nicht wertneutral.« Heuss verweist auf deutsche Mundart-Wörterbücher, welche die negative Konnotation des Begriffs aufzeigten. Wer den Begriff verteidigt, verteidige auch die Definitionsmacht der Mehrheit über die Minderheiten.</p>
<p>»Wirklich infam« sei, wie Bauerdick in seinen eher anekdotisch als analytisch angelegten Reportageszenen über Verwahrlosung, Diebstahl und Zwangsprostitution berichtet. Heuss schreibt:</p>
<blockquote><p>Der Zentralrat hat immer darauf insistiert, dass Kriminalität bekämpft werden muss. Und gleichzeitig unterstrichen, dass in einem Rechtsstaat der Einzelne für seine Taten verantwortlich ist, und dass es unzulässig ist, diese mit der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit zu verbinden.</p></blockquote>
<p>Dass Bauerdick die Verbrechen einzelner mit ihrer Ethnie in Verbindung bringt, erinnere an die Parolen rechtsradikaler Parteien. Seine Kritik am »Amoklauf der politischen Korrektheit« gerate zum »Amoklauf der politischen Unkorrektheit«, schreibt Herbert Heuss.</p>
<p>Dabei beschreibt Bauerdick auch die politischen Umständen, die das »ungeliebte Volk« treffen: Versklavung bis ins 19. Jahrhundert, Ausbeutung unter den sozialistischen Regimen, Verarmung nach der wirtschaftlichen Liberalisierung, Gewalt und Stigmatisierung in Zeiten der nationalistischen Aufwallungen.</p>
<p>Und obwohl Rolf Bauerdick von »Zigeunern« spricht, macht er klar, dass es »den Zigeuner« nicht gibt, sondern unterschiedliche Gruppen in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen und Traditionen. Der Reporter sieht ein, dass er dazu verdammt ist, auf ewig Gadscho zu bleiben, was »Nichtzigeuner« heiße, aber »auch Dummkopf, Bauer oder Feind bedeuten kann«. Daraus leitet er ab, dass er niemals für »die Zigeuner« sprechen kann, sondern nur mit ihnen. Mit dem Zentral Deutscher Sinti und Roma, sagt Herbert Heuss, habe Rolf Bauerdick jedoch nicht gesprochen.</p>
<p><em>Rolf Bauerdicks Buch ist bei DVA erschienen. Eine leicht bearbeitete <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/rolf-bauerdick-zigeuner-begegnungen-mit-einem-ungeliebten-volk-a-893638.html" target="_blank">Version dieser Besprechung</a> wurde heute bei Spiegel Online veröffentlicht.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12121/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12121/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12121&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Rolf Bauerdick: Zigeuner. Begegnungen mit einem ungeliebten Volk (DVA, 2013)</media:title>
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		<title>Moderne Grausamkeit: Henning Ritters Essay Die Schreie der Verwundeten. Versuch über die Grausamkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 16:56:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb.: Henning Ritters Essay Die Schreie der Verwundeten, neulich erschienen bei C.H. Beck Beste Vorlesung des bisherigen Jahres. Auch wenn man sie selber lesen muss. Mehr in meiner Buchempfehlung zu Henning Ritters Die Schreie der Verwundeten, einem Essay des früheren FAZ-Redakteurs über die Grausamkeit und ihre Gegner im 19. Jahrhundert, bei Spiegel Online.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12113&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-large wp-image-12114" alt="Henning Ritter: Die Schreie der Verwundeten (C.H. Beck)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0170.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /><br />
<small>Abb.: Henning Ritters Essay <em>Die Schreie der Verwundeten</em>, neulich erschienen bei C.H. Beck</small></p>
<p><strong>Beste Vorlesung</strong> des bisherigen Jahres. Auch wenn man sie selber lesen muss. Mehr <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/henning-ritter-die-schreie-der-verwundeten-ueber-grausamkeit-rezension-a-894627.html" target="_blank">in meiner Buchempfehlung</a> zu Henning Ritters <em>Die Schreie der Verwundeten</em>, einem Essay des früheren <em>FAZ</em>-Redakteurs über die Grausamkeit und ihre Gegner im 19. Jahrhundert, bei <em>Spiegel Online</em>.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12113/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12113/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12113&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Ein Selbstgespräch über die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS (3/13)</title>
		<link>http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/04/16/ein-selbstgesprach-uber-die-neue-ausgabe-von-zeit-campus-313/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 23:01:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb. 1: Die neue Ausgabe von ZEIT CAMPUS (Nr. 3/13, Mai/Juni 2013) gibt es seit dem 16. April am Kiosk Aha, mal wieder ein neues Heft? Genau! Eben ratterten noch die Druckmaschinen, ab heute ist die Mai/Juni-Ausgabe von ZEIT CAMPUS am Kiosk. Und, was kriegt man darin zu sehen? Viele seltsame Porträtfotos: Von Muskelbergen in [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12069&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-large wp-image-12072" alt="Cover ZEIT CAMPUS 3/13 (photo by Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0135.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /></p>
