Anderswo (5): Kurzrezension zu Michael Stavaričs Roman »Brenntage«
Zu Beginn des dritten Kapitels von Michael Stavarics Roman »Brenntage« spekuliert der namenlose Ich-Erzähler darüber, schon vor Jahren die Seele verloren zu haben – und als Leser ertappt man sich dabei, ihm unbedingt beipflichten zu wollen.
Noch mehr Unmut angesichts eines affektierten und herzlosen Ich-Erzählers und seiner eigentlich doch gar nicht uninteressanten Umgebung: In der neuen Folge der »Romane des Monats« auf Spiegel Online.
Adele: »21« – Ein Album das stark beginnt, dann stark abfällt
Wenn sie rockt, rockt sie gut: »Rolling in the Deep«, die erste Single von Adeles neuem Album »21«
Seinen frühen Höhepunkt erreicht »21«, das heute veröffentlichte neue Album der britischen Sängerin Adele, schon beim zweiten Song »Rumour has it«. Da geht Adele mit ihrem untreuen Freund ins Gericht — und sobald der Song mit stampfendem Schlagzeug aufmarschiert und Adele mit einem Chor aus überirdisch-souligen Nebenklägerinnen das Verfahren eröffnet, bekomme ich vertretungshalber eine Gänsehaut.
Dann plötzlich, Stutzen: »She is half your age« singt Adele ihrem Typen zu Beginn der zweiten Strophe ins Gewissen und man fragt sich beim Hören unweigerlich: Adele, wie viel seines Alters bist du denn, so mit 22? Beziehungsweise: Hat Texter Ryan Tedder (bekannt als Sänger von OneRepublic) hier an seiner Interpretin vorbeigeschrieben, die nicht nur jung ist, sondern auch noch über ihre Jugend vermarktet wird (erstes Album: »19«, zwei Jahre später, zweites Album: »21«)?
Antwort: Nein! Denn, erstens, egal was uns wehleidige Jungs glauben machen wollen, die mit Gitarren auf Barhockern in Kneipenhinterzimmern rumsitzen, müssen Songtexte überhaupt nicht autobiografisch sein. Und zweitens, wenn man erst das überflüssige Wissen zur Person Adele Adkins abstreift, dann kauft man der Sängerin ihren Song und Text voll ab. Diese Stimme! Dieser Sound! So schön alt.
Schade nur, dass sich »21« nach der tollen Single »Rolling in the Deep« und dem noch besseren »Rumour has it« schnell in öder Perfektion totläuft und keine Überraschungen mehr bietet. Insbesondere die Balladen langweilen mich, was doppelt bedauerlich ist, weil Adele doch so gut rockt, wenn sie rockt. Der BBC-Kritiker Ian Wade schreibt in seiner glühenden Rezension über »21«: »After only a handful of plays, it feels like you’ve always known it.« Leider nicht erst nach »a handful of plays«. Und leider spricht das nicht für dieses Album.
Anderswo (4): Kurzrezension zu Paul Murrays Roman »Skippy stirbt«
Haben Meerjungfrauen Muschis? Kann man Fürze entflammen, ohne sich dabei den Po zu verbrennen? Und was muss man an Halloween in die Bowle kippen, um Mädchen willenlos zu machen?
…mehr zu diesen und anderen substanziellen Fragen in meinem Beitrag zu Paul Murrays famosem Buch »Skippy stirbt« in den »Romanen des Monats« auf Spiegel Online.
Anderswo (3): Was im vergangenen Jahr sonst noch geschah – Texte über Sprache, Trägheit, Reisen, Flirten, Bluffen, Pornos & Tea-Party-Pop

Abb.: So schön ist Van. (Foto: Claudius Schulze)
Solange es in den Straßen nach Schwarzpulver riecht und die Silvesterfeierei nachhallt, ist es hoffentlich noch nicht zu spät, um auf einige meiner hier noch nicht verlinkten Texte aus dem arbeitsamen Dezember 2010 hinzuweisen. Also:
- Aspirin sparen, indem man das Wort Schmerz abschafft? Sprach-Sachbücher erklären, was genau beim Reden und Lesen im Gehirn passiert – und produzieren mitunter genau das Gelaber, das sie anprangern. Weiterlesen auf Spiegel Online
- Runter von der Couch! In seinem Buch „Die Leichtigkeitslüge“ prangert Holger Noltze die Trägheit beim Kulturgenuss an. Und sagt im Interview: „Kultur muss wehtun dürfen.“ Weiterlesen auf Spiegel Online
- Ostanatolien ist eine touristisch unberührte Region. Jetzt soll die Gegend um die kurdisch geprägte Stadt Van und den türkis leuchtenden Vansee zu einem Reiseziel werden. Weiterlesen auf Zeit Online. Mehr Fotos, die Claudius Schulze in den vergangenen Jahren während unserer gemeinsamen Reisen nach Van gemacht hat, gibt es ebenfalls auf Zeit Online zu sehen
- Deutsche können nicht flirten, bemerkte der Franzose Alain-Xavier Wurst (kein Künstlername!), als er vor einigen Jahren aus Paris nach Hamburg zog. Er hat dann gleich mal ein Buch darüber geschrieben. Und fordert im Interview: „Deutsche, macht euch locker!“ Weiterlesen auf yaez.de
- Im Buch „A Hedonist’s Guide To Art“ denken Kritiker und Sammler über das Verhältnis von Kunst und Hedonismus nach. Ihre Vermutung: Bluffen und Posen sind in der Kunst-Branche ebenso wichtig wie an der Discotür. Weiterlesen auf Spiegel Online [Update, 5.1.2011: Link fixed]
- Die aktuelle Spex (Ausgabe #330, Januar/Februar 2011) kommt mit Beiträgen zu Tea-Party-Pop, Porno nach Post-Porno und Stillstand durch Technik. Zu lesen gibt’s die nur offline, hier aber immerhin das Cover und Inhaltsverzeichnis
Frohes Neues!
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