Marfa, Texas: Donald Judd, Y▲CHT & Kugelblitze in der Wüste (2009)
Video: YACHT – Summersong (vom Album »See Mystery Lights«, 2009)
2216 Kilometer Asphalt und sengend heißes Ödland liegen zwischen Austin, Texas und Los Angeles, Kalifornien. Immerhin zwei Tage Fahrzeit waren in Jona Bechtolts Tourplan für diese Strecke eingeplant, als er 2007 als Gründer und einziges Mitglied des Projekts Y▲CHT, das bislang bekannt war für alberne Texte und lustige Bleeps aus dem Laptop, allein mit seinem Auto durch die USA tingelte. Zwei Tage – genug für etwas Sightseeing im Niemandsland.
»Du musst in Marfa halten und die Lichter sehen, hatten sie mir in Austin gesagt«, erinnert sich Bechtolt: »Mir gefiel, dass das so mysteriös klang.« Also machte der heute 28-Jährige auf seinem Roadtrip einen Abstecher in die westtexanische Kleinstadt, die wohl vergessen wäre, hätte sich nicht der Minimalist Donald Judd (1928–1994) entschlossen hier, am Ende von Amerika, seine Kunst einzulagern. Und wären da nicht die Lichter, deretwegen Bechtolt kam: nächtliche, kugelblitzartige Erscheinungen, die bisher kein Wissenschaftler richtig erklären konnte. »Es war wunderschön«, sagt Bechtolt: »Heute gibt es ja für alles Antworten, jeder Mythos wird entlarvt – nur die Lichter von Marfa nicht.«
Am nächsten Tag traf er in Los Angeles auf Claire Evans, eine Musikerin und Wissenschaftsjournalistin, die dem einsamen Reisenden im Gespräch über seine Lichterscheinungen näher kam. Auch dies eine »life changing experience«: Y▲CHT sind nun ein Duo und Bechtolt und Evans ein Paar. All das hört man dem neuen Album »See Mystery Lights« nicht direkt an. Obwohl die beiden ihr Album in der Abgeschiedenheit und unter dem kosmischen Leuchten von Marfa aufnahmen, klingt es weder nach Wüste, noch nach UFO-Sichtungen. Stattdessen quirlt der Pop mit dem freundlichen Überschwang von Architecture in Helsinki und der Bass treibt wie bei James Murphy, der das Album prompt auf DFA veröffentlichte. Wo früher Jona mit seinem Laptop alleine war, singt jetzt Claire mit. Eine schöne Geschichte ist es trotzdem.
Der Text wurde erstmals veröffentlicht in Spex, Nov./Dez. 2010. Die Chinati Foundation, die den Nachlass von Donald Judd in Marfa betreut, wird ab Anfang 2011 von Thomas Kellein, dem bisherigen Direktor der Kunsthalle Bielefeld geleitet. Das YACHT-Album »See Mystery Lights« ist weiterhin reinhörenswert. Mehr über die Band: http://www.teamyacht.com/ Mehr über die Kunst: http://www.chinati.org/
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