2009 ist nicht 1929. Also, allein musikalisch schon nicht. Woody Guthrie und Dan Costello, Freight Trains und die DB.

Abb. 1: 2009, vertont von Dan Costello.
Die Bahn hat Pressemeldungen dementiert, laut denen Passagiere ohne gültigen Fahrschein nun schon bei der ersten Kontrolle angezeigt werden sollten. Und ich dachte schon, die hätten angesichts der Wirtschaftskrise Angst vor bevorstehenden Verhältnissen wie in den USA der 1930er Jahre.
Die damals gängige Praxis, mangels Geld oder anderer Transportmittel auf der Suche nach Arbeit illegal Güterzüge zu besteigen und ebenso kostenfrei wie unkomfortabel zu reisen, feiert auch auf der anderen Seite des großen Teichs offenbar noch kein Revival. In den Medien kam das Unterwegssein als Hobo in den Jahren vor der Krise eher als Hobby sinnsuchender Mittelstandskids vor (LA Weekly nannte sie 2002 die “Hobohemians” & die Freighthopping-Doku von VBS.tv hatte ich hier ja schon mal empfohlen) und seitdem habe ich dazu auch noch nichts Gegenteiliges gelesen.
Vielleicht ist das ein weiteres Indiz dafür, dass es eher von einer sprachlichen Krise zeugt, wenn man von der, die gerade Karstadt und Opel und internationale Staatshaushalte zu verschlingen droht(e) als der “größten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren” spricht, wie es etwa die geschätzten Propagandisten der Grünen gerade tun. “Größte Krise”, mag ja sein, aber was bedeutet das denn bitte konkret? Oder, mit Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer gefragt: Schlimmste Krise aller Zeiten? Ich seh’ gar keine Trümmerfrauen?!
“times have been harder. we re sissis”, kommentiert dann auch prompt ein User unter diesem Video, in dem Woody Guthrie die gute alte Zeit besingt:
Abb. 2: 1929, vertont von Woody Guthrie.
Auch die aktuelle Krise wird aber ganz charmant besungen, auf dem Themenalbum “Recession Songs” von Dan Costello, der dem Ganzen ebenfalls eine positive Seite abgewinnt: wer durch akuten Geldmangel gezwungen ist, sich die Haare selbst zu schneiden, der kommt mit seiner unfreiwillig asymmetrischen Frisur bei den Hipstern in Brooklyn garantiert besser an. Costellos Album steht — auch das ist gut — zum rezessions- und inflationssicheren Preis von $0 hier zum Download (Zip-Datei).
Demnächst will der Mann nach Europa kommen, dann werden sich hoffentlich Gelegenheiten bieten, ihm etwas Trink- und Haarschneidegeld in den Hut zu werfen. Das oben gezeigte Cover-Artwork stammt übrigens, ebenso wie der Hinweis auf die Platte, von Piwi. Und jetzt bitte nicht vergessen, krisenmäßig rumzumäkeln und mitzusingen: “Hey Mister, where’s my bail-out? Give me a bonus, Mister, you gave one to AIG!”
PS: Wo wir gerade bei guter Musik zur schlechten Stimmung sind, sei erneut auf den bemerkenswerten Schweinegrippe-Song von The Streets hingewiesen und auf den noch besseren Schweinegrippe-Song mit Putnam Pig.
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