a c h t m i l l i a r d e n . c o m

Worte zum ausklingenden Sonntag (3):

Veröffentlicht in amerika von oskar piegsa am 29. März 2009

[T]he storied American word cowboy was first applied to the black slaves who herded cattle in colonial Carolina.

Oh weh. Nicht nur Jazz wurde also von den Weißen geklaut und Rock’n'Roll, sondern auch das Cowboytum… Zitat aus John Steele Gordons „An Empire of Wealth: The Epic History of American Economic Power“ (Rezensionen auf usaerklaert, amazon).

Overheard in HH: Ein Plädoyer für die engagierte Dokumentation exhibitionistischer Erlebnisse im öffentlichen Raum

Veröffentlicht in hamburg, medien, popkultur von oskar piegsa am 29. März 2009

Abb.: Ein Telefon hält sich die Ohren zu. Foto von KB35, via Flickr, gemäß CC-BY-Lizenz.

Mobiltechnologie ist so geil. Beim Warten auf die U3, stadteinwärts, Haltestelle Borgweg, durfte ich heute einem jungen (offenbar) Vater dabei zuhören, wie er leicht empört auf seine (offenbar) Partnerin einredete. Er könne nicht verstehen, sagte er, was so schwer daran sei, die „harten Brocken mit dem Taschentuch rauszunehmen“ und im Klo runter zu spülen, bevor die Windel in den Mülleimer kommt. Guter Punkt. Und der Mitnehmkaffee schmeckte mir gleich doppelt so lecker.

Der Rückweg war aber noch besser. Vom Display ihres Blackberrys las eine Mitfahrerin ihrer nebenstehenden Bekannten (und doch für den ganzen Wagen vernehmbar) aus dem E-Mail-Austausch mit ihrer Freundin vor. Verhandelt wurde das Topos „Urlaub von einander brauchen“ und die kniffelige Frage, ob und wann man „wir“ sagen darf, wenn man über die eigenen Gefühle redet, und ob und wann das eher verletzend und/oder eine Zumutung ist.

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Tanz- und Mitwippveranstaltungen des Monats: Im April ist Europa randvoll mit Schwervon!

Veröffentlicht in deutschland, popkultur von oskar piegsa am 29. März 2009

Abb.: Schwervon! Foto via Myspace.

Die kompromisslos liebenswerte Miniband Schwervon! kommt mal wieder nach Europa. Und zwar sowas von. Da saven wir besser mal the date: 5. April Darmstadt, 6. April Köln, 7. April Hamburg, 8. April Berlin, 9. April Oldenburg, 10. April Leipzig, 11. April Furth, 12. April Wien, 13. April Regensburg, 14. April Dudingen, 15. April München, 16. April  Offenbach, 17. April Bremen, 18. April Dresden, 19. April Passau. Danach Frankreich, davon UK. Klingt fast ein bisschen so, als würde das die letzte Tour vorm kollektiven Herzinfarkt werden…

Alle Infos & Musik hier. Zuletzt lobbehudelt habe ich Major Matt Mason von Schwervon!, als er 2008 im Hamburger Lockengelöt aufspielte.

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Pause. Zurück aus der Türkei.

Veröffentlicht in rest von oskar piegsa am 16. März 2009

Reise/Auslandsrecherche Deshalb: Blogpause bis Ende des Monats. Bis dahin werde ich keine neuen Beiträge veröffentlichen und keine neuen Kommentare moderieren können. Kurz: zwei Wochen absoluter Stillstand! Wenn es zwischendurch Updates gibt, dann höchstens hier zu Ende.


