„Das Knurren der Panzer im Frühling“: Keine Rezension, sondern ein Brief an den Autor (& der antwortete jetzt im Kommentarfeld)

Abb. 1: Sebastian Christ (Jhg. 1981) ist Reporter, Afghanistanreisender, Buchautor
Lieber Sebastian,
vor mir liegt „Das Knurren der Panzer im Frühling“, die Sammlung Deiner Aufzeichnungen aus einem deutschen Krieg. In den vergangenen anderthalb oder zwei Jahren haben wir uns immer wieder über Deine Reisen nach Afghanistan unterhalten – und einmal auch über die Absagen, die Du für Deine auf eigene Faust recherchierten und unkonventionell erzählten Kriegsreportagen von mehreren Zeitschriften bekommen hast. (Ich nehme an, dass sich die verantwortlichen Redakteure vor Wut über ihre Fehlentscheidung inzwischen die Schneidezähne an der Schreibtischkante ausgebissen haben – liebe Praktikanten deutscher Großverlage: Sucht nach den Spuren!)
Jetzt ist Dein Buch erschienen, Du hast vor Bundeswehr-Soldaten und in Berliner Altbauwohnungen daraus gelesen und sogar die erste unfaire Amazon-Bewertung bekommen – herzlichen Glückwunsch!
Ich freue mich, dass sich langsam auch die „echten“, ernsteren Rezensionen mehren, im Deutschlandradio und anderswo. „Das Knurren der Panzer im Frühling“ ist ein Buch, das wahrgenommen und diskutiert werden sollte. Ich habe es gerne gelesen, mich aber dagegen entschieden, eine Rezension zu schreiben. Stattdessen hatte ich Dir angeboten, eine Rückmeldung per E-Mail zu schicken. Du fragtest daraufhin, ob ich meine Anmerkungen nicht bloggen könne – deshalb blogge ich jetzt ungefähr das, was ich sonst Dir persönlich geschrieben hätte. Das mag ein fauler Kompromiss sein, weil es einer Rezension nahe kommt, die ich doch aus Befangenheit vermeiden wollte. Aber: Sollte sich außer Dir noch jemand bemüßigt fühlen, das Folgende zu lesen, so ist jetzt offengelegt, dass es mit Vorsicht zu genießen ist. Ich bin noch voreingenommener als sonst.
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O du fröhliche Lana Del Ray/Bestenliste/Wallstreetbesetzung…

Spex #336 ab Freitag, 16. Dezember 2011, am Kiosk. Oder schon ein paar Tage früher im Briefkasten. Enthält mein Mark-Greif-Epos. Vorwort lesen hier (und, ja, ich weiß: Keith Gessen wurde festgenommen, nicht verhaftet – das war eine aufgeregt und hastig verfasste E-Mail, aus der mich die verehrten Kolleg(inn)en im Editorial zitierten…).
Netter Kuschelporno: Über die Premiere von „Hotel Desire“ in Berlin
Ob man sich an den Bildungsbürger, den Kommunisten, oder die Popfeministin hält – beim Stichwort Pornografie sind sie alle seltsam einig:
„Die Darstellung sexueller Vorgänge ist vom rein Körperlichen her (…) überhaupt kein Problem“, sagt Marcel Reich-Ranicki. „Den Partner aus Fleisch und Blut benutzen wir nur als Masturbationshilfe bei der Umsetzung unserer sexuellen Fantasien“, sagt Slavoj Zizek. Und Charlotte Roche, neulich in einer ZDF-Talkshow: „Ich finde, wenn man ein echtes Paar filmt, wenn es echten Sex hat, würde das ganz schön eklig aussehen.“
Soll heißen: Was die Körper beim Sex machen ist zweitrangig im Vergleich zu dem, was im Kopf passiert.
Einen Porno zu drehen, der zugleich erregend, authentisch und schön ist, dürfte demnach unmöglich sein.
Sergej Moya hat es freundlicherweise dennoch versucht. Gestern Abend hatte sein 40-minütiger (O-Ton Moya:) „porNEOgrafischer“ Film „Hotel Desire“ in Berlin Premiere, ich habe für Spiegel Online aufgeschrieben wie ich es fand: weniger schlimm als erwartet, aber auch eher unspektakulär. Meine Premierenberichtfilmrezension: hier.
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