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Bud-Bashing, Umsatzkrise, sanftmütige Juroren: Heute ist ein schlechter Tag für Bier.

Veröffentlicht in amerika, deutschland von oskar piegsa am 31. Juli 2009

Gestern Abend traf sich Pres. Barack Obama mit Prof. Henry Louis Gates und Sgt. James Crowley auf ein Versöhnungsbier, um die Erinnerung daran zu betäuben, dass der Sgt. den Prof. in dessen Haus verhaftete und der Pres. den Sgt. dafür beschimpfte und sich am Ende alle gegenseitig unglücklich gemacht haben.

Laut Presse-Vorankündigung entschied sich Obama, der dem Einvernehmen nach privat lieber Wein trinkt, zu diesem Anlass für ein Bud Light. (Eine Getränk, das vorrangig für Beer Pong geeignet ist, und wahrscheinlich deshalb soviel Erfolg hat. Immerhin teilt Bud Light insofern die grundlegenden Eigenschaften vergleichbarer Getränke, als dass es in der Lage ist bei Minusgraden zu gefrieren). Die Kaltgetränke-Snobs von der Village Voice halten die Bud-Wahl für Populismus. Unnötigen Populismus, wie man bei Slate in einem Artikel zur politischen Bierkunde zeigt, weil sich selbst der Prof. und der Sgt. für höherpreisige und offenkundig europäischere Bräue entschieden. Dem Anruf von The Atlantic, flammende Plädoyers zur Verteidigung von Bud Light zu verfassen, kamen gerade mal zehn (!) Kommenatoren nach. Darunter auch kritische Einschätzungen wie:

Ugh. Bud Light? Really? My sister in law was in town last weekend and Bud Light is the only beer she would drink. She also put ketchup on her steak after insisting that it be cooked to the point that there was „no pink in the middle! I don’t want it to ‘moo’ at me!“

Zeitgleich machen hierzulande Dosenpfand, Rauchverbot und ein mieser Sommer den Brauereien so zu schaffen („Rekordtief“!), dass selbst die Damen und Herren von Ökotest aus Mitleid beide Augen zu drücken („Wahrsteiner“ und „Veltins“ sind „sehr gut“? Yeah, right.).

Mir scheint, heute ist ein schlechter Tag für Bier. Und das ausgerechnet an einem Freitag!

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2009 ist nicht 1929. Also, allein musikalisch schon nicht. Woody Guthrie und Dan Costello, Freight Trains und die DB.

Veröffentlicht in amerika, deutschland, popkultur von oskar piegsa am 29. Juli 2009

recessionsongsfrontweb

Abb. 1: 2009, vertont von Dan Costello.

Die Bahn hat Pressemeldungen dementiert, laut denen Passagiere ohne gültigen Fahrschein nun schon bei der ersten Kontrolle angezeigt werden sollten. Und ich dachte schon, die hätten angesichts der Wirtschaftskrise Angst vor bevorstehenden Verhältnissen wie in den USA der 1930er Jahre.

Die damals gängige Praxis, mangels Geld oder anderer Transportmittel auf der Suche nach Arbeit illegal Güterzüge zu besteigen und ebenso kostenfrei wie unkomfortabel zu reisen, feiert auch auf der anderen Seite des großen Teichs offenbar noch kein Revival. In den Medien kam das Unterwegssein als Hobo in den Jahren vor der Krise eher als Hobby sinnsuchender Mittelstandskids vor (LA Weekly nannte sie 2002 die „Hobohemians“ & die Freighthopping-Doku von VBS.tv hatte ich hier ja schon mal empfohlen) und seitdem habe ich dazu auch noch nichts Gegenteiliges gelesen.

Vielleicht ist das ein weiteres Indiz dafür, dass es eher von einer sprachlichen Krise zeugt, wenn man von der, die gerade Karstadt und Opel und internationale Staatshaushalte zu verschlingen droht(e) als der „größten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren“ spricht, wie es etwa die geschätzten Propagandisten der Grünen gerade tun. „Größte Krise“, mag ja sein, aber was bedeutet das denn bitte konkret? Oder, mit Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer gefragt: Schlimmste Krise aller Zeiten? Ich seh’ gar keine Trümmerfrauen?!

„times have been harder. we re sissis“, kommentiert dann auch prompt ein User unter diesem Video, in dem Woody Guthrie die gute alte Zeit besingt:

Abb. 2: 1929, vertont von Woody Guthrie.

Auch die aktuelle Krise wird aber ganz charmant besungen, auf dem Themenalbum „Recession Songs“ von Dan Costello, der dem Ganzen ebenfalls eine positive Seite abgewinnt: wer durch akuten Geldmangel gezwungen ist, sich die Haare selbst zu schneiden, der kommt mit seiner unfreiwillig asymmetrischen Frisur bei den Hipstern in Brooklyn garantiert besser an. Costellos Album steht — auch das ist gut — zum rezessions- und inflationssicheren Preis von $0 hier zum Download (Zip-Datei).

Demnächst will der Mann nach Europa kommen, dann werden sich hoffentlich Gelegenheiten bieten, ihm etwas Trink- und Haarschneidegeld in den Hut zu werfen. Das oben gezeigte Cover-Artwork stammt übrigens, ebenso wie der Hinweis auf die Platte, von Piwi. Und jetzt bitte nicht vergessen, krisenmäßig rumzumäkeln und mitzusingen: „Hey Mister, where’s my bail-out? Give me a bonus, Mister, you gave one to AIG!“

PS: Wo wir gerade bei guter Musik zur schlechten Stimmung sind, sei erneut auf den bemerkenswerten Schweinegrippe-Song von The Streets hingewiesen und auf den noch besseren Schweinegrippe-Song mit Putnam Pig.

Rock And Wrestling 2009: Diesen Freitag im Hafenklang.

Veröffentlicht in hamburg von oskar piegsa am 21. Juli 2009

Das Rock And Wrestling 2008 war womöglich die beste Hamburg-Veranstaltung des vergangenen Jahres. Diesen Freitag folgt das Rock And Wrestling 2009. Erfahrungsgemäß sollten die Karten jetzt schon ausverkauft sein. Mir egal, denn ich habe mich für eine Nachschicht mit Schreibtisch-Präsenzpflicht einplanen lassen. So blöd muss man erstmal sein. Mehr Infos auf der Website des Veranstaltungsortes Hafenklang. Meine Rückschau auf das letzte Jahr gibt es hier.

Unverschämtheit des Tages (2):

Veröffentlicht in medien von oskar piegsa am 21. Juli 2009

Aus einer E-Mail-Ausschreibung:

Die XXXXXXX Zeitung bietet jungen Journalisten im Rahmen eines Redaktionspraktikums die Möglichkeit, Berufserfahrungen [...] zu sammeln und erhofft sich davon auch eine Unterstützung bei der täglichen Arbeit. Deshalb werden von den Bewerbern solide praktische Erfahrungen in der Tageszeitungsarbeit (abgeschlossenes Volontariat und/oder mehrjährige Tätigkeit als fest-freier Mitarbeiter für Tageszeitungen) [...] erwartet.

Schön, dass fertig ausgebildeten Journalisten mit mehrjähriger Berufserfahrung hier die Möglichkeit geboten wird Berufserfahrung zu sammeln. Noch mehr Schamlosigkeit hier.

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