Für ein elaboriertes Rückblicksposting fehlen mir aktuell die Zeit und Muße, aber: Claudius hat ein paar erste Bilder unserer Reise durch den Südosten der Türkei (Hasankeyf, Batman, Diyarbakir, Tatvan, Van) in seinem Blog veröffentlicht, da kommt demnächst auch bestimmt noch mehr. Außerdem sei an dieser Stelle das Blog von Kirk empfohlen, der, wenn er nicht gerade mit drei deutschen Freunden durch Kurdistan reist und omnipräsenten Obama-Öcalan-Vergleichen standhält, unter dem Titel „Atakürk“ über sein Leben als amerikanischer Architekt in Istanbul schreibt.

Politik 2.0: Offensives Obama-Missverstehen ist angesagt.

Veröffentlicht in amerika, deutschland, medien, politik von oskar piegsa am 16. März 2009

Immer wieder heißt es in Texten deutscher Wahlkämpfer, Politiker und Berater, Obamas (vor allem: Online-) Auftritte seien so fürchterlich dialogisch gewesen. Aber wie viele @-Replies hat @barackobama denn geschrieben? Und wie oft hat sich Obama zu Chats, Forendiskussionen oder auch nur dem ganz analogen Beantworten von Fragen auf seinen Wahlkampfauftritten hinreißen lassen?

Klar: wir Journalisten (und Wähler) haben am laufenden Band E-Mails und Kurzmitteilungen bekommen, die unsere guten Kumpels Barack Obama und Joe Biden unterzeichnet hatten. Und ohne das Internet wäre vieles viel weniger erfolgreich gelaufen. Das demonstriert aber nicht primär, dass Obama „Mut zum Dialog“ hatte, sondern eine gut geölte, gradlinige Message-Maschinerie und eine strenge Kommunikationsdisziplin. Auch, wenn man Obama derartige Unsexyness vielleicht lieber nicht zutrauen würde…

Befindlichkeitsliteratur 2009: Es geht um Arbeit.

Veröffentlicht in deutschland von oskar piegsa am 16. März 2009

Repräsentativ für die junge Literaturszene ist es wohl nicht, Hinweis auf ein der Hörerschaft unterstelltes (oder unter den eigenen Pratikanten und Jungredakteuren vorherrschendes) Zeitgefühl aber schon: bei der Leipziger Literatur-Party des Radiosenders Sputnik am Samstagabend ging es am laufenden Band um Arbeit und (mangelndes) Selbstwertgefühl.

Erst sprachen Holm Friebe und Thomas Ramge über ihr Sachbuch „Marke Eigenbau“ (Thema: Emanzipation vom Anstellungsverhältnis, selbstständiges Designertum). Dann las Boris Fust aus dem Roman „12 Stunden sind kein Tag“ (Thema: die Leiden eines Werbeagentur-Praktikanten). Es folgten Michael Wirbitzky und Sascha Zeus mit ihrer Lesung aus „Die Tagung: Chaos ist Chefsache“ (Thema: die Leiden eines jungen Event-Agentur-Mitarbeiters). Dann trat die Headlinerin Sarah Kuttner auf und las aus „Mängelexemplar“ (Thema: die Depressionstherapie einer jungen, just entlassenen Event-Agentur-Mitarbeiterin).

Immer ging es um vermeintliche Traumjobs in Agenturen, immer um das Unglück, das mit ihnen einher geht, oder die Leere, die sie nicht zu füllen im Stande sind. Einen Abend lang dominierten nicht Liebe, Rebellion, oder Politik, sondern: problematische Beziehungen zu Arbeit- und Auftragsgebern, erdacht und aufgeschrieben von Leuten, die allesamt in erster Linie ihr Geld in den Medien verdienen und sich nur nebenbei als Schriftsteller versuchen. Auffällig ist das schon.