<p style="text-align:center;"><small>Abb. 1: Die neue Ausgabe von <em>ZEIT CAMPUS</em> (Nr. 3/13, Mai/Juni 2013) gibt es seit dem 16. April am Kiosk</small></p>
<p><strong>Aha, <a href="http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/02/19/zeit-campus-3/" target="_blank">mal wieder</a> ein neues Heft?</strong></p>
<p>Genau! Eben <a href="http://de-de.facebook.com/photo.php?v=10152347389023306&amp;set=vb.63948163305&amp;type=2&amp;theater" target="_blank">ratterten noch die Druckmaschinen</a>, ab heute ist die Mai/Juni-Ausgabe von <em><a href="http://www.zeitverlag.de/marken-produkte/zeit-campus/" target="_blank">ZEIT CAMPUS</a></em> am Kiosk.</p>
<p><strong>Und, was kriegt man darin zu sehen?</strong></p>
<p>Viele seltsame Porträtfotos: Von Muskelbergen in Unterhemden, die nachts in Berlin rumstehen und skeptisch gucken. Von Typen mit viel Textil im Gesicht. Von armen Amerikanern. Und von hässlichen Blumen.</p>
<p><strong>Hässliche Blumen?</strong></p>
<p>Ja! Über die hat <a href="http://www.danielerk.de/" target="_blank">Daniel Erk</a> auch einen kleinen Essay geschrieben, der ist das wahrscheinlich fragwürdigste Stück Feuilleton, seit Georg D. beinahe Christian K. <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83977254.html" target="_blank">einen Nazi genannt hätte</a>. Außerdem erläutert Caterina Lobenstein die Folgen der neoliberale Leistungsethik anhand einer kurzen Kulturgeschichte des Schokoriegels. Ich durfte auch was schreiben: neben der Titelgeschichte über Lebensläufe erzähle ich im Ehemaligenverein, wie Susan Sontag von einer Drag Queen auf gute Ideen gebracht wurde. Ich glaube, ich habe jetzt sogar verstanden <a href="http://achtmilliarden.wordpress.com/2009/04/22/was-ist-camp-wolfgang-joop-hat-auch-keine-ahnung/" target="_blank">was <em>camp</em> ist</a>.</p>
<p><strong>Äh, super …</strong></p>
<p>Ja, oder? Das Heft gibt’s wie gesagt am Kiosk, für 2,80 Euro. Oder in der Mensa, dort sogar oft etwas günstiger. Oder zusammen <a href="http://www.zeitabo.de/magazin-angebote/zeit-campus/zeitcampuseinzelheft.html" target="_blank">mit der <em>ZEIT</em> im Studentenabo</a>. Oder auf dem <a href="https://itunes.apple.com/de/app/zeit-campus/id582623885?mt=8" target="_blank">iPad als ePaper</a>. Da sind dann allerdings die Postkarten zum Selberausschneiden nicht dabei.</p>
<p><strong>Sonst noch was neu?</strong></p>
<p>Die Artdirektorin: <a href="http://www.beatepietrek.de/" target="_blank">Beate Pietrek</a>. Unsere alte und erste, <a href="http://www.malinschulz.de/" target="_blank">Malin Schulz</a>, ist jetzt bei der <em>ZEIT</em>. Um zu zeigen, was sie für gute Gestaltung hält, hat Beate als erste Amtshandlung die Titelseite schwarzweiß gemacht und einen Eimer Neonfarbe drüber gekippt. Cool.</p>
<h2><span id="more-12069"></span></h2>
<p><img class="alignnone size-large wp-image-12074" alt="Spread Page ZEIT CAMPUS 3/13 (photo by Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0161.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /></p>
<p><img class="alignnone size-large wp-image-12076" alt="Spread Page ZEIT CAMPUS 3/13 (photo by Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0164.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /></p>
<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-large wp-image-12073" alt="Spread Page ZEIT CAMPUS 3/13 (photo by Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0155.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /><br />
<small>Abb. 2 bis 5: Seitenansichten aus <em>ZEIT CAMPUS</em>: Susan Sontag, der Essay über Leistung und Schokolade, hässliche Blumen.</small></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12069/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12069/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12069&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Kapitalismustheorie &amp; Duschgel: Über Wolfgang Ullrichs Buch Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung</title>
		<link>http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/04/15/wolfgang-ullrich-konsum/</link>
