Quote for Today (6): Stranger Than Fiction
Journalist Neil Strauss on calling up a death cult to spend New Year’s Eve with them:
The great thing about real life is that it will always surprise you. Nothing ever turns out the way you expect. I suppose that’s why I write nonfiction. If this were a movie, the organization would already have traced my number, bugged my phone, and kidnapped my brother. Instead, I was being transferred to the publicist and media relations executive for a death cult.
Taken from „Emergency — This Book Will Save Your Life“, New York: Harper 2009, p. 25.
You're a Novice to Public Dissent? Or Satire? Christopher Hitchens and Jon Stewart recommend: Cut (through) the Crap!
In „Letters to a Young Contrarian“, his guideline for those practicing the art of public dissent, commentator and essayist Christopher Hitchens explained the role of the public intellectual in (post-) modern society as follows:
[T]he job of supposed intellectuals is to combat oversimplification or reductionism and to say, well, actually it’s more complex than that. At least, that’s part of the job. However, you must have noticed how often certain „complexities“ are introduced as a means ob obfuscation. Here it becomes necessary to [...] proclaim that, actually, things are less complicated than they appear.
In the current issue of Sojourners Magazine (you’ll need to sign-up to be able to read the piece, however it’s free of charge), satirist Jon Stewart argues likewise:
Tell the truth and let the chips fall where they may. Too often the role of government and corporations is to obscure their real argument, and we feel like the role of media and the role of editorial authorship is to re-clarify those things.
„Tell it like it is“ — that’s all there is to brilliant political commentary? I’m sure things must be just a little more complicated… or should I say: obfusciated and obscure?
Bundestagswahlkampf der Union: Internetverbot für Raubkopierer und/oder DSL für alle?
Kai Biermann hat den Entwurf des Wahlprogramms der Unionsparteien gelesen und schreibt auf Zeit Online über die Netzpolitik von CDU/CSU das Folgende:
„Wir möchten nach britischem und französischem Vorbild Rechtsverletzungen effektiv unterbinden, indem die Vermittler von Internetzugängen Rechtsverletzer verwarnen und nötigenfalls ihre Zugänge sperren“, schreibt die Union. Das ist das sogenannte „Three-Strikes“-Modell: Wer illegal Musik tauscht oder Software herunterlädt, dem sollen die Provider den Netzzugang sperren dürfen. Das oberste französische Verfassungsgericht hat ein entsprechendes Gesetz gerade gestoppt, da es gegen Grundrechte verstieß. Trotzdem nennt es die Union explizit als Vorbild.
Hm. Neulich hieß es noch auf CDU.de:
Die CDU will eine flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen erreichen. Jedermann müsse Internet und E-Mail nutzen können, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der MediaNight 2009 am Dienstag in Berlin. Der Zugang zu den elektronischen Medien sei heute genauso wichtig wie ein Wasser- oder Stromanschluss.
[ZOn-Artikel via Nerdcore]
Recommended Reading: How the "War on Drugs" turned into a "War without Borders" (Foreign Policy/NYT)
Earlier this year, Foreign Policy magazine published a piece on the deteriorating state of affairs in Mexico. South of the US border, drug-related violence escalates, prompting the editors to add Mexico to their list of the „axis of upheaval“ — along with states like post-credit-crunch Russia and Somalia –, their thesis being that unstable and failing states are the biggest challenge to international security today.
Now the New York Times follows suit and publishes a series on what they call the „War without Borders“, spill-over effects of Mexican drug rule. Today’s remarkable piece is about American teenagers who sign up as killers for Mexican cartels. The author’s conclusion:
In the minds of many Americans, the Rio Grande divides Mexico, a corrupt land where drug cartels often seem to have the upper hand, from the United States, a nation of law and order, where the authorities try to keep criminal gangs in check.
But the reality on the border is much more complex. The Mexican drug cartels recruit young men from both countries and operate their smuggling and murder-for-hire rings on both sides of the divide, though under slightly different rules of engagement.
The market dynamics go as follows: Americans provide cash and weapons (Mexico’s gun laws are stricter than those of Texas where according to the NYT gun stores flourish around the Southern border). And Mexicans provide marijuana and meth from their own farms and laboratories, and cocaine from South America. It’s not a new phenomenon, but apparently one that’s getting more and more out of hand. As Sam Quinones wrote in Foreign Policy:
[In Mexico, 2008 ended] with a body count of more than 5,300 dead. That’s almost double the death toll from the year before—and more than all the U.S. troops killed in Iraq since that war began.