Leseliste (#9): US-Konservatismus & Multikulturalismus, E-Books, das moralische/politische Versagen der Jugend (mal wieder)

Veröffentlicht in amerika, medien, politik von oskar piegsa am 16. März 2009
  1. Der (schwarze, konservative) Kommentator Shelby Steele beschäftigt sich mit der Frage, wieso die Demokraten mehr Erfolg bei (ethnischen) Minderheiten haben als die Republikaner. Seine These: Demokraten versprechen die moralische Erlösung von der historischen Schuld Amerikas. Deswegen könnten sie reüssieren, obwohl ihre Politik, in Steeles Augen, unterlegen ist. Seine Gegenstrategie: auf die Erleuchtung der amerikanischen Wählern warten. Hm. (Re: Hua Hsus „The End of White America“.) [via RealClearPolitics]
  2. Konrad Lischka hat sich „Libreka!“, das E-Book-Portal des deutschen Buchhandels, angeschaut. Und kommt zu dem Ergebnis: Libreka! ist noch sehr beta. So beta, dass Lischka jetzt schon dessen anstehenden Flop voraus sagt. (Re: „Regal“ ist das neue „Covergestaltung“.) [via Spiegel Online Netzwelt]
  3. Wolfgang Michal setzt zum journalistischen Generationendiss an: „[Der 66-jährige Günter Wallraff] muss Rennrad fahren und Marathon laufen und sich 20 Jahre jünger schminken, um all die Jobs zu kriegen, die eigentlich für Jüngere gedacht sind. Wo, bitte, sind unsere 30-jährigen Reporter? [...] Sie kleistern ihre Lifestyle-Blättchen mit Mode, Geschenktipps und Fotogalerien zu. Sie interviewen Stars und porträtieren „Erfolgstypen“.“ Ich bin gespannt auf die Diskussion.

Associated Press vs. Shepard Fairey: Die "Hybrid Economy", Urheberrechte und Wertschöpfungsprozesse…

Veröffentlicht in amerika, medien, politik, popkultur von oskar piegsa am 13. März 2009

OK: Graffiti-Street-Art-Typ Shepard Fairey nutzt ein Foto der Presseagentur Associated Press (AP) als Vorlage um das möglicherweise populärste grafische Werk des letzten Jahres zu schaffen (a.k.a. „HOPE“). Dann verklagt ihn die AP — und fordert nicht nur die Lizenzgebühren, die Fairey umging, als er sich das Bild einfach aus dem Internet pickte, sondern Entschädigungszahlungen. Entschädigungszahlungen? Genau, Entschädigungszahlungen. Fairey argumentiert dagegen, seine grafische Bearbeitung der Fotovorlage habe wertversteigernd gewirkt, nicht wertmindernd. Was lässt sich teurer verkaufen:

  1. „Das Foto, das als Vorlage zum möglicherweise populärsten grafischen Werk des letzten Jahres diente“, oder
  2. „Hey, eine von gefühlten zehn Milliarden Aufnahmen von Barack Obama“?

Damit macht man es sich etwas leicht, klar. Aber vielleicht geht der Fall „HOPE“ in ein paar Jahren in die Lehrbücher ein, als Beispiel für Lawrence Lessings These, dass in der Hybrid Economy (oder auch: Aufmerksamkeitsökonomie) der Remix wesentlicher Bestandteil des Wertschöpfungsprozesses eines Originalwerks werden kann (Lessing ist übrigens der Mensch, der bei Faireys Statement links am Tisch sitzt). Oder, oh Ironie!, als Beispiel für die Resistenz der vielleicht nicht immer zu Unrecht sogenannten „alten Medien“ gegenüber solchen Erkenntnissen.

Mindestens in punkto Öffentlichkeitswirkung hätte die AP ein bisschen besser beraten werden können.

[Video via Gawker, dort auch mehr Fairey-Kontroverse]

"Regal" ist das neue "Covergestaltung": Zwei Argumente gegen das E-Book — und warum sie mich nicht überzeugen.

Veröffentlicht in deutschland, medien von oskar piegsa am 12. März 2009

Mit der Frage nach dem Bedrohungspotential des E-Readers für den Buchhandel beschäftigt sich ein lesenswerter Artikel im aktuellen SPIEGEL (Nr. 11, 9.3.09, S. 102f., „Die eVolution“). Justine Trautmann hatte vor einiger Zeit im ZUENDER geschrieben, dass einige Protagonisten der Buchindustrie ähnlich ahnungslos auf die neuen E-Reader reagieren, wie einst die Plattenfirmenbosse auf den ersten MP3-Player und File-Sharing im Internet.

