a c h t m i l l i a r d e n . c o m

Mist, ich glaub, ich mag jetzt Metal… Erste Begegnung mit Tyranny und The Number 12 Looks Like You

Veröffentlicht in popkultur von oskar piegsa am 28. Februar 2009

Vorhin zufällig im Netz entdeckt: The Number 12 Looks Like You. Ich würde ja tippen: Postcore. Las irgendwo aber auch Mathcore. Was offenbar ein Subgenre des Sammelbegriffs Postcore ist. Einigen wir uns auch Kompositon-“Core“-Musik. Jedenfalls: toll, toll, toll. Hier (am besten nicht auf’s Video achten, das lenkt nur ab):

Die erste Assoziation beim Auto-Abgleich mit meiner Popkonsumbiografie ist Blood Brothers, die ich zwei- oder dreimal live gesehen habe, aber nie wirklich auf Tonträger anhörte. Vielleicht war ich zu jung. Das hier klingt jedenfalls super. Und ist beim dritten Mal Hören immer noch frisch und unverbraucht. Toll, toll, toll.

Neulich unterhielt ich mich mit einem sympathischen Menschen, der erzählte, dass er bei der Arbeit im Newsroom ganz gerne Doom-Metal höre. Ich kenne Metal ja nur aus dem bezaubernden Dokumentarfilm „Full Metal Village“. Und von den jungen Männern aus der Heimatkleinstadt, die bei einer gemeinsamen Gartenveranstaltung den geliehenen Grill meines Vaters demontierten und damit meine Lust noch weiter schmälerten mich mit ihrer Jugendkultur auseinanderzusetzen, die mir ohnehin machistisch, verklemmt, potentiell reaktionär und schlecht frisiert erschien.

Folgerichtig war, wenn andere sagten, sie hörten „Alles, einmal quer durch den Gemüsegarten“, oder „Alles, außer Techno“, meine Antwort auf das „Und du so?“ stets „Alles, außer Metal“. (Allein schon, sich darüber streiten zu müssen, ob eine bestimmte Band jetzt eher als Speedmetal, Trashmetal, oder Metalcore zu verorten sei — idiotisch!)

Ein schwerer Fehler, wie sich jetzt rausstellt. Als ich in dem bereits erwähnten Gespräch von neulich sagte, ich fände es strebermäßig, dass es beim Metal offenkundig darum geht, wer sich am längsten nicht die Haare schneidet und wer am häufigsten Gitarrespielen übt, und Musik von besser frisierten Menschen mit weniger Gitarrenskills (frühe Tocotronic, The 5.6.7.8′s) ja wohl geiler sei, keulte mich der kluge Doom-Metal-Hörer mit dem Authentizitätsvorwurf um.

Darauf konnte ich nichts mehr antworten. Und nahm mir vor, die von ihm empfohlene Band Tyranny mal anzuhören. (Interessant! Die englischsprachige Wikipedia verzeichnet diverse Alben und sogar einen Sternenzerstörer namens Tyranny, nicht aber die Band!) Freundlicherweise haben sie eine MySpace-Seite:

Zu meinem eigenen Erstaunen finde ich Tyranny sehr hörbar. Vielleicht nicht unbedingt emanzipatorisch („Salvation Takes Like Lead“: rassistisch?! Mindestens: saudumm), enthemmt, progressiv und gut gestylt, aber: sehr hörbar. Der Zufallsfund The Number 12 Looks Like You macht aber noch mehr Spaß.

Jetzt erstmal: Nochmal die Blood-Brothers-Sachen anhören. Dann: In Hamburg einen Plattenladen finden, der Tyranny und The Number 12 Looks Like You verkauft (und in den ich mich reintraue). Und dann: Trotz der neuen Lieblingsmusik auf keinen Fall Haare-wachsen-lassen und hoffentlich nicht auf’s Wacken wollen. Man muss ja nicht gleich übertreiben.

Lieber wieder Melt! — das Line-Up sieht schon jetzt sehr gut aus.

Trotz Medienkrise:

Veröffentlicht in rest von oskar piegsa am 27. Februar 2009

Claudius (the übercosmopolitan photographer formerly known as al-Musafir) bloggt wieder. Passend zum Ende des Zuenders in seiner bisherigen Form sieht das ein bisschen aus wie unser Adam-Green-Adventsblog im letzten Dezember. Nette Retrogeste.

