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Endlich! Der endgültige Kanon der allerallerbesten Zeitschriften der Welt

Posted in medien by oskar on 12. Juli 2008

Abb: So sehen Siegerhefte aus. Oder wie?

Meine Damen und Herren,

ich freue mich darüber, dass das hier entgegen anfänglicher Schwierigkeiten so gut funktioniert mit dem Kommentar-Button. Außerdem freue ich mich, dass die Chicago Tribune in dieser Woche eine Liste mit den 50 Lieblingsmagazinen der Redaktion veröffentlichte.

Wie meistens bei solchen Listen sind die überraschenden Titel eher rar gesät – wer in einer beliebigen amerikanischen Großstadt schon mal interessiert den Zeitschriftenfachhandel besuchte, wird einen großen Teil dieser Hefte schon mal in der Hand gehabt haben. Einige Exoten sind dabei, zum Beispiel Brain, Child das “Magazin für denkende Mütter”, oder Goldberg, ein spanisch/englisches Barock-Fanzine. So weit ich das überblicke ist Goldberg aber auch der einzige ausländische Titel. Nicht-englisch-sprachige Magazine sind in der Liste gar nicht aufgeführt. (Dabei hätte man als Chicagoer Zeitung ja mindestens als Gag mal einen italienischen Titel aufnehmen können, oder?)

Neulich wählte Neon die besten Blogs der Welt (Erstens interessant: Neon schreibt im Heft über Netz und Blogosphäre, veröffentlicht online aber nur eine minimale Auswahl: Hä? Zweitens interessant: Das Verhältnis von “besten Blogs” aus muslimischen Ländern und den von Foreign Policy ermittelten Top 10 der “besten Intelektuellen”: 0 zu 10).

Ich dachte mir, ich drehe den Spieß einfach mal um und schreibe (ebenso anmaßend, nein, sogar noch ein bisschen anmaßender!) eine Liste der besten Zeitschriften der Welt. Auch als Ergänzung zur unvollständigen Liste der Chicago Tribune.

Und weil das hier ja, wie gesagt, so gut funktioniert, mit dem Kommentarbutton und Zeitschriftenleser in diesem Blog ebenso mitdiskutieren wie Zeitschriftenschreiber machen wir einfach eine Umfrage draus, oder?

Wenn wir hier eine realistische Liste zusammen bekommen, würde ich einen freundlichen Brief an die Chicago Tribune aufsetzen. Und mal sehen, was dann passiert. Wahrscheinlich nichts. Aber Spaß macht das vielleicht trotzdem.

Ich würde mal sagen: Blond scheidet aus wegen Relaunch, der Zuender weil es den nur im Netz gibt und Missy weil es noch nicht erschienen ist. Ansonsten ist alles erlaubt. Ergänzt eure Vorschläge als Kommentar, vielleicht mit kurzem Plädoyer/Begründung.

Ich mache mal den Anfang: Ein paar spontane Vorschläge für den endgültigen Kanon der allerallerbesten Zeitschriften der Welt gibt es nach dem Seitenumbruch:


Abb.: Dummy Magazin Ausgabe 19, Titelthema: Schweiz © Dummy

Dummy (dt.) – selbsterklärend, man muss nur mal reinkucken. “Tiere” und “Schweiz” haben mich als Titelthemen gar nicht interessiert, in den Heften habe ich dann doch überraschend viel gelesen. Wobei, was heißt überraschend. Mit einiger Sicherheit das beste deutschsprachige Lese-Heft am Bahnhoskiosk.

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Abb: Radar Magazine, Juli/August Ausgabe © Radar

Radar (US) – “Pop, Politics, Scandal, Style” verspricht der Untertitel dieses Monatsmagazins aus den USA. Und das Verrückte: Meiner Erfahrung nach halten sie, was sie versprechen und bedienen alle Themenfelder dieser ebenso attraktiven wie unwahrscheinlichen Mischung auf hohem Niveau.

In der Fashion-Rubrik werden monatlich Nischen-Styles dechiffriert (zum Beispiel der von Öko-Eltern; der von Kindern reicher Eltern, die jetzt auf Künstler machen; oder den vor Praktikanten im Capitol). Zum Thema Scandal gab es im letzten Jahr z.B. wiederholt gute Reportagen über die Musik- und Boulevard-Medien-Industrie. Unter dem Label Politics geht es um Verbrechen in New Orleans, den geheimen nationalen Katastrophenplan der USA und die Frage wieso es sich lohnt um die Präsidentschaft zu kandidieren, auch wenn man keine Chance hat zu gewinnen. Und Pop ist ja eh alles irgendwie.

Nur die Idee, im vergangenen Jahr immer wieder gephotoshoppte Schocker auf den Titel zu nehmen hat sich schneller abgenutzt, als die Redaktion das eingesehen hat.