Im SPIEGEL zeigen Marco Evers und Martin U. Müller nun, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit einer Art Anti-Amazon den Einzelhandel stärken will: über die Plattform Libreka! bezieht man demnach die digitalen Bücher für den E-Reader zwar zentral im Netz, der dafür fällige Obulus wird aber einem Buchladen vermacht, den der oder die User_in selbst auswählen kann. Super Idee. Thalia, Mayersche, ihr seht nie wieder Geld von mir! Von jetzt an geht alles wieder an den Bücher-Bär in meiner Heimatkleinstadt, wie back in the days.

Einen Kopierschutz gibt es bei „Libreka!“ übrigens nicht, nur digitale Wasserzeichen, was demnächst bestimmt zu rechtlichen Problemen führen wird, wenn per Wasserzeichen als einem bestimmten Leser gehörende digitale Bücher von Kommilitonen oder kleinen Geschwistern „geliehen“ oder „geklaut“ werden und schließlich tausendfach kopiert in Filesharing-Kreisläufen auftauchen. Wir werden sehen.

Das Für und Wider digitalen Lesens wird ja spätestens seit Anfang des Jahres engagiert in den deutschen Medien diskutiert. Mir leuchtet dabei nicht so recht ein, wieso sich das E-Book nicht durchsetzen sollte (wenn die Hardware noch billiger und benutzerfreundlicher wird). Soweit ich die Diskussion überschaue, gibt es vor allem zwei plausible Argumente, die in Position gebracht werden, um die Erfolgsaussichten des digitalen Lesens in Abrede zu stellen. Das erste führt Marco Dettweiler in der FAZ unter dem programmatischen Titel „Ein E-Book ist kein MP3-Album“ aus:

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Cut — Leute machen Kleider: Noch ein neues Magazin!

Veröffentlicht in medien von oskar piegsa am 11. März 2009

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Abb. 1: Cut’n'Paste-Cover in Punk-Tradition, denn: das hier ist nicht Handarbeit, das ist DIY!

Woot! Ein zentimeterdickes Magazin mit schönem Layout und Hipster-Models, die desinteressiert in Fotografien herumstehen, und echten Schnittmustern (echt, aka.: mehr noch als so Statement-mäßig wie im Missy Magazin, richtige Schnittmuster, auf Butterbrotpapier gedruckt, zum Ausfalten)! Und für Anfänger wird erklärt, wie man Knöpfe annäht. Danke, liebe Erstausgabe des Cut Magazins, DIY/„Marke Eigenbau“ ist soeben zwei Nummern gewachsen.

Jetzt könnte man es sich kritikmäßig natürlich leicht machen, und darüber nörgeln, dass die in der Zeitschrift enthaltenen Schnittmuster nur für Frauen_sachen sind. Aber damit würde die Rollenklischeekritik ja als Rollenklischee daher kommen. Jungs können doch genauso gut Sommerkleidchen nähen und tragen, ey, was soll daran denn falsch sein?

Überschwängliches Geblogge, weil: wenn jetzt jeder Gang zum Kiosk mit einer überraschenden, neu gegründeten Lebensführungszeitschrift belohnt wird, dann können die Zeiten so schlecht nicht sein. Und wenn doch, naja, dann sparen wir ein bisschen am H&M-Budget und nähen uns unsere Klamotten einfach selbst. Zur Not auch Sommerkleidchen.

Nachkaufen: Cut. Leute machen Kleider. Am Bahnofskiosk. 7 EUR, ca. 172 Seiten.

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Abb. 2: Sagt ein Münchner Magazin zum anderen: Meine Centerfolds sind größer als deine Centerfolds.

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