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Flamewar der Woche (2): Indie-Hamburg gegen Abweichler

Veröffentlicht in hamburg, popkultur von oskar piegsa am 27. Februar 2009

aus dir wird noch ein ganz großer kleinbürgerlicher redaktionschef.

Mehr.

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Salman Rushdie & ich. Ein Posting über Bücher, die ich nicht gelesen habe. Und ein Indiz dafür, dass das Internet doch nicht verdummt.

Veröffentlicht in amerika, medien, rest von oskar piegsa am 19. Februar 2009

Für die letzte Ausgabe der US-“Vanity Fair“ schrieb Christopher Hitchens über seinen Freund Salman Rushdie. Hitchens beginnt seinen Text mit einer Anekdote darüber, wie Rushdie den Autoren Robert Ludlum veralbert (mir und anderen Literaturvermeidern wohl am bekanntesten durch die verfilmte „Bourne“-Trilogie). In dem Artikel scherzt Rushdie darüber, wie Shakespeare-Stücke wohl heißen würden, wenn Ludlum sie geschrieben hätte. So wird „Macbeth“ zu „The Dunsinane Reforestation“. Das ist sogar lustig, wenn man noch nie etwas von Ludlum gelesen hat. (OK, „Macbeth“ muss man gelesen haben. Oder zumindest das hier. Bitte besonders den Absatz über „Birnam Wood“ beachten!)

„This is the way, when discussing Rushdie and his work, that I like to start“, schreibt Hitchens. „He is sublimely funny, and his humor is based on a relationship with language that is more like a musical than a literary one.“ Hitchens fährt — broderesque — fort, über mediale Selbstzensur zu schreiben, darüber, wie die Furcht vor weiteren Fatwas und weiteren brennenden Botschaften zur präemptiven Selbstzensur im Kulturbetrieb führe.

Zufällig bin ich jetzt über die Videoaufzeichnung eines Vortrages gestolpert, den Rushdie — von dem ich bisher noch nichts gelesen habe — im vergangenen Jahr vor der Google-Belegschaft hielt. Er spricht über die Entstehungsgeschichte seines (am 6. März auf Deutsch erscheinenden) Romans „Die bezaubernde Florentinerin“.

Die Geschichte des Romans spielt im 16. Jahrhundert, ist in und zwischen Indien und Europa angesetzt, in Nebenrollen treten Niccolò Machiavelli, Dschingis Khan und Graf Dracula auf. Alles in allem kling das mindestens so wahnsinnig wie Christian Krachts Roman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“, den ich auch nicht gelesen habe, aber mir immerhin zu einem guten Stück vom Autoren vorlesen lassen durfte, als der im vergangenen Jahr in Hamburg auftrat.

Wer bisher die Augen verdreht, aber dennoch beharrlich weitergelesen hat, dem sei gesagt, dass genau jetzt die Erklärung folgt, warum ich hier über Bücher schreibe, die ich nicht gelesen habe: zurück zu Salman Rushdie. Der erwischte einen wunden Punkt bei mir, als er im Diskussionsteil seines Vortrages (bei Minute 34:24 im Video) gefragt wird, wie die Fatwa ihn in seinem Leben und Schreiben beeinflusst — und Nachfolgendes antwortet:

[...] I also think it’s had a kind of negative effect on what people think of my work. I mean, I’m now talking about non-readers of my work. I think if you read my book, then you make up your mind, whether you like it or not, and that’s easy.

But I think because the attack on my work was of a very particular kind, let’s say it was theological and it was kind of arcane and it was medievalist [sic] and it certainly was not funny, people somehow transposed those qualities to what they imagined my work must be like. So, you know, because the attack was theological, I must be a religious writer. Because the attack was so humorless, I must be humorless. And so on.

And I think the combined effect of all that was to make some – many, perhaps – readers think: ‚I don’t think those books are for me, because they are too alien from me and I don’t like that kind of sound of that kind of book.’ [...]

Voll erwischt! Ich weiß nicht, ob ich mich damit nach Hitchens schon zum präemptiven Selbstzensierer qualifiziere (ich glaube: nein, tue ich nicht), aber bisher bin ich nicht in Versuchung gekommen, „Die satanischen Verse“ zu lesen. Und zwar auch aus den von Rushdie beschriebenen Ressentiments.

Was jetzt als Indiz dafür verstanden werden kann, dass das Internet doch nicht dumm macht. Zumindest wirkt Rushdie in dem Google-Video genauso angenehm und humorvoll, wie Hitchens ihn in seiner Kolumne beschreibt. Und macht Lust darauf, seine Humorbegabung auch mal auf dem guten alten Informationsträger Papier anzutesten. Also: mal wieder ein Buch zu lesen.

