Auf der Leseliste: Moslems, Archive, Praktikanten, Männermagazine
Vier aktuelle Lektüre-Optionen gibt es nach dem Seitenumbruch.
- Beispiel-für-anstehende-Globalisierungsdiskussionen des Tages: Das amerikanische Magazin Foreign Policy ermittelte per Leser-Umfrage die 20 wichtigsten öffentlichen Intelektuellen. Gemeint war: öffentliche Intelektuelle weltweit. Ermittelt wurde ebenfalls: weltweit – per Abstimmung im Internet. Nun bloggte die Redaktion über ihre Überraschung: Alle Plätze der Top 10 sind von Moslems besetzt, viele davon eher unbekannt in den USA. Hier ist die Liste der 20 wichtigsten öffentlichen Intelektuellen, hier das kommentierende Blog-Posting.
- Medienlese verkündet: Nach u.a. der New York Times macht nun auch die britische Times ihr Archiv auf – beim Lesen alter Artikel im Netz sind keine Gebühren mehr fällig. Sehr gute Entwicklung. Die alte Utopie des Internets als Archiv des Weltwissens wird dadurch wohl zumindest ein Stückchen weiter konkretisiert.
- Aktuelle U-Bahn-Lektüre: Boris Fusts Debütroman “Zwölf Stunden sind kein Tag”, der demnächst erscheint (hier gibt’s mehr Infos bei Amazon und hier findet sich ein Werbetext, der bei Boris’ Arbeitgeber, im Kostenlosmagazin Intro, erschienen ist und in dem ein entscheidender Fakt falsch ist: Protagonist Arne verdient nicht 245,80 Euro im Monat. Soviel bezahlt er für seine Krankenversicherung. Steht auf Seite 17, ey. Verdienen tut er 300.) Damit ist Boris Fust offenbar derjenige ‘junge Journalist mit literarischen Ambitionen (und/oder wirtschaftlichem Instinkt)’, der das Rennen um den Untertitel “Der Praktikanten-Roman” gewonnen hat. Da kommen aber noch mehr Bücher nach – freuen wir uns auf ein ganz neues deutsches Literatursubgenre.
- Und zum Schluss: Die Erstausgabe des britischen Palladium Magazins. Das Heft ist bereits ein bisschen länger am Kiosk (die zweite Ausgabe ist für Angang Juli angekündigt) und verkündet in seinem Untertitel “Because modern man has moved on”. Diesen Versprechen von maskuliner Neuartigkeit deckt sich zwar nicht unbedingt mit der Retro-Typo des Covers, ist als Ansage aber auch selbst nicht so neu. So etwas ähnliches, nämlich den irgendwie “neuen” oder “anderen” Mann bedienen zu wollen, verkündeten in Deutschland auch schon Feld (2006), Player (seit Relaunch, 2007) und Front (2007). Player wurde bereits eingestellt, wie andere Männermagazine, die am deutschen Markt zuletzt scheiterten. Nicht nur deshalb lohnt sich ein Blick auf Palladium, das auf den ersten Blick kaum Parallelen zu typischen, britischen Lad Mags wie Loaded hat. Mal sehen, was die Briten von Palladium anders und/oder besser machen, als die gescheiterten deutschen Kollegen. Einen einführenden Text über die Probleme von Männermagazinen habe ich vor einiger Zeit im zuender veröffentlicht, dieser und andere Artikel zum Thema wurden später im hier bereits erwähnten Medienlese Blog diskutiert. Oh, wo wir gerade darüber sprechen: Weiß jemand, wo ich in Hamburg Fantastic Man bekommen kann?
Wow, Fethullah Gülen auf Nr.1! :D
Ok, die ZAMAN-Leser haben dazu wohl einen großen Beitrag geleistet, aber trotzdem: Das zeigt, wie groß sein Einfluss ist – obwohl er in der breiten Masse kaum bis keine Medienpräsenz hat. Er und die “Nur”-Bewegung (Nur-Cemaati) sind meiner Ansicht nach, DIE treibende Kraft für Bildung und Wissen.
Der Papst könnte auf Nr. 1 sein, wenn die BILD das forciert hätte, denke ich.
Ich muss ergänzen: “DIE treibende Kraft für Bildung und Wissen in der Türkei.”
Und: Tatsächlich, die Umfrage wird wohl an jeder Methodenforschung scheitern, sie nicht repräsentativ.
Wesentlicher: Meine gravierenden Bildungslücken, wenn es um moslemische Intelektuelle geht. Vielleicht könnten wir uns mal zur Nachhilfe treffen.
[...] Neulich wählte Neon die besten Blogs der Welt (Erstens interessant: Neon schreibt im Heft über Netz und Blogosphäre, veröffentlicht online aber nur eine minimale Auswahl: Hä? Zweitens interessant: Das Verhältnis von “besten Blogs” aus muslimischen Ländern zu den von Foreign Policy ermittelten “besten Intelektuellen”). [...]
[...] abzuschaffen ist jedenfalls eher keine Alternative. Und jetzt noch die Spielregeln ändern und doch wieder anfangen, für Inhalte Geld zu erheben? [...]