Musik, Gehirne, Identität, Digitalien: Interview mit dem Neurologen Oliver Sacks
Über den Einfluss von Musik aufs Hirn schreibt Neurologe Oliver Sacks in einem Buch — und gibt eine Schnelleinführung zu einigen Fragestellungen im Interview mit Harper’s. Neben der dort nachzulesenden Diskussion der Möglichkeit einer musikalischen Umerziehung à la “A Clockwork Orange”, hier zwei Denkanstöße: erstens zur Rolle von Musik in der Ausbildung (kollektiver) Identität, die mich u.a. im Zusammenhang mit der Rolle der Musik in der Herausbildung subkultureller Gruppenidentitäten (und der womöglichen Wegentwicklung von der musikbasierten Sub-/Jugendkultur?) interessiert…
Sharing music is one of the most powerful ways humans bond together, and this has obvious survival value. We still use music in this way, to come together in singing religious songs, holiday music, national anthems, protest songs, even “Happy Birthday.”
…und zweitens eine musikologische Variante der “Is Google making us stoopid?”-Frage: die unterstellte Ausweitung unseres Wissens im Vergleich zu früheren Generationen, bei gleichzeitiger “Abflachung”.
[O]ur exposure to different types of music, and hence our musical literacy, has certainly expanded, but perhaps at a cost. As Daniel Levitin has pointed out, passive listening has largely replaced active music-making. Now that we can listen to anything we like on our iPods, we have less motivation to go to concerts or churches or synagogues, less occasion to sing together. This is unfortunate, because music-making engages much more of our brains than simply listening.
Hier würden mich insb. die Unterschiede zwischen dem klassischen “Musik machen” (aka.: Luft in Schwingung zu bringen um so konsertierten Verständnissen von Wohlklang zu entsprechen) und dem Generation-iPod-mäßigeren “Musik bearbeiten” (aka. in DJ-Sets und Mixtapes arrangieren, samplen, remixen, Karaoke) interessieren. Sind die notwendigen Fähigkeiten vergleichbar? Gar nicht? Was ändert sich, wenn wir uns weiterhin intensiv mit Musik beschäftigen und Musik kreieren, aber eben nicht mehr körperlich?
[Interview-Link gefunden bei Andrew Sullivan]
[...] „Musical Minds“: Eine amerikanische TV-Doku erzählt unglaubliche Geschichten über Musik und Neurologie Veröffentlicht in rest von oskar am 18. November 2009 Derek Paravicini kann Zahlen über zehn nur mit Mühe zählen, Lieder aber nach einmaligem Hören auf dem Klavier nachspielen. Anne Barker kommt aus einer musikalischen Familie, ist aber nicht in der Lage, Melodien zu hören. Und Tony Cicoria interessierte sich nicht besonders für klassische Musik — bis er vom Blitz getroffen wurde und seitdem rege komponiert. „Musical Minds“, ein TV-Dokumentarfilm des amerikanischen Public Broadcasting System, erzählt nahezu unglaubliche Geschichten darüber, was Musik mit unseren Gehirne machen, unsere Gehirne mit Musik — oder nicht. Mit Kommentaren des Neurologen Oliver Sacks. [...]