Pat Jordan, 68, reports from Spring Break in Daytona Beach
I sat at a table near the bar and eyeballed the kids. I had never seen so many fat girls, covered in tats, in bikinis, who thought they were so hot. [...] These kids all had a sense of entitlement, but for what? Their youth? That was it? They were young and others weren’t. They better enjoy it while they can because it won’t last. Or maybe it does last these days. Adolescence on into their thirties. The Adolescencing (is that a word?) of America.
I don’t want to say Norman Mailer or Hunter S. Thompson (or maybe I do), but Pat Jordan’s report on Spring Break debauchery in Daytona Beach, Florida, is some serious writing, New Journalism-style. By which I mean it’s hilarious. And fearless. And smart. It’s published as a three-part installment over at Deadspin, called »Down and Out in Daytona Beach«. Did I mention Pat Jordan is 68 years old? Click for part one, part two, part three.
Lee Daniels Film »Precious« und amerikanische Sozialpolitik
Trailer zu »Precious«. (Bitte den penetranten R&B-Soundtrack ignorieren, der im Film nicht vorkommt.)
Ich habe gestern Abend Lee Daniels Film »Precious« gesehen (läuft in Hamburg OmU im Abaton) und, ja, es lohnt sich. »Precious« erzählt die Geschichte der 16-Jährigen C. Precious Jones, die in einer in jeder Hinsicht dysfunktionalen Familie aufwächst. Barbara Schweizerhof, die den Film für Spex rezensiert, schreibt:
Precious ist nicht ›nur‹ übergewichtig, schwarz und vom eigenen Vater schwanger, sie wird auch von der eigenen Mutter gedemütigt, geschlagen und missbraucht, kann weder lesen noch schreiben, hat bereits mit zwölf Jahren ein Kind mit Downsyndrom zur Welt gebracht, ebenfalls gezeugt vom drogensüchtigen Vater, der sie zudem, fast ahnt man es schon, mit HIV infiziert hat. Dabei liegt der eigentliche Horror, der von diesem Film ausgeht, in der bündigen Darlegung, wie eng all diese Elendserscheinungen zusammenhängen, wie sich das eine aus dem anderen ergibt, Missbrauch und Lernstörungen, Selbsthass und Übergewicht, Drogensucht, Inzest und Krankheit.
Eine wichtige Figur für den Film ist Precious Mutter Mary, die abgebrüht und kontrolliert auftritt, wenn es sein muss (zum Beispiel, wenn die Dame vom Sozialamt zu Besuch kommt), ansonsten aber, wie Barbara Schweizerhof schreibt, die Klischees, die Ronald Reagan und andere einst vom Typus der »Welfare Queen« entwarfen, noch übertrifft. Unterstützt durch staatliche Sozialhilfe lässt Mary sich gehen und terrorisiert ihre Tochter auf jede erdenkliche Weise — auch deshalb, weil sie Precious die Schuld dafür gibt, seit Jahren kontinuierlich von ihrem Vater vergewaltigt worden zu sein, einem Mann, der doch Mary begehren sollte und nicht die eigene Tochter.
Das Drehbuch des Filmes basiert nicht auf einer »wahren Geschichte«, sondern auf dem Roman »Push« der Schriftstellerin Sapphire — aber dennoch dürfte es vielen Zuschauern schwerfallen, »Precious« als von der Realität gänzlich isolierte Fiktion zu betrachten. Mir geht es zumindest so, denn seit ich »Precious« gesehen habe, frage ich mich, wie die Handlung wohl verlaufen wäre, würde sie nicht 1987 spielen, sondern zehn Jahre später — oder heute.
(weiterlesen…)
»Denken Sie drüber nach!« — leere Spalten und ein lächelnder Autor