		<comments>http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/04/15/wolfgang-ullrich-konsum/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 15:33:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb.: Warenensemble mit Wolfgang Ullrichs Buch Alles nur Konsum, das kürzlich im Verlag Klaus Wagenbach erschienen ist Bücherwand, Hauskonzert, Kunstbesitz: Wenn Wolfgang Ullrich zum Abendessen kommt, könnte das alles nutzlos sein. Denn um den Geschmack seiner Gastgeber zu prüfen wird der Karlsruher Kunstwissenschaftler wohl zuerst auf etwas anderes schauen: auf den Pfefferstreuer. Das legt zumindest Alles [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12092&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-large wp-image-12103" alt="Wolfgang Ullrichs Buch &quot;Alles Nur Konsum&quot; (CC-photo by Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/dscn0069.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /></p>
<p style="text-align:center;"><small>Abb.: Warenensemble mit Wolfgang Ullrichs Buch <em>Alles nur Konsum</em>, das kürzlich im Verlag Klaus Wagenbach erschienen ist</small></p>
<p><strong>Bücherwand, Hauskonzert, Kunstbesitz:</strong> Wenn Wolfgang Ullrich zum Abendessen kommt, könnte das alles nutzlos sein. Denn um den Geschmack seiner Gastgeber zu prüfen wird der Karlsruher Kunstwissenschaftler wohl zuerst auf etwas anderes schauen: auf den Pfefferstreuer.</p>
<p>Das legt zumindest <em>Alles nur Konsum</em> nahe, Ullrichs neues Buch, das mit einer provokanten Absage an die Konsumkritik in der Tradition Theodor W. Adornos beginnt. Marketing ist nur Täuschung und Shopping bloß eine primitive Tätigkeit? Nein, schreibt Ullrich:</p>
<blockquote><p>Im Gegenteil kann Konsumieren eine Kulturtechnik sein wie Lesen; die Wahl der jeweils richtigen Pfeffermühle ist genauso ein Ausweis von Geschmack und Urteilskraft wie die Entscheidung für die Lektüre eines bestimmten Buches.</p></blockquote>
<p>Tausende Manufactum-Kunden werden es ihm danken.</p>
<p>Friedrich Schiller verfasste einst seine Briefe <em>Über die ästhetische Erziehung des Menschen</em>. Im Untertitel seine Buches orientiert sich Wolfgang Ullrich an der Formulierung des Dichters. Dennoch erzählt seine <em>Kritik der warenästhetischen Erziehung</em> kaum von Religion, Kunst und Literatur, sondern fast ausschließlich von trivialen Dingen: von Duschgels, Brotaufstrichen und Notizblöcken.</p>
<h2><span id="more-12092"></span></h2>
<p>Ullrichs Interesse gilt den Waren, die unseren Alltag ausfüllen, die aber nicht nur ihr Nutzwert auszeichne, sondern auch ihre Symbolkraft. Das Einkaufen, schreibt er, sei zu einer komplexen Angelegenheit geworden und der Konsument im Grunde zu einem Kurator. Statt der aktuellen Mode müsse ein Produkt der Situation entsprechen, in der es zum Einsatz kommt.</p>
<p>Wo früher ein einzelnes Stück Seife ausreichte, stehen heute demnach mindestens zwei verschiedene Duschgels. Eines, das morgens belebend und ein weiteres, das abends entspannend wirken soll. Das eine kommt aus einem silbrigen Behälter, der entfernt an eine Rakete erinnert und den Aufdruck »Energy« trägt. Das zweite aus einer bauchigen Flasche, die mit »sinnlichem Sandelholzduft« wirbt.</p>
<p><strong>Alles nur trügerisches Marketing?</strong> Nicht ganz: Wolfgang Ullrich sieht hier denselben Mechanismus am Werk, den der Soziologe Norbert Elias einst als »Prozess der Zivilisation« beschrieben hat. So wie wir beim Abendessen den Fisch nicht mit dem Fleischmesser zerteilen und den Wein nicht aus einem Wasserglas trinken, stehe das situationsspezifische Duschgel für kulturelle Verfeinerung.</p>
<p>Überhaupt sei es erst der Konsum gewesen, der das Duschen von einem Akt bloßer Notwendigkeit (Hygiene) in eine Quelle von Lebensfreude (Belebung, Entspannung) verwandelt habe.</p>
<p>Wer sich mit »Energy«-Duschgel aus der Silberrakete einreibt, schreibt Ullrich, fühle sich danach im besten Fall tatsächlich fit. Und wer mit Sandelholzduft duscht, komme hoffentlich wirklich erholt aus dem Badezimmer.</p>
<p>Zwar haben die Gels keine chemischen Wirkstoffe, die Einfluss auf den Energiehaushalt des menschlichen Körpers nehmen – sie sind bloß Seife. Aber man müsse schon ein rigoroser Materialist sein, um darin einen Makel zu sehen, argumentiert Wolfgang Ullrich sinngemäß. Er spricht vom wissenschaftlich erwiesenen »Placebo-Effekt« der Warenästhetik.</p>
<p>Dieser sei begründet im »multisensory enhancement« des Duschgels, also im perfekt abgestimmten Verhältnis von Werbung, Markenname, Gestaltung, Geruch und dem Geräusch, das die Verpackung beim Öffnen des Deckels macht. Die wachsende Anzahl der »Produkte mit psychotherapeutischem Leistungsversprechen« beruht demnach nicht auf der Täuschung von arglosen Konsumenten.</p>
<p>Stattdessen, so Ullrich, wirken Energieduschgels, Heilwasser und karmasteigernden Fruchtsäfte wirklich, wenn man nur fest an das Versprechen von Werbung und Produktdesign glaubt. In einer der vielen originellen Beobachtungen seines Buches beschreibt Ullrich einen Drogeriemarktkatalog als Kompendium des modernen Aberglaubens.</p>
<p>Muss man den Werbeagenturen und Produktdesignern danken, dass sie unser Leben erleichtern und unsere Kultur bereichern? Ullrich widerspricht. Er sieht im Konsumdruck eine Quelle für Burnout und in der steigenden Ausdifferenzierung des Warenangebots eine Ursache für soziale Spaltung.</p>