Ich bilde mir ein, dass es ein Heft wie Radar schon deshalb in Deutschland nicht gibt, weil bei unserer E- und U-Mentalität eine Redaktion, die zu gleichen Teilen aus begabten politischen Schreibern und querdenkenden Hipstern besteht, nie ein solides Heft zustande bekäme. Vielleicht irre ich mich und es wird eines Tages ein deutschsprachiges Pendant geben. Bis dahin gibt es Radar entgegen der Ankündigung auf der Website auch in Europa im Abo. 10 Hefte gibt’s für 30 USD.

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Abb: Paradis Magazine, Ausgabe 4 / Sommer 2008 © Paradis Magazine

Paradis (fr.) – Der Untertitel ist irgendwas mit homme und contemporain, ich fühle mich also angesprochen. Und wesentlich schlechter angezogen, als die meisten abgebildeten Herren im Heft. Aber das muss ja so, in diesem Zeitschriften-Genre.

Die Erstausgabe von Paradis habe ich mir vor vielleicht anderthalb Jahren im Frankreich-Urlaub gekauft. Und dann in Deutschland gemerkt, dass das Heft hierzulande auch komplett identisch auf englisch erscheint, was das Verständnis für mich ungemein entkompliziert. Ist aber auch egal, denn Paradis ist ein Magazin, bei dem der Inhalt angenehm auffällt (so: aha, ein Text über Warhol!), das man sich aber eigentlich wegen der Bilder kauft. Wie den Playboy also. Nur das Paradis bessere Bilder enthält. Keine Photoshop-Gemälde von “Bunnies” mit wegretuschierten Arschgeweihen, sondern ehrliche Nackte z.B. in einer epischen Bilderstrecke von Jürgen Teller (der hier offenbar auch die ganzen Anzeigen bebildert). Usw.

Apropos Nackte: die Macher von Paradis scheinen andere Schlüsse aus der Internet-Misere (vgl. hier) zu ziehen als andere “neue Männer”-Magazine / neue Männermagazine. Statt Fotos von nackten Frauen aus dem Heft raus zu lassen, haben sie ihre Bild-Ästhetik den Porno-Sehgewohnheiten der hommes contemporains angepasst und zeigen relativ viele rasierte Unterleibe, relativ viele Schamlippen. Der Hang zur mittelsubtilen Erotik ist ja auch schon auf dem Cover zu erahnen. (Auf dem Titelbild der Erstausgabe flatterte ein Schmetterling zwischen gespreizten Frauenschenkeln.)

Ansonsten: tolle Typo, ein Umfang für den man gerne 10 EUR bezahlt und: sieht im Regal fast so super aus, wie auf dem Coffee Table (das ist ja auch wichtig).

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Abb: Brand Eins, Heft 07, Juli 2008 © Brand Eins; Foreign Policy, Juli/August 2008 © Foreign Policy; Human Globaler Zufall, Ausgabe 2 © Human Globaler Zufall; Spex, Ausgabe 315, Juli/August 2008 © Spex

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Brand Eins (dt.) – Home of the lesbarer Wirtschaftsjournalismus & Return of the Allgemeinbildung.

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Foreign Policy (US) – Home of the lesbare außenpolitische Essays. Toll am Foreign Policy Magazin ist (im Vergleich zum Foreign Affairs), dass man auf Grund der großformatigen Fotos, Info-Grafiken und generellen ästhetischen Begabtheit der Layouter nicht als Streber auffällt, wenn man es in der U-Bahn liest.

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Human Globaler Zufall (dt.) – Die zweite Ausgabe ist raus und auf den ersten Blick ist alles anders: Das Cover ist weiß, das Coverfoto eckig, nur der rote Faden hängt immer noch raus wie eh und je. Nach dem Anlesen der Texte in der Erstausgabe ist bei mir der Kaufreiz eher leicht zu beherrschen. Sollte man dem Heft noch eine zweite Chance geben?

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Spex (dt.) – immer noch nicht immer wirklich lesbar, dafür seit Berlinumzug mit vielen guten Ideen.

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Was fehlt in der Chicago Tribune Liste außer den berechtigten Konsens-Heften (Wired, New Yorker, Vanity Fair (US), Believer) sonst noch:

Vice? Good? SZ Magazin? Leute Hamburg? Giddy und/oder Jungsheft? Cicero? Monopol? Dogs? Perfect Homme? Bravo? Frau im Spiegel? Der Wachtturm? S.V. Otze Fanzine? Spiesser? Y.?