Farewell, Vanity!

Veröffentlicht in medien von oskar piegsa am 18. Februar 2009

Offenbar macht die deutsche „Vanity Fair“ zu. Meldet Kress.de. Dabei hat doch gerade erst Konkurrent „Park Avenue“ das Handtuch geworfen! Blöde Krise.

Susi via Facebook: „Vanity…äh…Dings“, eine Zeitschrift für … hm, … man kann sie jedenfalls beim Frisör auslegen“ wird eingestellt ….. ähm, schade ..“

Ähnliches schreibt auch Sonja Pohlmann über das Ende des Magazins:

Vanity Fair sollte gleich vier Zeitschriften in einer sein. Mit einem People-Teil sollte Bunte und Gala Konkurrenz gemacht werden, mit einem politischen Agenda-Teil Stern und Spiegel, mit Mode und Beauty Vogue und Elle und mit einem Kultur-Teil den Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung. Doch haben die anderen Blätter jeweils für den einen Bereich so viele oder sogar mehr Mitarbeiter wie die Vanity Fair für alle vier. „Da kann das Ergebnis am Ende nur minderwertiger sein“, sagt [Ex-Tempo-Macher und Lead-Academy-Vorsitzender Markus] Peichl.

[Changelog:] „Deutsche“ ergänzt, Susis Häme ergänzt, Kress-Erreichbarkeitsprobleme gestrichen, Zitat aus dem Artikel von Sonja Pohlmann ergänzt.

Was würde der Niedergang der Suburbia für die Republikaner bedeuten?

Veröffentlicht in amerika, politik von oskar piegsa am 17. Februar 2009

Im Zusammenhang mit Hua Hsus Essay „The End of White America“: Tim Mak schreibt im Republikaner-Retter-Blog „The New Majority“ über Richard Floridas und Alan Ehrenhalts Überlegungen zum Niedergang der Suburbia und Re-Urbanisierung der USA und den sich daraus möglicherweise ergebenden politischen Konsequenzen für die amerikanische Rechte:

Republicans should be troubled if these prophecies and prescriptions come to pass. After all, some of the most reliably consistent mechanisms drawing individuals to conservatism are the modes of consumption inherent in suburban living. It has long been thought that those who agree with lower taxes do so because of the burden of mortgage payments, and that those who shun spending programs like public transit are inclined in this manner because they own cars [...]. But what if suburbia as we know it vanished [?]

[...]

Taxes will continue to be a burden on the middle class, but a middle class that more directly benefits from urban public spending may be increasingly willing to shoulder the load. People will continue to purchase houses, but perhaps in lower numbers. Voters are drawn to policy stances when they are relevant to problems experienced in their own lives, and Republicans will need to adjust their policies so that they speak to an increasingly urban audience. To do this, conservatives will need to consider how government can be effectively used to encourage competition and efficiency in the problems most relevant to the burgeoning urban middle-class: issues like health care, education and social security.

Rick Morran nimmt sich in dem anderen Republikaner-Retter-Blog „The Next Right“ des Programms der diesjährigen „Conservative Political Action Conference“ (CPAC) an (26. bis 28. Februar, dieses Jahr leider ohne mich) und kommt zu dem Ergebnis: angekommen sind diese Überlegungen in der „konservativen Bewegung“ noch nicht. Das Programm ist bestückt mit verdienten Veteranen des rechten Amerikas, wichtige Kritiker nehmen nicht teil. Und: Veranstaltungen widmen sich dem „Culture War“ (der laut Morran dazu geführt hat, dass die Republikaner als Schwulen- und Frauenhasser wahrgenommen würden und nicht als besonnene Steuer- und Wirtschaftspolitiker) und dem Online-Wahlkampf — nicht aber der Erneuerung des eigenen Programms angesichts einer sich verändernden Realität.

Immerhin eine Veranstaltung im Rahmen der CPAC widme sich Hispanics. Diese wachstumsstarke Bevölkerungsgruppe konnte George W. Bush als texanischer Gouverneur noch für sich gewinnen, auf nationaler Ebene ist sie den Republikanern aber weitestgehend verloren gegangen.

