Here’s something I don’t get about Sex in America
From left to right to Tom Wolfe, everybody seems to be bemoaning adolescent hook-up culture in the U.S. Fostered by the likes of »Girls Gone Wild« and challenged only by the visions of chastity brought forth by »High School Musical« and »Twilight«, the narrative goes, American popular culture endorses promiscuity — and wreaks havoc with fragile teenage minds. Alright.
However, if Debbie does Dallas and everybody else, why would there be the need for a women’s version of Viagra, a pill that’s being discussed right now?
Camille Paglia has an answer to that question. Popular culture, she argues in the »New York Times«, is marginalizing voluptuous bodies, casting a spell of neo-Puritan, desexualized adrogynity over the States, killing all erotic appetite. American popular culture endorses frigidity — and wreaks havoc with fragile Middle Class American minds.
Honestly, I don’t get this. Wouldn’t you think both notions are mutually exclusive?
»Hamburg Harley Days« — die netteste Ü40-Party der Stadt (2008)
Harleyfahrer: Bis Freitag dachte ich, dass die so gefährlich sind, wie das Motorradfahren selbst. Dass sie wild sind und gesetzlos und eine Spur aus Urin, Asche und Knochensplittern hinter sich herziehen. Dann war ich auf den Hamburg Harley Days. Und da haben die Harleyfahrer bloß ein paar leere Plastikbecher hinterlassen, sauber in Mülleimern entsorgt.
Die Hamburg Harley Days sind eines der größten Biker-Treffen Europas. Ein Wochenende dauert das Spektakel; von mehr als einer halben Millionen Besuchern und 75.000 anwesenden Motorrädern werden die Veranstalter anschließend sprechen. Der erste Motorradfahrer, den ich dort treffe, ist Karl-Heinz Meister. Seit 17 Jahren fährt der Pinneberger Harley. »Wir sind Rentner und fahren wenn wir Zeit haben. Und wir haben viel Zeit«, sagt er. Wir – sind das er und seine Rockerbande? »Nee, sowas gibt’s ja gar nicht. Ich fahre immer mit meiner Frau.« Andere Rentner sammeln Münzen, oder kümmern sich um den Hibiskus. Karl-Heinz Meister fährt Harley mit seiner Gattin. »Ich kauf’ mir ein Motorrad und einen Lederdress und fege durch die Gegend mit 110 PS, oho, oho, oho«, sang schon Udo Jürgens in dem Lied »Mit 66 Jahren« über seine Lebensabendsplanung. Aber Harley-Fahren – da ging’s doch mal um Outlaw-Ethos. Gibt’s den etwa nicht mehr?
Schon wieder einen Trend verpasst: Das schnelle Ende des Hipster Tri▲▲▲ngles

Abb. 1: Remix-Album der Noise-Band HEALTH, vorgestern veröffentlicht.
Aufgefallen ist es mir durch die exzessive Verwendung im Artwork der Band Y▲CHT, Pictureplane verwendet es auch, theoretisch hätte man es schon im Video zu »Seven Nation Army« von den White Stripes bemerken könne: Seit einiger Zeit stehen neben Christen und Verschwörungstheoretikern auch Indie- und Hipster-Zirkel (zumindest in den USA) schwer auf Dreiecke.
Siehe z.B. das Cover des soeben veröffentlichten Remix-Albums der Noise-Band HEALTH (Abb. 1), die Cover der bisherigen Veröffentlichungen der Band Truman Peyote (Abb. 2-3), das Design der ersten 7″ von Kisses, das Logo der Band White Ring… waren Musikblogs im vergangenen Jahr noch mit Bildern violetter Weltraumnebel verziert, sind heute Dreieck-Designs unvermeidbar.
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Lieblingslied des Tages: 8bit-Chillwave mit »Hans Kruger« von Kumon Plaza (&: kostenloser Download des Albums)

