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Uni Hamburg und ich: Studien-Infonetz verbieten und zerschlagen!

Posted in hamburg by oskar on 19. Oktober 2008

Vor einigen Jahren wurde an der Uni Hamburg “STiNE” eingeführt, das “Studien-Infonetz”. Das neue, sozusagen “Betriebssystem” der Universität zentralisierte erstmals die Studiendaten der Studenten an der Uni Hamburg. Über das System sollten Kurse gewählt und vergeben, Studienleistungen erfasst und gespeichert und eine neue Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden ermöglicht werden — u.a. mit der Folge, dass Lehrende nun einsehen konnten, welche ihrer Studenten ihre Nachrichten gelesen haben und welche nicht. Damals sorgte das für einigen Unmut seitens linker Hochschulgruppen.

Auch optimistisch und/oder apolitisch gedacht, und ohne Verschwörungsszenarien zu entwickeln und Missbrauchspotentiale der Software auszuloten, stellte sich STiNE als Problem dar — denn es funktionierte einfach nicht richtig.

///Nach dem Seitenumbruch: ganz viel Ärger mit dem blöden System.

Statt an einer Fakultät oder einem Fachbereich erprobt zu werden, wurde STiNE von einem Semester auf’s nächste verpflichtend für die ganze Uni, die aktuell über 35.000 Studierende und über 10.000 Mitarbeiter zählt. Die Folge: das unerprobte System war offenbar überfordert. Diverse Studierende klagten darüber, dass sie sich gar nicht in STiNE einloggen konnten, oder dass das System bei ihnen anderweitig streikte. Der Theorie nach bedeutete dies den Ausschluss von allen Seminaren des kommenden Semesters. Dazu kamen offenbar schlampig eingespeiste Daten: ein Politikseminar fand auf einmal angeblich mittwochs von 2 Uhr bis 4 Uhr statt — nachts, wohlgemerkt.

Lehrende und Studierende halfen sich also, wie man sich immer hilft, in dem bisweilen arg chaotischen Bürokratiedschungel der Uni Hamburg: durch Improvisation. Das vertraute und bis dato vielleicht nicht immer einwandfrei aber doch funktionierende Anmeldeverfahren, bei dem Studierende ihre Kurswünsche auf Papierzettel schrieben und die Vergabe von Uni-Mitarbeitern vorgenommen wurde, wurde in meinen Fachbereichen schlicht fortgesetzt, STiNE teilweise von Lehrenden mehr oder weniger offensichtlich boykottiert.

Dass ungeachtet der berechtigten Kritik an zentral gespeicherten Daten solche Systeme das Studium erleichtern und ein Gewinn für alle Beteiligten seien können, erlebte ich, als ich ein gefühltes Jahr nach der Einführung von STiNE zwei Semester an der American University in Washington DC studierte.

Zurück an der Uni Hamburg begrüßt mich STiNE am Vortag des Wintersemesterbeginns heute mit der folgenden Meldung:

Aktueller Hinweis

Das Studien-Infonetz STiNE hat nach einem notwendigen Update in der vergangenen Woche unvorhergesehene Probleme in Bereichen gezeigt, die bisher einwandfrei funktioniert haben. Die Universität Hamburg bedauert dies sehr und bittet alle Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Die Datenlotsen haben unter großem Einsatz den Fehler gesucht und alle notwendigen Anpassungen unmittelbar umgesetzt. Der Analyseprozess dauert zur Zeit allerdings noch an.

Es besteht deshalb die Möglichkeit, dass das Verteilungsverfahren für die einzelnen Veranstaltungen/Module nicht rechtzeitig abgeschlossen werden kann und die Studierenden nicht rechtzeitig darüber benachrichtigt werden, für welche Veranstaltungen sie zugelassen sind. Für diesen Fall bitte ich die Studierenden, am Montag in die Veranstaltungen zu gehen, für die sie sich angemeldet haben.

Prof. Dr. Holger Fischer
Vizepräsident für Studium und Lehre

Frage: wie lange darf ein System nicht funktionieren, bis es als nicht funktionstüchtig erkannt, benannt, abgeschaltet (und meinetwegen grundlegend überarbeitet oder neu konzipiert) wird?

Der marode bauliche Zustand unserer Uni an dem sich nach meinem persönlichen Erfahren auch mehrere Semester nach der Einführung von Studiengebühren nichts geändert hat, wurde ergänzt durch eine Software, deren Benutzung für alle Studierende verpflichtend, aber leider (wie heute) unmöglich ist.

Danke für die Reformen.

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