Die Suburbia-Überlegungen sind ja nicht zu Unrecht mit einem „what if“ markiert (zum steigenden Ölpreis im vergangenen Sommer gab es auch schon mal Überlegungen, ob jetzt eine Re-Urbanisierung einsetzen würde, und — sieh da –  der Ölpreis sank wieder und der Gedanke ward verworfen). Aber: die letzten zwei Kongress-Wahlen haben gezeigt, dass Suburbia ohnehin schon jetzt nicht so beinhart auf Seiten der Republikaner verharrt, wie Karl Rove das einst annahm.

Let's shake hands:

Veröffentlicht in rest von oskar piegsa am 11. Februar 2009

Keine Ahnung was das PolitCamp09 ist, aber auf Drängen meiner Freundin habe ich mich eben angemeldet. Beträchtliche Teile der ZUENDER-Alumni werden dort auch antreten. Wir können alle im Kreis stehen und unsere Hände schütteln. Oder was man sonst eben so macht, auf dem PolitCamp09.

[Update:] Für alle, denen ich mich nicht persönlich vorstellen kann, habe ich mich nun der Konvention gefügt und eine gute versteckte „About Me“-Seite veröffentlicht, inkl. Mini-Bio und Phantombild.

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DeLon zu M.I.A.: "You ain't representing for Sri Lanka, 'cause Sri Lanka wants peace and you want war"; "Fuck your terrorist group"str

Veröffentlicht in politik, popkultur von oskar piegsa am 11. Februar 2009

Anlässlich der Grammy-Performance von M.I.A. brachte die New York Times gestern einen Artikel über die politischen Statements und unterstellte Tamil-Tigers-Sympathie der Rapperin. Ganz neu ist diese Auseinandersetzung nicht, 2007 führte die Zeile „Like PLO I don’t surrender“ zum MTV-Boykott des Songs „Galang“, M.I.A. selbst brachte die Zeile mit ihrem Einreiseverbot in die USA in Verbindung.

Erst durch den NYT-Artikel bin ich auf das Video des Rappers DeLon aufmerksam geworden, der die Kritik an M.I.A. etwas pointierter vorträgt — auf ihrem eigenen Beat:

[via]

Och nö, ne? Das Massensterben der Zeitungen steht an. Und alle Rettungsideen sind unbeholfen und/oder doof. Was nun?

Veröffentlicht in amerika, medien von oskar piegsa am 10. Februar 2009

Walter Isaacson war gestern zu Gast in der Daily Show, um ein Thema zu besprechen, das er für die aktuelle Ausgabe des Time-Magazine auch zu Papier gebracht hat — es ging um Möglichkeiten, die amerikanische Medienbranche zu retten. Diese, so erläutert Isaacson, ist in einer grotesken Situation gefangen: Immer mehr Menschen nutzen journalistischen Content. Und immer weniger bezahlen dafür. Dieser Trend werde von den Medien noch voran getrieben, so Isaacson, indem durch die kostenlose Veröffentlichung von Medieninhalten im Internet Anreize geschaffen werden, kostenpflichtige Abos abzubestellen.

Seine Vorschläge in der Daily Show:

  1. Verleger, kopiert das Erfolgsmodell von iTunes, und lass eure Leser niedrige Gebühren für das Aufrufen von Artikeln bezahlen!
  2. Verleger, berechnet Gebühren für Links, die von anderen Websites auf eure Inhalte verweisen! (Schließlich verdienen Nachrichtenaggregatoren wie Digg ihr Geld damit, die Inhalte anderer Seiten zu verlinken. Und Blogs wie Gawker haben ein Erfolgsmodell daraus gemacht, die Inhalte anderer Seiten zu kommentieren. Beide verhalten sich also im Grunde parasitär.)

Ebenfalls gestern postete Jeff Jarvis in seinem Blog einen Eintrag mit Gegenargumenten zu diesen (und anderen) Rettungsideen. Im Grunde reicht es aber auch schon, die Daily Show anzuschauen und dabei zweimal kurz angestrengt nachzudenken. Denn:

(weiterlesen…)

Leseliste (#8): Zwei aktuelle Texte zu Barack Obamas eGovernance

Veröffentlicht in amerika, medien, politik von oskar piegsa am 2. Februar 2009
  1. Douglas McGray: iGov. Was muss das Weiße Haus tun? McGray schreibt: Datensätze öffentlichen Interesses in verarbeitbarer Form veröffentlichen. Und den Rest dem lieben Volk überlassen.
  2. Evan Ratliffe: The Wired Presidency. Can Obama Really Reboot the White House? Ratliffe nennt diverse Hürden, die der eGovernance/iGovernance/WikiGovernance [...] noch im Wege stehen.
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