Unverschämtheit des Tages:
Der Hausbesitzer besteht auf eine Courtage von 1300 EUR.
…aus einer Wohnungsanzeige. Entschuldigung, ist eine Courtage nicht per Definition eine Maklergebühr?!
Eine Frage der Ehre: Weshalb das Thema der Jugendmedientage 2009 ausgerechnet "Ethik in den Medien" ist*
Seit den letzten Jugendmedientagen (JMT) im Herbst 2008 ist die Wirtschaftskrise auch in der Medienbranche angekommen. Eindrucksvoll zeigt das die Masse der Zeitschriften, die seitdem in Deutschland eingestellt wurden – Park Avenue, Vanity Fair, Maxim, Amica und Galore sind nur die namhaftesten unter ihnen. In den USA, die oft als Trendbarometer für Europa gelten, gehen bereits regionale Tageszeitungen pleite. Und selbst die New York Times, das internationale Aushängeschild für seriösen Journalismus, strauchelt.
Optimisten wie der Medienprofessor und Blogger Jeff Jarvis verkünden zwar goldene Zeiten für den Journalismus im Internet. Doch die Einstellung mehrerer ambitionierter Online-Medien zeigt, dass es zumindest in Deutschland noch nicht so weit ist. Zuender, Zoomer, Medienlese und Rivva.de sind hier die Todesfälle der letzten Monate. Andere Redaktionen, von Agenturen, Print- und Online-Medien, wurden verkleinert, fusioniert oder in neue Städte verlegt – mit allen Konsequenzen, die das für Freunde und Familien der Mitarbeiter hat.
Parallel zu diesen wirtschaftlichen Verwerfungen tobt ein Kulturkrieg um das Internet. Blogger sind genervt, dass „die Journalisten“ es einfach nicht schnallen. Journalisten sind genervt, dass „die Blogger“ alles besser wissen. Und altgediegene Reporter, die zu Beginn ihrer Laufbahn noch auf Schreibmaschinen tippten, sehen sich mit Twitter, Google und Social Networks konfrontiert und müssen aushalten, für ihre Artikel von Leuten mit Namen wie MissPiggy82 oder LoverboyXXL per Kommentarfunktion öffentlich behelligt und beschimpft zu werden.
Während sich diese Ü30-Probleme in Form von Zukunftsangst und Praktika-Warteschleifen auch bei uns, dem Nachwuchs, bemerkbar machen, sind die Zeiten für Jugendmedienmacher wirklich nicht schlecht.
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Aufgestanden, raus aus den Ruinen! Dort, wo einst die EXPO endete, beginnen jetzt die Jugendmedientage.

Abb.: Der holländische Pavillon. Fotografiert von Matthias Hensel, via flickr, mit CC-Lizenz.
Noch ist es ruhig, am Stadtrand von Hannover. Morgen, Donnerstag, fallen hier erwartete 500 Jugendmedienmacher aus ganz Deutschland zu den Jugendmedientagen (JMT) ein. Bis dahin erleidet das Messegelände das Schicksal, zu dem es verdammt ist, seit vor neun Jahren die EXPO zu Ende ging. Etwa zu einem Drittel ist es steriles Gewerbegebiet, zu einem Drittel Industriebrache und zu einem weiteren Drittel — dort, wo die EXPO-Pavillons rückgebaut wurden — Golfplatz ohne Löcher.
Der holländische Pavillon, der im dritten Stock einen Wald beherbergt (was Anfang der Jahrtausends wohl ausreichte um irgendwie hip und ökologisch zu wirken) verrottet — und ist in Zement gegossenes Zeugnis einer Zeit vor 9/11 und Wirtschaftskrise, als man nicht nur gerne groß plante, sondern auch noch das Geld dafür zu haben behauptete. Der yemenitische Pavillon, ein weiteres Einweg-Gebäude, sieht aus als wäre es besetzt — bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Schrift an der Wand als Ankündigung des Ausverkaufs der letzten Mieter.