<p>Analog zum Bildungsbürger macht Ullrich den Konsumbürger aus, der Bio-Lebensmittel und Designer-Ware kauft um sich vom Pöbel abzugrenzen. Wolfgang Ullrichs schlägt nun vor, dass sich Sozialpolitiker der Frage annehmen könnten, warum der Placebo-Effekt der Warenästhetik den Wohlhabenden vorbehalten bleibt, während die Armen sich wegen ihres schlecht gestalteten Billig-Duschgels weiter träge fühlen müssen.</p>
<p>Das ist ein überraschender Gedanke zu einer Konsumentenklasse, die schon oft beschrieben worden ist, bei Ulf Poschardt als »Geschmacksbügertum« und <a href="http://www.zeit.de/2007/46/D18-PrenzlauerBerg-46" target="_blank">bei Henning Sußebach als »Bionade-Biedermeier«</a>.</p>
<p>Eine politische Folgerung lässt sich aus Ullrichs Theorie dennoch kaum ableiten. Konsequent wäre wohl ein Recht auf Konsum, so wie es zumindest implizit ein Recht auf Kultur gibt, mit öffentlichen Hochschulen, kommunalen Bibliotheken und vergünstigten Museum- und Theaterkarten für Arbeitslose und Rentner.</p>
<p><strong>Sollte sich der Sozialstaat der Zukunft</strong> also »Energizing«-Duschgel für alle auf die Agenda schreiben? Kaum. Was im Falle von alltäglichen Waren wie Duschgels noch funktionieren mag, stößt vermutlich spätestens bei luxuriöseren Produkten an seine Grenzen. Denn anders als das Kultur- und Geistesleben, das gewinnt, je mehr Menschen an ihm teilhaben können, stützt sich Konsum zumindest teilweise auf Differenzierung und Exklusivität.</p>
<p>Oft rührt das Glücksgefühl der Konsumenten wohl auch daher (so <a href="http://www.zeit.de/campus/2012/06/robert-pfaller-philosophie-genuss" target="_blank">argumentiert der Philosoph Robert Pfaller</a>, den Wolfgang Ullrich an anderer Stelle wohlwollend zitiert), dass sie etwas Leichtsinniges und Verschwenderisches tun. Verschwenderisch ist etwa ein Glas Champagner aber nicht nur, weil es ungesund, sondern auch, weil es teuer und damit nicht alltäglich ist.</p>
<p>Je mehr eine Handtasche, Herrenuhr oder Hautcreme aus dem Body Shop den Rahmen dessen übersteigt, was man sich vernünftigerweise leisten kann, desto mehr freut man sich, wenn man sie dennoch kauft und »sich etwas gönnt«.</p>
<p>Hinzu kommt die Funktion von Konsumprodukten als Statussymbole anderen Menschen gegenüber. Wenn Wolfgang Ullrichs Theorie des Placebo-Effektes stimmt, ist zu befürchten, dass eine Demokratisierung von Luxusprodukten ihrer Profanisierung gleichkäme und ihnen die Wirkung nähme.</p>
<p>Konsum ist vielleicht notwendig asozial – und der Konsumverächter in der Tradition Theodor W. Adornos womöglich weniger im Unrecht, als Wolfgang Ullrich behauptet.</p>
<p><em>Wolfgang Ullrichs Buch »Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung« <a href="http://www.wagenbach.de/buecher/titel/896-alles-nur-konsum.html" target="_blank">ist im Verlag Klaus Wagenbach erschienen</a>. Eine gekürzte Version dieser Rezension wurde heute <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/wolfgang-ullrich-alles-nur-konsum-rezension-a-893637.html" target="_blank">auf Spiegel Online veröffentlicht</a>.</em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/12092/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/12092/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=12092&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Let&#8217;s trash those overhead projectors! Seven theses on new media use in classrooms in Germany (in preparation of ZEIT Konferenz 2013)</title>
		<link>http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/04/14/new-media-at-schools-in-germany/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 16:32:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Photo: Technology in the classroom, circa 1990s. (CC-Photo by Mailer Diablo, via Wikipedia.) Tuesday&#8217;s ZEIT Konferenz Schule &#38; Bildung is coming up! It&#8217;s my pleasure to host the conference&#8217;s final panel that will look at new media use in European schools. Ger Vennegoor, an educational consultant from the Netherlands, and Ola Erstad, an academic with [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11945&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-large wp-image-11977" alt="Overhead projector, used during lessons in a classroom. Photo by Mailer diablo" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/ohp-sch.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /><br />
<small>Photo: Technology in the classroom, circa 1990s. (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC</a>-Photo by <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/User:Mailer_diablo" target="_blank">Mailer Diablo</a>, via <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:OHP-sch.JPG" target="_blank">Wikipedia.</a>)</small></p>