Abb. 1: Eine Seite aus der Mopo, leider schlecht fotografiert (Handykamera und so)
Ein Layout-Fehler in der heutigen Ausgabe der Hamburger Mopo: Da wurde wohl vergessen, die Kommentarspalte vor Drucklegung noch mit Wörtern zu befüllen.
Vielleicht ist das aber auch ein Experiment: Wieso nicht mal einen Kommentar ganz ohne Text schreiben? Einfach nur Schlagzeile plus Autorenfoto — manchmal reicht das ja. Und der Medienkrise könnte man auch recht elegant begegnen, in dem man weiße Zeitungsseiten verkauft, mit der Überschrift »Platz für Ihre Gedanken«.
»Bedienender Bediener«: Ein anregender Kommentar, mit dem man erstmal ganz gut bedient ist. (Kommt aber leider einen Tag zu spät um noch ‘nen Lead Award abzustauben…)
Tony Judt on sex/ism:
We—the left, academics, teachers—have abandoned politics to those for whom actual power is far more interesting than its metaphorical implications. Political correctness, gender politics, and above all hypersensitivity to wounded sentiments (as though there were a right not to be offended): this will be our legacy.
Historian Tony Judt talks about his lovelife — and lashes out against identity politics as Puritanism without »sound theological basis.« If nothing else, it makes for quite a read. c/o New York Review of Book’s blog (via).
Yaez, Die neue:

Meine Lobhudelei aufs Radio — wie angekündigt — ist ab sofort in der an allen Schulen ausliegenden Jugendzeitung Yaez, oder hier im Netz nachzulesen.
»Dance-Punk’s not dead!« — Not Squares’ »Asylum« makes cowbells fun again
square: A person scorned because he is not in the know or, esp., not cognizant of, wise to, or aware of the modern interests, activities, groups, fashions, or fads which the speaker considers vital; (…) one who is not aware of, or has no, or is probably incapable of feeling, sympathy toward or appreciation or understanding of bop and, later, cool and far-out music, or of bop, cool, far-out and beat attitudes and fashions; one who is not, and is incapable of being hip
super-square: A person who reads, and/or appreciates, and/or prefers over Urban Dictionary, and/or is sincerely entertained by, antiquated Pocket Dictionaries of American Slang (1960).
Back when Ronald Reagan wore revolutionary garments:

The funnest thing about browsing the LIFE magazine archive at Google Books is checking out old ads. Above is Ronald Reagan endorsing shirts with wrinkle-free collars for Christmas. He, too, looks rather wrinkle-free, which isn’t too surprising given that this ad is from 1953, about ten years before his political career started, at a time when he possibly hadn’t even completed his transformation from New Deal Democrat to full-blown conservative.
Die »Latte Macchiatisierung« aller politischen Diskurse, oder: Notizen zur transatlantischen Kulturgeschichte des Einwegkaffees [Up'd]