Insofern ist das Gelände vielleicht gar nicht so ungeeignet um — nein, nicht einen Kongress über gescheiterte Utopien oder nachhaltige Stadtentwicklung zu veranstalten, stattdessen aber mit Nachwuchsjournalisten über Medienethik zu diskutieren. In unserer Branche wurde ja auch schon engagiert rückgebaut, was einst als Publikumsmagnet gemeint war. Anderes wirkt einsturzgefährdet. Ab Morgen ist Wohnungsbesichtigung. Ab Morgen beginnen die Renovierungsarbeiten. Ab Morgen auf in eine Zukunft im sanierten Altbau!
Hä, wieso ist das Thema der JMT denn ausgerechnet „Ethik in den Medien“? Hier gibt’s Antworten.
Journalisten zwischen Öffentlichkeit und Opferinteressen: Die Winnenden-Diskussion am Tag 2 beim "Netzwerk Recherche"*
Im Gespräch über das Verhalten von Journalisten in Winnenden räumten Chefredakteure auf der „Netzwerk Recherche“-Jahreskonferenz Fehler ein. Uneinig blieben sie darüber, wie in Zukunft über Amokläufe berichtet werden soll.
Abb. 1: Nicht der Zapp-Beitrag, der gezeigt wurde — aber in vielen Punkten ähnlich.
Drei von vielen hatten sich gestellt. Drei, die sich nicht durch ihre Schuld, sondern durch ihren Mut auszeichneten, das betonte Moderator Kuno Haberbusch mehrfach während des Abschlussplenums der NR-Jahreskonferenz. Dennoch saßen Spiegel-Chef Georg Mascolo, Nicolaus Fest aus der Bild-Chefredaktion und Hans Müller-Jahns vom ARD-Boulevardmagazin Brisant auf dem Podium wie auf einer Anklagebank – und zogen daraus unterschiedliche Konsequenzen.
Eröffnet wurde die Diskussion „Geklaute Fotos, verletzte Intimsphäre – Medien ohne Moral?“ mit der Verlesung der Anklage. Ein eingespielter Beitrag aus Haberbuschs Medienmagazin Zapp listete kontroverse Entscheidungen und Fehler deutscher Journalisten bei der Berichterstattung über Winnenden auf. Eine Auswahl: Privatfotos von Opfern wurden unautorisiert auf Titelseiten veröffentlicht. Eine Überlebende wurde den Mordopfern zugerechnet, zwei gänzlich Unbeteiligte mit dem Täter verwechselt. Und Fernsehkameras kurz nach dem Amoklauf auf minderjährige Schüler gerichtet und die Bilder ungepixelt gesendet.
Hans Müller-Jahns nahm die Kritik stellvertretend für seine Zunft an und sprach von einem „Teufelskreis“, der dem Wettbewerb um Neuigkeiten geschuldet sei. Georg Mascolo wollte sich dagegen nicht auf ein Aufrechnen von Geschwindigkeit und journalistischer Qualität einlassen. „In Winnenden zu sein und auf Sendung zu sein halte ich nicht für verwerflich“, sagte der Spiegel-Chef angesichts journalistischer Live-Kommentatoren auf Twitter und im TV. „Der Punkt muss nur sein: Spekulation hat mit unserem Beruf gar nichts zu tun“, mahnte er. Nicolaus Fest stellte derweil die ganze Diskussion in Frage. „Ich halte Winnenden nicht für einen Fall, bei dem die Presse versagt hätte“, sagte er.
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Never mind the Britney, here's France Gall: Ami-Nerds entdecken den Schlager.
Nicht nur weil France Gall mich hier doch sehr an die frühe Britney Spears erinnert (zugegeben: mit etwas weniger Work-Out-Ästhetik und etwas mehr Bildungsbürgerchentum, „deutscher“ halt), finde ich den YouTube-Kommentar „Why dont we have American pop stars like this!“ bemerkenswert. Neulich erst hat das amerikanische A-List-Blog BoingBoing die Ankündigung eines Vortrags über Computerdarstellungen in der Popmusik mit einem Video von France Galls „Computer No. 3″ bebildert. Steht uns via USA die große Rehabilitation deutscher 60er-Jahre-Schlagermusik bevor?
(Antwort: Wahrscheinlich nicht. Aber Spaß macht das schon.)
Europawahl-Adbusting: Die Grünen. Mit WUMS! im Kosovo.

Abb.1: Gesehen in („der Friedensstadt“) Osnabrück
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