Lars von Trier: Misogynie und Mimesis (und, klar, Nazi-Sprüche)
Video: Die Pressekonferenz, die zur Auslandung Lars von Triers aus Cannes führte
Das grausamste am Videomitschnitt der inzwischen legendären Nazi-Pressekonferenz von Lars von Trier ist, dass man die ganze Zeit Kirsten Dunst beim Leiden zusehen kann. Und dass diese Situation so etwas grauenhaft universelles hat. Heterosexuelle Frauen auf der ganzen Welt dürften sich mit Dunst identifizieren können. Denn dass sie sich in der Öffentlichkeit bisweilen an der Seite von Männern wiederfinden, die schneller reden als denken können und von dieser Fähigkeit eifrig Gebrauch machen, das, so zeigt es die Erfahrung (und leider auch: meine Selbstbeobachtung), kommt vor.
Was allerdings immer noch nicht die Frage beantwortet, ob Lars von Trier misogyn ist – oder bloß ein Meister der Mimesis.
(Übrigens: Spiegel-Online-Redakteur Andreas Borcholte beschreibt den Film “Melancholia”, der auf der Pressekonferenz promotet wurde, wie folgt: “Es sind alptraumhafte, in Zeitlupe gefilmte Bilder der Schauspielerin Kirsten Dunst in einem Hochzeitskleid, die von gummiartigem Wurzelwerk am Davonlaufen gehindert wird.” Klingt so, als hätte die Pressekonferenz doch ein ganz gutes Bild vom Film vermittelt.)
Dass von Trier ein, milde gesagt, komplexes Verhältnis zu Frauen hat, ist ja bekannt. Auch wenn es möglicherweise ein bisschen mit einer Hitchcockschen Möchtegern-Allmacht des Regisseurs zu tun hat, der seine Schauspielerinnen idealerweise verachtet, um die beste performance zu bekommen.
Aber das war ja hier gar nicht Thema, es ging lediglich um die Nazi-Provokationen von Triers. Die natürlich nur, so ist es nun mal in unserer Kultur, zum Eklat führen können. Jetzt ist er in der Mainstream-Presse wieder der irre Frauenhasser-Nazi, der mit seinen Filmen seine eigenen Komplexe therapiert. In seiner Tirade verpackt war aber, und das hat die Süddeutsche in ihrer aktuellen Wochenend-Ausgabe beschrieben, eine Art von ironischer Medienkritik, wenn auch eine plumpe, er sprach ja von der “Journalisten-Endlösung”.
Seine Intention war wohl auch wieder einmal ein Spiel mit der Presse – dummerweise wird das nie eines sein, das er gewinnen kann.
Fremdwörter über Fremdwörter – muss mal meinen Bildungsstand kontrollieren ;-)
Das Beispiel Lars von Triers lehrt: Wenn man sich schon undeutlich ausdrückt, dann besser richtig!
…also: richtig undeutlich. So dass niemand was versteht. Komplettes Unwissen beugt dem gefährlichen Halbwissen vor. Lieber Super-Krypto als Krypto-Nazi. Oder so.
Mir gefällt hieran am besten der Ausdruck “Nazi-Pressekonferenz”.