Abb. 1: Exemplarische Kaffeetrinker (Photo by SanFranAnnie, via, CC-BY-SAN)
Starbucks war das Symbol der Nullerjahre. Zahlreiche Diskussionen um die »Schöne Neue Welt, ca. 2000–2009« ließen sich mit dem Unternehmen illustrieren (und Zeitgeist-Bücher natürlich auch):
In Deutschland war da einerseits die Idee, dass man als junger Kreativer keinen festen Arbeitsplatz und kein Anstellungsverhältnis mehr bräuchte, solange nur ein Milchkaffee und WLAN-Zugang in der Nähe sind. Die »digitale Bohème« arbeitete angeblich nicht mehr im Büro, sondern im Café. Andererseits wurde der Pappbecher zum Chiffre für die Gentrifizierungs- und Privatisierungskampagnen des ehemals öffentlichen Raums. In einem Interview über Stadtaufwertungsprozesse in Hamburg sagte Christoph Schäfer:
In dem Moment, als die Leute anfingen, mit dem Pappbecher in der Hand durch die Straße zu gehen, hat sich die Art und Weise verändert, in der man die Stadt benutzt. Das hat in diesen schicken neuen Zonen etwas von einem Berechtigungsschein: Du konsumierst im öffentlichen Raum, du darfst da sein.
In Amerika galt Starbucks Konservativen derweil lange als Symbol europäisierten, effeminierten, linksliberalen, urbanen und auch sonst schlichtweg teuflischen Ostküsten-Snobbismus (nachzulesen etwa bei Thomas Frank). Trotzdem konnte sich der Macht (oder: den verlockenden Gewinn-Margen) der »Lattes« kaum ein Gastro-Unternehmen entziehen. In einem wunderbar paradoxen Schachzug führte etwa Dunkin’ Donuts mitten im verlängerten Vorwahlkampf der Demokraten 2008 eigene »Lattes« ein.
»Oh, my God, you’re my totally fucking, like, favorite [slave]«, sagte Martha Washington, sagte Jen Kirkman, betrunken
Es gibt Ideen, die kann man gar nicht oft genug feiern. Zum Beispiel Derek Waters Videoserie »Drunk History«, in der Betrunkene ihre Lieblingsanekdoten aus der amerikanischen Geschichte erzählen und Schauspieler die erzählten Szenen parallel nachstellen.
Ein Mensch namens Eric Falconer erklärt nach acht Wodka-Cranberry, warum Benjamin Franklins Sohn ein Arsch war. Mark Gagliardi erzählt nach einer Flasche Scotch, wie Alexander Hamilton im 18. Jahrhundert per Handy seine Familie anrief. Und Jen Kirkman (s. Video oben) offenbart nach anderthalb Flaschen Wein, dass der Wortschatz von George Washingtons Ehefrau erstaunlich deckungsgleich war mit dem einer, na ja, betrunkenen 30-something im 21. Jahrhundert.
Da könnte man jetzt ins Nachdenken kommen: Inwieweit bestimmen die Persönlichkeiten (und die persönlichen Grenzen) von Historikern unsere Wahrnehmung der Vergangenheit? Wie belastbar sind vermeintlich historische Fakten? Wie stark wird »Geschichte« durch den Prozess der »Geschichtsschreibung« erzeugt und/oder verzerrt?
Oder man könnte sich sehr gut amüsieren.
[Wiederentdeckt via USIH // Ein Gespräch mit Derek Waters gibt es bei Sound of Young America]
VisualLeaders 2010 & GuteSeiten-Magazin-Messe: Ab sofort kleine, große und gute Zeitschriften lesen gehen in Hamburg

Abb. 1: Sie können auch anders. Der Werbeflyer der GuteSeiten-Leute.
Viele Magazine gelesen und viel über Magazine geredet, in den letzten Tagen… aber, oh, es wird noch mehr: Kommende Woche, am Freitag, 12. März, eröffnet in den Deichtorhallen in Hamburg (Deichtorstraße 1–2) die Ausstellung VisualLeaders 2010, bei der die schönsten Magazine von Gruner+Jahr Deutschlands ausgestellt werden. Auf der Internetseite der Deichtorhallen heißt es zudem: »Am Di/Mi/Do 23./24./25.3.2010 ist vormittags wieder ein Symposium geplant.« Infos soll es dazu demnächst bei den Veranstaltern von der LeadAcademy geben und wenn es nur annähernd so gut wird, wie im vergangenen Jahr, dann wird es sehr gut.
Dissidenz von unten kündigt sich dieses Jahr durch die guten Menschen von GuteSeiten an, die unter anderem den bereits erwähnten Indie-Magazine-Kiosk in der Art Lawyer Gallery an der S-Königsstraße in Altona betreiben. Ab sofort, bis Sonntag, 14. März (es gibt also drei Tage Überschneidung mit den VisualLeaders, so dass man direkt vergleichen kann) stellt GuteSeiten direkt gegenüber der Deichtorhallen, im Kunstverein Hamburg (Klosterwall 23) täglich von 12 bis 18 Uhr Magazine in Kleinstauflagen vor, die vor Ort auch gelesen werden können.
Angekündigt sind Maga- und Fanzines aus den Bereichen Kunst, Fotografie, Comic, Illustration, Design, Architektur, Urbanismus und Erotik. (Äh, »Erotik«? Traut man sich als junger Mensch nicht »Porno« zu sagen?) Der Eintritt ist frei, mehr Infos zu Ausstellung & Begleitprogramm gibt es hier und hier.
Und nächstes Jahre lernen wir dann noch, wo sich auf der Tastatur die Leertaste befindet…
Einen Kommentar schreiben