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“Dream Team of Rivals”: Präsident Obama, Außenministerin Clinton

Posted in amerika, politik by oskar on 22. November 2008

“Sweeet!”, wie der Amerikaner sagt. Hillary Clintons Benennung zur Außenministerin (laut New York Times hat sie offenbar zugesagt) ist der erste große Coup von Barack Obamas Präsidentschaft — die am 20. Januar 2009 beginnt, mehr als ein Jahr nach dem Beginn der Präsidentschaftswahlen mit den Vorwahlen von Iowa am 3. Januar 2008 und fast zwei Jahre nachdem Barack Obama seine Kandidatur am 10. Februar 2007 verkündete und der Wahlkampf damit offiziell begann.

Während des epischen Vorwahlkampfes, in dem Hillary Clinton und Barack Obama um die Präsidentschaftsnominierung ihrer Partei stritten, gab es immer wieder Spekulationen über eine mögliche Doppelkandidatur der beiden. Sie als Präsidentschaftskandidatin, er als Vize. Oder er als Präsidentschaftskandidat, sie als Vize. Viele der Menschen, mit denen ich während meiner Berichterstattung für ZEIT Online in den Vereinigten Staaten über die Spekulationen sprach, waren aber skeptisch, aus den folgenden Gründen:

Warum sollte ein Präsidentschaftskandidat Barack Obama seinen Erfolg und sein Reformer-Image dadurch aufs Spiel setzen, dass er die polarisierende und etablierte Hillary Clinton nominiert? Das würde die Unentschiedenen doch skeptisch machen. Außerdem lehnen die Linken in der eigenen Partei den Zentrismus der Bill-Clinton-Jahre ab, die Rechten außerhalb der Partei hassen die Clintons sowieso (Vorwürfe hier: moralische Verfehlungen des Präsidenten schon lange von Monica L., anmaßende Rolle der Präsidentschaftsgattin in der Gesundheitspolitik, etc. etc.). Wäre das nicht also reichlich hoch gepokert, um die “verbitterten” Clinton-Anhänger aus den Vorwahlen einzusammeln, deren aggressivsten Vertreter_innen drohten, in diesem Jahr für die Republikaner zu stimmen (zumindest stellten die Republikaner das so dar, siehe z.B. hier und hier).

Auch die Variante “Präsidentin Clinton, Vize Obama” stieß auf Zweifel. Würde Clinton nicht zu stolz sein, um sich mit einem zweiten Platz zufrieden geben — nachdem ihre Präsidentschaftskandidatur von langer Hand geplant war, lange Zeit als sicher galt und jetzt durch einen unwahrscheinlichen Gegenspieler aus den eigenen Reihen zunichte gemacht wurde? Und würde die Kandidatin das Risiko eingehen, sich durch einen Vizeposten für die erneute Kandidatur 2012 (dann ist sie 65) politisch zu verbrauchen, zumal sie, wie sie mehrfach indirekt äußerte, offenbar an Barack Obamas Fähigkeit zu siegen und zu regieren zweifelte?

Nicht zuletzt waren da auch noch Stimmen wie die der Wirtschaftswissenschaftlerin Julianne Malveaux:

Ein Team aus einem Afro-Amerikaner und einer Frau würde die Vorurteile zu vieler Menschen auf einmal herausfordern. Das eine oder das andere: ja. Aber nicht beide zusammen.

Dann gewann Obama die Nomierung und benannte Joe Biden als Vizekandidat. Auch Senator Joe Biden ist ein alteingesessener Demokrat. Aber: weniger exponiert und weniger umstritten als Clinton. Außerdem weniger weiblich als Clinton (falls das wirklich eine wesentliche Rolle spielte). Und: weniger Clinton als Clinton. Im Wahlkampf perlten seine Fehltritte von ihm ab, die Medien stürzten sich lieber auf die Republikaner-Vizekandidatin Palin als auf Biden, mit Clinton als Demokraten-Vize wäre vielleicht alles ganz anders gelaufen.

Nun wird dieser Joe Biden, der Obama unbeschadet durch den Wahlkampf geführt hat, am 20. Januar der amerikanische Vizepräsident. Der Posten, der der wirklichen Nummer Zwei im Präsidentschaftskabinett aber unter Umständen viel näher kommt, der des Außenministers nämlich, wurde von Obama aber durch Hillary Clinton besetzt. Wow.

Es gibt zwar weiterhin Menschen, die an Obama/Clinton zweifeln, dem “Dream Team”, das nach dem Vorbild von Abraham Lincolns Kabinett auch als “Team of Rivals” bezeichnet wird (zum Beispiel hier und hier). Insbesondere der Name von Clintons Ehemann fällt bei den Skeptikern immer wieder. Bill Clinton ist mit seiner Stiftung schließlich weiterhin als “Global Player” politisch aktiv — eine Aktivität, die sich für Hillary Clinton politisch als problematisch erweisen könnte (wie dieser, bereits etwas ältere Text, schildert).

Vor allem finde ich aber bemerkenswert, was Joe Canoson hier auf den Punkt bringt:

In the appointment of Hillary Clinton, [Barack Obama] has proved [...] that he is a supple thinker, capable of changing his views according to experience. To elevate the junior senator from New York into his Cabinet, Obama had to set aside the criticisms of her that he and his surrogates had voiced during the campaign.

[...]

The same contrast between then and now applies to Clinton as well, of course. To be willing to sacrifice her Senate seat — and an apparent offer to join the Democratic leadership — she must have come to a very different view of Obama’s potential than the skepticism expressed by her and her supporters in the heat of the primary. In accepting this appointment, she will fully endorse his fitness to lead and the soundness of his worldview, without reservation. That acknowledgment goes far beyond the speeches of the general election campaign, which she delivered over and over on his behalf.

Nicht, dass da jemals jemand dran gezweifelt hatte, aber die Präsidentschaft Barack Obamas — das wird noch echt spannend werden.

Eine Antwort

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  1. [...] Es ist ja nicht so, dass es nur Clintons, Palins und Ypsilantis gibt. Sondern auch Thatchers, Albrights, Rices, Merkels. Und, Überraschung, Clintons. [...]


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