Abb.: Cover des (ausschließlich digital veröffentlichten) Debütalbums von Kumon Plaza.
Bestimmt ist der Polarforscher gemeint. Hans Krüger. Nicht der CDU-Politiker selben Namens, oder der SPD-Politiker, oder der anstrengende Berliner Komiker. Oder gar irgendein Emigrant, der seine Ü-Tüpfelchen aufgegeben hat. Sondern Hans Kurt Erich Krüger, der Grönlands Disko-Bucht (sic!) erforschte und seit März 1930 als verschollen gilt. Das jedenfalls wäre eine nette Geschichte für einen meiner aktuellen Lieblingssongs:
»Hans Kruger« von Kumon Plaza ist mit seinen panflötigen Synths, der gedämpften Bassdrum und dem Vogelgezwitscher ganz dicht an der Grenze zum Ambient-Kitsch. Erste Assoziation: Chillwave. (Und was ist das jetzt schon wieder?) Weil die Melodielinie des instrumentalen Stückes aber nicht von Harfen oder Geigen, sondern von einem Gameboy gespielt wird, kann man den Song guten Gewissens hören, würde ich sagen. Und wenn nicht: Na, dann ist der Track trotzdem schöön. Mit zwei »ö«.
»Hans Kruger« und »Cliff«, das hörenswerte Debütalbum des Kanadiers Dylan Khotin-Foote, alias Kumon Plaza, auf dem der Song enthalten ist, können kostenlos aus dem Netz geladen werden. Dort gibt es dann auch Lieder mit Titeln wie »Kiwi Island« und »Red Square« – als Gegengewicht zum Grönland-Song?
Download: »Cliff« von Kumon Plaza (auf Bandcamp.com)
Mehr: Kumon Plaza bei MySpace // Dylan Khotin-Foote bei Twitter
Spex #327, Juli/August 2010: Ab Freitag am Kiosk

Die neue Ausgabe des »Magazin für Popkultur«: Mit dem besten Menschtiercover seit der Animal-Collective-Titelgeschichte vor, ach, drei Jahren. Außerdem mit meinem Porträt des talentierten, tollen, wohlfrisierten Radiopoppers Darwin Deez und einem Einspalter zur queeren Elektropop-Band MEN, die es dringend live zu sehen gilt. Und: mit Popbriefing!
OK, und wer ist der junge Mann im Tierkostüm, der da unter den mäßig diszipliniert bewässerten Margeriten hervor lugt? Auflösung: Das Spex-Cover (scharf) und Inhaltsverzeichnis (vollständig) gibt’s hier. Und das Heft ab Freitag im Zeitschriftenhandel.
Gegen Meinungsspekulanten:
Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld.
Der frühere Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, kritisiert »plumpe Personalisierung + riskante Spekulation« im deutschen Politikjournalismus. Bemerkenswerter Kommentar, hier.
Hässliche Kunst (1): WordArt ist das neue Comic Sans MS…

Abb. 1: Poster, gesehen in Berlin-Mitte.
…und das erste was nach der Revolution abgeschafft wird, sind die bürgerlichen Geschmacksvorstellungen. Die Mischung aus Bad Taste und Militarismus könnte aber auch eine Hommage an die Artworks von M.I.A. sein. Da ist immerhin ein neues Album auf dem Weg und alle sind aufgeregt. Wann kommt das ClipArt-Revival?
Counterculture-Ikone Ken Kesey besucht mit Anfang 30 sein erstes Rock-Konzert …und findet es fürchterlich
„Hell,“ thinks Mountain Girl. „I have to come here with a bunch of old men who never saw a rock’n'roll show before.“
Ken Kesey war kein Beatles-Fan. Okay, eine oder mehrere Platten der Band hörte er sich schon an. Aber sein erstes Beatles-Konzert verließ der Schriftsteller und LSD-Pionier fluchtartig. Nicht nur, dass Kesey die Show nicht gefiel: Sie löste einen Horrortrip bei ihm aus. Im Acid-Rausch erschien ihm die Konzerthalle als Konzentrationslager und das Publikum als riesiger Krebs, dessen Kopf die Band war und der ihm bedrohlich nahe kam…
So zumindest schildert es Tom Wolfe in seinem Reportagebuch The Electric Kool-Aid Acid Test. Eine Erklärung liefert der Reporter gleich mit: Kesey hatte nie zuvor ein Rock-Konzert besucht und hatte offenbar keine Ahnung, was ihn erwartet. Kesey war zu diesem Zeitpunkt 30 oder 31 Jahre alt, hatte bereits mit den berüchtigten Hells Angels gefeiert und kann Wolfe zufolge als Ein-Mann-Keimzelle der LSD/Hippie-Subkultur an der amerikanischen Westküste betrachtet werden. Eine Ikone der amerikanischen Gegenkultur. Aber mit Ü30 zum allerersten Mal auf einem Live-Konzert.
Unvorstellbar, eigentlich, wie wenig selbstverständlich und präsent die Präsentationsformen von Rock’n'Roll (heute die alltäglichste Sache der Welt) im Jahr 1965 offenbar noch waren.
PS: Immerhin — bald nach dem Beatles-Konzert begann Kesey mit The Grateful Dead zusammenzuarbeiten. Dem Rock’n'Roll verloren gegangen ist er also keineswegs. Acidrock-Exzesse behagten ihm wohl einfach mehr als ekstatische Teenies.

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