<p><strong><a href="http://www.zeit-konferenzen.de/schule-bildung" target="_blank">Tuesday&#8217;s ZEIT Konferenz Schule &amp; Bildung</a> </strong>is coming up! It&#8217;s my pleasure to host the conference&#8217;s final panel that will look at new media use in European schools. <a href="http://www.kpcgroep.nl/KPC-Groep/Onze-adviseurs/Medewerkers/Vennegoor-Ger.aspx" target="_blank">Ger Vennegoor</a>, an educational consultant from the Netherlands, and <a href="http://www.uv.uio.no/pfi/english/people/aca/olae/" target="_blank">Ola Erstad</a>, an academic with a focus on education and media from Norway, will talk about what Germany can learn from their respective countries and how they employ technology in the classroom.</p>
<p>Born in 1984, I believe to be of the last generation of <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Digital_Native" target="_blank">digital immigrants</a>. When I went to school in the 1990s and early 2000s, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Overhead_projector" target="_blank">overhead projectors</a> were the prevalent kind of »technology in the classroom«. As were movie reels. In fifth or sixth grade, I was preparing a class presentation with a friend whose family had access to the internet at their house. This was a novelty for me. While the dial-up modem was playing its <a href="http://www.youtube.com/watch?v=gsNaR6FRuO0" target="_blank">lovely tune</a>, my friend&#8217;s mom urged us to print every website we&#8217;d find before reading it. There was no such thing as a flatrate back then and »going online« was a rather costly endavor. So yeah, things have changed.</p>
<p>To prepare our discussion at the ZEIT Konferenz, I did a bit of reading this weekend. Here are seven very basic theses I&#8217;d love to share, many of them based on work by <a href="https://twitter.com/BarbaraWege" target="_blank">Barbara Wege</a>, a fellow journalist who kindly shared her research with me. Please bear in mind that I&#8217;m talking about youth in Germany (not humanity, the world, etc.).</p>
<p><strong>Here we go:</strong></p>
<h2><span id="more-11945"></span></h2>
<p><strong>1) We can&#8217;t talk about »media« withouth talking about the internet.</strong> This is a no-brainer, of course. While German students are still watching quite a bit of TV, most of their media time is spent online. 14-to-19-year-olds spend roughly two-and-a-half hours online each day, according to <a href="http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/" target="_blank">research by Germany&#8217;s public broadcasters</a> published in 2012. They love it, too: 88% of 12-to-25-year-olds say that using the internet is important or very important for them, according to <a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=527" target="_blank">the JIM-Studie 2012.</a> <strong><br />
</strong></p>
<p><strong>2) The <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Digital_divide" target="_blank">Digital Divide</a> is history.</strong> Today, 98% of 12-to-25-year-olds in Germany have access to the internet in their households, again according to <a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=527" target="_blank">the JIM-Studie</a>. True, the number goes down a few digits if we look at low-income families, but physical access to the internet is no longer significantly restricted based on income. There&#8217;s virtually nobody who&#8217;s not online at least occasionally.</p>
<p><strong>3) That doesn&#8217;t mean all is well, though. </strong>Just because you have access to the internet doesn&#8217;t mean you know how to use it in a way that is <em>empowering</em> rather than <em>overpowering</em>. Eszter Hargittai <a href="http://firstmonday.org/htbin/cgiwrap/bin/ojs/index.php/fm/article/viewArticle/942/864%EF%BF%BD%C3%9C" target="_blank">talks about a Second Level Digital Divide</a> that is no longer about access but skills. Also, there&#8217;s a difference between using the internet to edit Wikipedia and using the intenet to look at photos of cute kittens and/or naked people.</p>
<p>Most of us do a little bit of both, one could think. In fact, only a fraction of students&#8217; online time is used for gathering information (15%), while most is spent communicating with others (44%) and using entertainment services or games (41%), according to the <a href="http://www.mpfs.de/index.php?id=527" target="_blank">the JIM-Studie</a>. I find it debatable whether »communicating with others« is necessarily distinct from »gathering information«, but still &#8230;</p>
<p>What is more, several studies indicate that children from families that are well-off are more likely to use the internet for research and news consumption rather than only for entertainment and games. They also tend to know more about cookies, privacy settings, etc.</p>