Kübra, Claudius, welche türkischsprachigen Hefte müssten mit rein? Arno: kanadische? Mareike: Bosnische? Carsten, Michael, Svetlana, lest ihr hier mir? Habt ihr polnische, russische und australische Kandidaten? Dominik: kroatische Hefte die du magst gibt’s eher nicht, oder? Jonas, ich habe bestimmt tausend Sachen vergessen, die dir noch einfallen?

Ich würde gerne ein paar Meinungen hören, da muss doch noch mehr gehen!

20 Antworten

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  1. oskar piegsa said, on 12. Juli 2008 at 12:35

    Ich merke gerade, ich habe mich ja neulich erst über Umfragen lustig gemacht. Das macht mich jetzt wohl zu Flip-Flopper.

  2. qüpi said, on 12. Juli 2008 at 20:30

    So, spontan fällt mir kein türkisches Magazin ein (da ich die nur von Urlaub zu Urlaub lese). Da müsste ich ein kleines bisschen Nachdenken.
    Aber: Ein englischsprachiges muslimisches Lifestyle-Magazin fällt mir ein! Allein, dass es das gibt, ist spitze: http://emelmagazine.com/

  3. [...] Endlich! (achtmilliarden.wordpress.com, Oskar Piegsa) “Der endgültige Kanon der allerallerbesten Zeitschriften der Welt.” [...]

  4. ugugu said, on 14. Juli 2008 at 9:38

    Aus Italien sollte MicroMega auf die Liste, finde ich…

  5. Arno said, on 14. Juli 2008 at 15:04

    Wallpaper, Details (Mainstream, aber erhellende Klolektüre, unvergessene Artikel wie: “Why do female teachers sleep with their male students – and why it is okay with us”), I-D, Dose (www.dose.ca) etc. etc. etc.

    “gib mir Geld – ich mach dir ein Magazin”

  6. Arno said, on 14. Juli 2008 at 15:06

    uh uh uh: Liebling (www.liebling-zeitung.com), nettes Format, bestes Vorwort, beste Fotostrecken, Mode ohne Laberei – kurz: schön.

  7. Eva said, on 14. Juli 2008 at 18:14

    Ich mag den Fluter!

  8. Roman said, on 14. Juli 2008 at 18:14

    Ich mag DU!

  9. Helmut Montag said, on 14. Juli 2008 at 18:43

    STEADYCAM

  10. oskar piegsa said, on 14. Juli 2008 at 20:11

    Oh, was ist mit mittlerweile ausgestorbenen Zeitschriften? V.i.S.d.P. zum Beispiel. Und alert.

  11. Arno said, on 15. Juli 2008 at 13:28

    dann wird die Liste zu lang…

    immer wieder spannend wie viele fontwhores (nicht böse/sexistisch gemeint) es doch gibt

  12. hellmood said, on 16. Juli 2008 at 20:32

    i like:
    the economist! pflichtlektüre für jeden angehenden diplomaten.
    kicker. muss man eigentlich nicht begründen. trotzdem: karl-heinz heimann dreht den scheinwerfer, rainer holzschuh macht seinem name alle ehre. unverzichtbare lektüre.

  13. [...] Kanon der allerbesten Zeitschriften der Welt wollen wir nichts entgegensetzen, nicht die 50 Favoriten der Chicago Tribune mit doppelt so vielen [...]

  14. provinzfürst said, on 25. Juli 2008 at 14:42

    die spex? himmel, nein. erstaunlich, wie viele jahre man von einem ruf leben kann. deutlich besser ist sie seit der 2. berlin-ausgabe, dank hervorragender gastbeiträge zwar geworden. aber wirlich gut? nein. maßstab in sachen pop+politik+digitales leben ist die de:bug.

  15. oskar piegsa said, on 25. Juli 2008 at 21:04

    de:bug, natürlich! wertvolle ergänzung, danke.

  16. [...] Immer noch offen: Der Thread zu den allerallerbesten Zeitschriften der Welt. Beschlagwortet mit:fanzine, fotos, männermagazine, medienmarkt, porno « Re: Rock [...]

  17. [...] hatte ich hier schonmal Titty City, ein Schmuddelheft neuen Typs, vorgestellt und andere Zeitschriften, die ich mag. Jetzt versuche ich mal das zu institutionalisieren. Und zwar: als schlecht [...]

  18. Karl Kraut said, on 12. September 2008 at 13:10

    Interessantes Thema! Und jetzt noch:

    http://www.juxtapoz.com
    http://www.tcj.com
    http://www.forteantimes.com
    http://www.private-eye.co.uk

  19. [...] hier als Lieblingsmagazin proklamiert, kurz danach endlich ein Abo eingekauft, und jetzt ist Schluss. [...]

  20. erotik said, on 31. März 2009 at 23:57

    deutlich besser ist sie seit der 2. berlin-ausgabe, dank hervorragender gastbeiträge zwar geworden. aber wirlich gut? nein.


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