<p><strong>4) Schools have to teach media literacy. </strong>Today, more often than not, the problem is not the lack of informational resources but their overabundance. Being able to navigate the internet and to distinguish between crap and greatness is becoming more and more essential for being a responsible citizen. This seems to be <a href="http://www.kreativemedienbildung.de/page/2012/04/medienbildung/" target="_blank">widely</a> <a href="http://www.focus.de/digital/computer/internet-ruf-nach-einem-mobilen-computer-fuer-jeden-schueler_aid_704880.html" target="_blank">accepted</a> among German politicians. Which is great. But what follows from it?</p>
<p>In the past, the German school system <a href="http://www.dw.de/un-envoy-critical-of-german-school-system/a-1911065" target="_blank">has proven to be</a> far from flawless in correcting inequalities between children of different economic backgrounds. Today, there seems to be no coherent approach to applying new media in the classroom, yet. We&#8217;re still in an experimental phase with different schools probing different attempts.</p>
<p><strong>5) New media can be a great tool for teaching. </strong>In the past, teachers were supposed to help their students learn how to read and write and do calculus. Today, they also have to show them how to use new media and surf the web. Isn&#8217;t that becoming a bit too much? One could think so. However, digital technology can also be used to improve the teaching of reading, writing and math skills.</p>
<p>With tablet computers, a foreign language teacher can conduct a vocab test and get immediate (even anonymized) feedback on which words students got wrong. The same is true for math quizzes, etc. The teacher can use these insights to repeat what needs repetition or to speed up his or her teaching in case every student knows what they are supposed to be knowing. In-class practice can also be adjusted according to the individual student&#8217;s needs. Sweet!</p>
<p><strong>6) Still, be careful what you wish for.</strong> There are infinite ways to be distracted once you have access to the internet. Guess how long it took me to write this blog posting while simultaneously checking Facebook, Twitter and my e-mail account! Knowing that tablets are devices that can be used for communication (which students love), and entertainment (which students love), and playing games (which students love), not just for gathering information (which students don&#8217;t love so much), do we really want them in the classrooms?</p>
<p><strong>7) We&#8217;ll have to identify the weak links. </strong>Beyond skepticism about their potentially distracting nature, what else is keeping schools from employing tablets and other forms of new media more broadly? I assume it&#8217;s a combination of lack of funds and lack of enthusiasm on the side of some teachers.</p>
<p>We&#8217;ll have to talk about that at the conference. I&#8217;m very much looking forward to that. If you think I&#8217;m missing out on something crucial, please feel invited and encouraged to add a comment, send me an e-mail or <a href="https://twitter.com/oskarpiegsa" target="_blank">a tweet</a>. I&#8217;ll follow up on this posting later next week.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/11945/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/11945/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11945&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Austern mit Pol Pot: Eine Anmerkung/Korrektur zu meiner Rezension von Pol Pots Lächeln auf Spiegel Online</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Apr 2013 09:22:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb.: Pol Pots Lächeln, Peter Fröberg Idlings essayistische Reportage über die Reise westlicher Linker ins Kambodscha der Roten Khmer Korrektur: Ich habe für Spiegel Online das Buch Pol Pots Lächeln rezensiert, dessen Autor Peter Fröberg Idling der Geschichte von vier schwedischen Intellektuellen nachgeht, die 1978 ins Kambodscha der Roten Khmer reisten. Diese vier verfassten anschließend, [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11898&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-large wp-image-11899" alt="Pol Pots Lächeln, Reportage von Peter Fröberg Idling (photo cc by nc Oskar Piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/04/polpot.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /><br />
<small>Abb.: <em>Pol Pots Lächeln</em>, Peter Fröberg Idlings essayistische Reportage über die Reise westlicher Linker ins Kambodscha der Roten Khmer</small></p>
<p><strong>Korrektur:</strong> Ich habe für Spiegel Online das Buch <em>Pol Pots Lächeln</em> <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/rezension-pol-pots-laecheln-von-peter-froeberg-idling-a-890956.html" target="_blank">rezensiert</a>, dessen Autor Peter Fröberg Idling der Geschichte von vier schwedischen Intellektuellen nachgeht, die 1978 ins Kambodscha der Roten Khmer reisten. Diese vier verfassten anschließend, so Idling, einen »enthusiastischen« Bericht über Pol Pots Diktatur, die, wie wir heute wissen, von Zwangsarbeit, Hunger, Folter und Massenmord geprägt war. Davon hatten die vier Reisenden nichts mitbekommen. Peter Fröberg Idling fragt, wie das passieren konnte.</p>
<p>Meine Rezension wurde heute veröffentlicht. Darin wollte ich hervorheben, dass es sich nicht um vier Randständige und Verwirrte handelte, sondern zumindest teilweise um angesehene Stimmen der schwedischen Linken. Dass es auch außerhalb Schwedens linke Intellektuelle gab, die Pol Pot damals gegen seine Kritiker in Schutz nahmen. War das Wort »Generation« in meiner Rezension unbedacht? War es. Hätte ich ahnen müssen, dass es im Teaser endet? Hätte ich. Pardon. Selbstverständlich huldigte nicht eine »ganze Generation« westlicher Linker einem »Massenmörder«. Aber es gab offenbar eine signifikante Anzahl prominenter Anti-Imperialisten, die es für Propaganda hielten, Pol Pot einen »Massenmörder« zu nennen.</p>
<p>Intellektuelle, die Pol Pot – natürlich vor dem Hintergrund des verheerenden amerikanischen Bombenkriegs in Kambodscha – für einen Befreier hielten. Peter Fröberg Idling ist kein Kommunistenfresser. Er hat eine empathische Reportage darüber geschrieben, wie es zu einem schweren Irrtum kommen konnte. Ich habe diese Reportage mit Gewinn gelesen. Das wollte ich eigentlich bloß sagen. <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/rezension-pol-pots-laecheln-von-peter-froeberg-idling-a-890956.html" target="_blank">Hier geht&#8217;s zur Rezension.</a><em> <em><br />
</em></em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/11898/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/11898/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11898&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Pol Pots Lächeln, Reportage von Peter Fröberg Idling (photo cc by nc Oskar Piegsa)</media:title>
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		<title>Ein Heimatroman in Fraktur: Lang war der Weg von Henriette Brey</title>
		<link>http://achtmilliarden.wordpress.com/2013/03/31/henriette-brey/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Mar 2013 20:52:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>oskar piegsa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abb.: Henriette Breys Roman Lang war der Weg aus dem Jahr 1940 Im alten Kinderzimmer, dem über die Jahre eine zweite Funktion als Abstellkammer zugewiesen worden war, fand ich ein Buch, dessen Herkunft ich nicht mehr einwandfrei klären konnte: Lang war der Weg von Henriette Brey. Ein Heimatroman in Fraktur, erschienen im Verlag der Thomas-Druckerei [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11771&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-large wp-image-11884" alt="lang war die zeit, roman von henriette brey (foto cc nc by oskar piegsa)" src="http://achtmilliarden.files.wordpress.com/2013/03/dscn0105.jpg?w=720&#038;h=540" width="720" height="540" /><br />
<small>Abb.: Henriette Breys Roman <em>Lang war der Weg</em> aus dem Jahr 1940</small></p>
<p><strong>Im alten Kinderzimmer,</strong> dem über die Jahre eine zweite Funktion als Abstellkammer zugewiesen worden war, fand ich ein Buch, dessen Herkunft ich nicht mehr einwandfrei klären konnte: <em>Lang war der Weg</em> von Henriette Brey. Ein Heimatroman in Fraktur, erschienen im Verlag der Thomas-Druckerei in Kempen, im Jahr nach dem deutschen Überfall auf Polen. Das Thema: Liebe, Schuld und Sühne am Niederrhein. Die Sprache: überbordend und schamlos. Heile Welt, Natursehnsucht und Heimatkitsch. Eine echte Osterentdeckung.</p>
<p>Die Handlung von <em>Lang war der Weg</em> ist deutlich vor dem Nationalsozialismus angesiedelt, vermutlich sogar vor dem Ersten Weltkrieg, genauer kann ich das nicht einordnen. Die Elektrizität ist zwar schon entdeckt, ansonsten bleibt es aber rustikal, ohne Erwähnungen von Autos oder technischen Geräten. Stattdessen geht es ganz um Mensch und Natur. Und um die menschliche Natur, die ausbrechen will aus gesellschaftlichen Grenzen.</p>
<p>Die Hauptfiguren sind Werner und Luzie, die schwer verliebt sind. Alles gut? Im Gegenteil:</p>
<blockquote><p>Und er dachte, es müßte eine reizvolle Aufgabe für einen Mann sein, dies taufrische, schöne und kluge, dabei unverbildete Geschöpf hineinzuführen in alle Wunder von Natur und Kunst und sie heranzubilden zu &#8230; Doch wohin ging sein Träumen? Es konnte ja nie Wirklichkeit werden: er, der arme Student, und sie, die einzige Tochter des stolzen Bauern!</p></blockquote>
<p>Während einer romantischen Nachtwanderung (»duftschwangere Wogen von Rosenatem wehten über ihren Weg, mischten sich mit dem Waldesodem«) kommt es zur Aussprache der beiden. Luzie, sinngemäß: Alter, Werner, brich das olle Germanistikstudium ab und werd Bauer, ich weiß doch, dass du Tiere liebst! »Ach Kind, das genügt nicht!«, sagt Werner: »Mein Feld ist die Wissenschaft.«</p>
<h2><span id="more-11771"></span></h2>
<p>Es wird tragisch enden mit Luzie und Werner. Aber es gibt ein Trostpflaster: Werner begegnet Gisela. Die ist nicht mehr »taufrisch« und auch nicht »unverbildet«, sondern schon was älter und studiert Medizin. Macht aber nix:</p>
<blockquote><p>Zu dieser Gisela Waldhoff fühlte er sich schon nach diesem kurzen Abend hingezogen. Er erkannte in ihr einen Menschen, der einem geistigen Leben geöffnet und doch ganz fühlende Frau geblieben war.</p></blockquote>
<p>So gesehen ist das Trostpflaster sogar der Hauptpreis. Ein Glück, lieber Werner! Beruflichen Erfolg hat er auch: Die Kinder in seiner Dorfschule lieben ihn als Lehrer. Und die Fachwelt jubelt über seine wissenschaftlichen Abhandlungen. Doch halt, was wird aus Luzie? Wird nicht verraten. F<em></em>ragen Sie den Antiquar ihres Vertrauens.</p>
<p>Blöder Plot, unglaubwürdige Protagonisten, voll sexistisch, ey? Stimmt womöglich. Wobei im weiteren Verlauf des Romans zärtliche Vaterschaft &amp; Großvaterschaft und eine Patchwork-Familie beschrieben werden – und all das wirkt nicht gerade nach soldatischen Männer- und konservativen Familienbildern. Aber das Wichtigste an diesem Buch sind ohnehin nicht die Handlung oder die Figuren, sondern die Szenerie am Niederrhein.</p>
<p>Viele Kapitel beginnen mit einer Beschreibung der Landschaft und der Jahreszeit. Mir macht Spaß, wie verschwenderisch Henriette Brey dabei mit Sprache umgeht. Und wie wenig Angst sie vor Kitsch hat.</p>
<p>Ein Beispiel:</p>
<blockquote><p>Der Spätherbst verschenkte als letzte Gabe noch ein paar seidigwarme Sonnentage, bevor raue Winde das letzte Goldlaub abrissen und die Novembernebel die fahlen Bäume mit grauen Schleiern umzogen.</p></blockquote>
<p>Oder:</p>
<blockquote><p>Wie sind die Sommerabende berückend schön! Langsam färbt sich der türkisene Seidenhimmel im Westen grün- und lilastreifig und tränkt sich dann mit warmem Purpurgold, das die Leuchtkraft der Blüten noch steigert zu einem flimmernden Lebensüberschwang.</p></blockquote>
<p>Oder:</p>
<blockquote><p>Ob irgendwo in der Welt der Frühling süßer und inniger ist als am Niederrhein? Vielleicht, weil eine so festlichlange Vorfreude darauf wartet, ein herzpochendes Erwarten? Er kommt so zögern. Es währt so lange, ehe eine grüner Anflug sich um das fahle Geäst spinnt. Es dauert so lange, bis die Weidenkätzchen ihr Pulvergold verstäuben. Bis die Knospen anschwellen, mit Geheimnissen holder Blüten im Innern. Wer Ohren dafür hätte, könnte das starke Herz der Erde pochen hören, den heißen Atem ihrer Schöpferfreude.</p></blockquote>
<p>Ist das nicht herrlich überkandidelt? Ich tippe mal: Das ist <a href="http://achtmilliarden.wordpress.com/2009/04/22/was-ist-camp-wolfgang-joop-hat-auch-keine-ahnung/" target="_blank"><em>camp</em></a> auf deutsch.</p>
<p>Während die Großstadt <em></em>die Menschen hier aufeinanderdrängt und doch vereinsamen lässt, tritt die Natur als Verlängerung ihres Innersten auf. Sie weiß die Gefühle der Protagonisten besser auszudrücken, als es diesen selbst gelänge. Es handelt sich bei <em>Lang war der Weg</em> um einen Heimatroman, wie er <del>im Buche</del> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heimatroman#Zum_Begriff" target="_blank">in der Wikipedia</a> steht – der aber dennoch sicher keine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Blut-und-Boden-Ideologie" target="_blank">Blut-und-Boden-Literatur</a> ist, bloß bieder und eher christlich inspiriert.</p>
<p>Henriette Brey hat viel geschrieben, neben den Heimatromanen auch biblische Romane, <a href="http://www.klang-der-worte.de/html/literarische_werke.html" target="_blank">eine Bibliographie</a> zählt insgesamt 57 Titel. Teilweise wurden ihre Bände übersetzt oder erschienen, wie <a href="http://archive.org/details/3904797" target="_blank">dieses Buch</a>, in der stolzen Auflagen von 60.000 Exemplaren. In Geldern am Niederrhein erinnert heute noch <a href="http://maps.google.com/maps/place?ftid=0x47c761a230c2b929:0x4e42d6ea6965acd&amp;q=Henriette-Brey-Stra%C3%9Fe,+Geldern,+Deutschland&amp;hl=de&amp;ved=0CAwQ-gswAA&amp;sa=X&amp;ei=gH5YUZ6AM4rk8QOkkICYCA" target="_blank">eine Straße</a> an die einst berühmte, heute halb vergessene Tochter der Stadt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/achtmilliarden.wordpress.com/11771/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/achtmilliarden.wordpress.com/11771/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=achtmilliarden.wordpress.com&#038;blog=4042498&#038;post=11771&#038;subd=achtmilliarden&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">lang war die zeit, roman von henriette brey (foto cc nc by oskar piegsa)</media:title>
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